Amaiur Sarriegi: Vier Treffer im zweiten Länderspiel

21. Sept. 2021
  • Die 20-jährige Angreiferin erzielte vier Treffer gegen Faröer

  • Es war erst ihr zweites Länderspiel für Spanien und das erste in der Anfangsformation

  • Sie spricht von der Gegenwart, der Auswahl und der WM-Qualifikation

Wenn man im zweiten Länderspiel bereits vier Treffer erzielt und dabei zum ersten Mal in der Anfangsformation auf dem Platz steht, lassen die Glückwünsche nicht lange auf sich warten.

"Ich habe sie nicht gezählt, aber ich beantworte sie immer noch", erzählt Amaiur Sarriegi FIFA.com, nachdem sie beim 10:0 gegen Färöer, mit dem Spanien in die Qualifikation für die Frauen Fussball-WM Australien/Neuseeland 2023™ startete, vier Treffer erzielt hatte.

"Am Schönsten waren die Glückwünsche von der Familie und von Freunden, aber gefreut habe ich mich über alle. Alle haben gesagt, dass ich es mir mit harter Arbeit verdient hätte", merkt die 20-jährige Spielerin an, die im vergangenen Juni im spanischen Frauen-Nationalteam debütierte, als sie in einem Freundschaftsspiel gegen Belgien neun Minuten vor Schluss eingewechselt wurde.

Wenn sie die schönsten auswählen müsste, entscheidet sich die schnelle und technisch beschlagene Stürmerin, die man in allen drei Positionen im Angriff einsetzen kann, für zwei der vier Tore, die sie erzielte.

"Mit dem ersten, weil es nach einer Flanke fiel, ich ungünstig zum Tor stand und ich mich mit dem ganzen Körper einsetzen musste, um die Torhüterin noch zu bezwingen. Dann noch den zweiten Treffer, denn ich habe einen schönen Doppelpass mit Alexia (Putella) gespielt, die mir den Ball perfekt zum Tor aufgelegt hat", erzählt die in San Sebastian geborene Spielerin.

Sie weiß auch schon, was sie mit dem Spielball anfangen wird. "Wir müssen die Luft rauslassen, um damit zu reisen. Aber danach pumpe ich ihn wieder auf und lasse ihn von meinen Mitspielerinnen unterschreiben, bevor ich ihn zu Hause in eine Vitrine stelle. Das Gleiche gilt für das Trikot, das auch einen besonderen Platz in meiner Sammlung bekommen wird", sagt sie und strahlt über das ganze Gesicht.

Der Fussball als Spiegel des Lebens

Zwischen den ersten Bällen, die sie als Geschenk erbettelte, um mit ihren Brüdern zu spielen, und dem letzten Ball, den sie sich auf dem Platz verdiente, sind einige Jahre vergangen. In den letzten 13 Monaten hat sie dann den Sprung von Athletic in der zweiten Liga bis zur Torjägerin in der Liga Iberdrola bei Real Sociedad (28 in 15 Spielen) und nun auch ins Nationalteam geschafft.

Wie ist sie mit all diesen Veränderungen umgegangen? "Alles ging ganz schnell, aber der Fussball ist auch irgendwie ein Spiegel des Lebens. Da kann sich auch alles in einem Jahr, einem Monat oder auch in einem Tag verändern. Ich habe mich schnell angepasst. Am Ende entwickelt man sich als Mensch und als Spielerin weiter. Man muss alles natürlich auf sich zukommen lassen. Und den Augenblick genießen, was auch sehr wichtig ist", erklärt sie mit erstaunlicher Reife für ihr Alter.

Unabhängig vom Schützenfest gegen Faröer sieht sie ihre Zukunft bei der Furia Roja. "Ich bin glücklich, denn vier Tore erzielt man nicht alle Tage. Ich glaube jedoch auch, dass ich gut mitgespielt habe. Ich verstehe mich immer besser mit meinen Mitspielerinnen, beim letzten Mal kannte ich sie ja kaum

Spain's Amaiur Sarriegi is seen in action against Faroe Islands during their FIFA Women World Cup qualifying match. Photo: courtesy of RFEF

Sie möchte auch noch keine Ansprüche anmelden. "Ich bin noch kein Vorbild, nur weil ich vier Tore geschossen habe", erklärt sie. In San Sebastian ist das schon anders. "Dort kennen sie mich inzwischen, vor allem die Mädchen. Vielleicht sind wir für sie eine Art Vorbild und das ist immer positiv. Damit tragen wir dazu bei, dass der Frauenfussball und das Niveau der Teams und Vereine weiter gefördert werden."

Amaiur hatte keine klaren Vorbilder, bis sie auf Irene Paredes aufmerksam wurde. "Ich mag ihre Art, ein Team zu führen, zu spielen und die Partien zu gestalten. Der Fussball muss mit genau dieser Leidenschaft und Energie gelebt werden. Wir haben gemeinsam am letzten Lehrgang teilgenommen. Ich konnte sehen, wie sie trainiert und auf ihre Spielweise achtet. Sie ist ein Vorbild für mich und für alle."

Aber auch Sarriegi selbst ist ein Vorbild, da sie es schafft, den Fussball und ihr Studium als Grundschullehrerin unter einen Hut zu bringen. "Ich studiere online und kann meine Zeit gut einteilen. Die Mädchen sollten neben dem Fussball noch etwas anderes finden, was ihnen gefällt, denn auch wenn der Frauenfussbal beständig wächst und auch die finanziellen Bedingungen immer besser werden, ist es doch ziemlich wahrscheinlich, dass sie nach ihrer Karriere einem anderen Beruf nachgehen müssen."

Heute Ungarn, morgen die Weltmeisterschaft

Am heutigen Dienstag, dem 21. September, trifft Sarriegi mit Spanien im zweiten Qualifikationsspiel auf Ungarn. "Es gibt keine leichten Spiele mehr, schließlich geht es um die WM-Qualifikation. In der letzten Partie war das anders, aber wenn wir nicht rasch in Führung gehen, kann alles passieren. Man muss jeden Gegner ganz gezielt analysieren und hart arbeiten, um ihn zu besiegen."

Spain national team is seen prior the match against against Faroe Islands during FIFA Women World Cup qualifying campaign. Photo: courtesy of RFEF

Dennoch weiß sie um die Stärke der spanischen Auswahl. "Hier gibt es einige der besten Spielerinnen der Welt und wir nähern uns immer mehr der Spitze an. Man muss auch seinen Teil dazu beitragen, damit Spanien mit den besten Mannschaften Schritt halten kann. Das ist ein Privileg, das mich stolz macht."

Das große Ziel ist letztlich, bei der nächsten WM dabei zu sein. "Wovon jedes Mädchen träumt, wenn es anfängt, Fussball zu spielen, ist vor vollen Rängen anzutreten und solche Augenblicke und Spiele zu genießen. Dein Land zu vertreten, wenn die ganze Welt dir zusieht, gegen Gegner, die zu den Besten zählen, das ist es, was mich antreibt."