Smith und Miyama sorgen für einen Thriller

  • Rückblick auf einen WM-Klassiker von 2007

  • Kelly Smith und Aya Miyama waren die herausragenden Stars beim 2:2 zwischen England und Japan

  • Die beiden Nationen treffen 2019 in Frankreich erneut aufeinander

Fussballfans sollten sich Mittwoch, den 19. Juni, dick im Kalender anstreichen. Denn an diesem Tag kommt es bei der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft™ zu einem besonders interessanten Duell: Japan, der Titelträger von 2011 und unterlegene Finalist von 2015, trifft auf England, eines der derzeit formstärksten Teams im Frauenfussball.

Ein Gruppenspiel zwischen zwei potenziellen Titelanwärtern ist grundsätzlich eine spannende Angelegenheit, ganz egal, welche Teams dabei auf dem Platz stehen. Doch die beiden hier beteiligten Teams haben in der Geschichte des Turniers bereits mehrfach für viel Dramatik und Spannung gesorgt. Man denke nur zurück an das Halbfinale 2015, das erst durch ein unglückliches Eigentor von Laura Bassett zugunsten der Japanerinnen entschieden wurde, oder an Deutschland 2011, als England als einziges Team einen Sieg gegen die späteren Titelgewinnerinnen feiern konnte.

Bereits bei der Turnierauflage 2007 in der VR China kam es in der Gruppenphase in Shanghai zu einem unvergesslichen Duell der beiden Teams. Die Partie endete mit einem 2:2-Unentschieden, nachdem die Engländerinnen in den letzten zehn Minuten zwei Mal trafen, bevor die Japanerinnen in der fünften Minute der Nachspielzeit noch zum Ausgleich kamen. Das Spiel war zugleich ein persönliches Duell zwischen zwei großartigen Akteurinnen.

Bis zum letzten Moment sah es so aus, als würde Kelly Smith die Schlagzeilen zum Spiel beherrschen. Die englische Starstürmerin war schon im Vorfeld von der legendären Chinesin Sun Wen als potenzieller Topstar des Turniers genannt worden, und dieser Einschätzung wurde sie in dieser Partie mit einem Doppelschlag voll und ganz gerecht. Das Bild, auf dem Smith ihren Fussballschuh küsst, steht sinnbildlich für dieses Spiel.

ts9o6kmdfwodzpgsxwfx.jpg

Trainerin Hope Powell fand diese Art des Jubels allerdings nicht unbedingt angemessen und nannte sie "respektlos", während Torhüterin Rachel Brown über den "cleveren Marketing-Gag" lachte. Beide allerdings erkannten die herausragende Leistung Smiths an. Brown sagte: "Kelly hat wirklich magische Füße. Sie ist eine außergewöhnliche Spielerin, die sich auch gegen die besten Spielerinnen der Welt behaupten kann."

Allerdings hatten auch die Japanerinnen eine Spielerin in ihren Reihen, auf die dieses Lob genau passte. Die Engländerin berichtete später, sie habe kurz vor Schluss "schon innerlich gejubelt, weil wir in unserem ersten Spiel auf dem Weg zum Sieg waren".

Doch sie hatte die Rechnung ohne die Freistoßspezialistin Aya Miyama gemacht. Die japanische Mittelfeldspielerin hatte ihr Team nach der Pause mit einem direkt verwandelten Freistoß in Führung gebracht. Wenige Sekunden vor dem Schlusspfiff wiederholte sie dieses Kunststück mit einem noch besseren Schuss und sorgte für lange Gesichter bei den Engländerinnen.

Japans Trainer Hiroshi Ohashi meinte später, es sei "ein einfach unglaubliches Tor" gewesen. Für Asiens dreimalige Fussballerin des Jahres war es zudem ein Novum. "Es ist mir heute zum ersten Mal gelungen, in einem Spiel zwei Freistöße zu verwandeln. Ich bin froh, dass ich uns ein Unentschieden sichern konnte", sagte sie nach dem Spiel. "Ich habe schon eine sehr große Verantwortung empfunden, als ich zum letzten Freistoß angetreten bin."

Sie und die anderen Spielerinnen, insbesondere Smith, werden sich auch heute noch sicher gern an diese herausragende Partie erinnern.

Hätten Sie's gewusst? Bei der Partie in Shanghai waren 27.146 Zuschauer im Fussballstadion von Hongkou. Einer davon vermachte seine Eintrittskarte dem FIFA Welt Fussball Museum in Zürich.