Velásquez – zehn Jahre später

26. Juli 2021
  • El Salvador nach acht Jahren wieder auf der Weltbühne

  • Frank Velásquez, bester Torschütze der Concacaf-Qualifikation

  • Träume nie aufgeben

Seit fast zehn Jahren ist Frank Velásquez daran gewöhnt, dass das Leben immer wieder Überraschungen bereithält. Manchmal sind es gute, manchmal böse Überraschungen. Als El Salvador am 8. September 2011 im Viertelfinale der FIFA Beach-Soccer-Weltmeisterschaft in Ravenna den Gastgeber besiegte, wusste er, dass sich sein Leben ändern würde. Italien erzielte damals fünf Tore, La Selecta sechs. Vier davon gingen auf das Konto von Velásquez.

"Mit dieser WM verbinde ich sehr schöne Erinnerungen. Ich habe den Bronzenen Schuh und den Bronzenen Ball von adidas gewonnen und außerdem das schönste Tor des Turniers geschossen. Wir haben gegen Argentinien gewonnen, das damals zu den Favoriten gehörte, und später haben wir dann den größten Erfolg für den Fussball unseres Landes erzielt, als wir Italien aus dem Rennen geworfen haben."

"Italien war Titelfavorit und viele waren sich in dieser Phase bereits sicher, dass wir ausscheiden würden. Ich kann mich noch an das Hotel erinnern und daran, dass wir die Tickets für den Rückflug nach Hause schon vor dem Spiel gekauft hatten", meint er rückblickend. "Die Freude [über den Sieg] war riesig, das war für uns eine unglaubliche Geschichte. Wir haben alles gegeben, das werden die Fans nie vergessen."

RAVENNA, ITALY - SEPTEMBER 08:  Frank Velasquez of el Salvador celebrates after scoring a goal during the FIFA Beach Soccer World Cup Quarter Final match between Italy and El Salvador at Stadium del Mare on September 8, 2011 in Ravenna, Italy.  (Photo by Lars Baron - FIFA/FIFA via Getty Images)

Frank Velásquez wollte schon immer Fussball spielen. Doch aus finanziellen Gründen konnte er sich nicht aussuchen, wo er spielte. Er träumte davon, sein Land in der Elfervariante zu vertreten, und auf U-17-Ebene hätte er seinen Traum fast verwirklicht. Doch aufgrund der schwierigen finanziellen Situation seiner Familie konnte er nicht zum Training fahren. Deshalb gab er sich schließlich mit dem Sand von Barra de Santiago zufrieden, dem salvadorianischen Strand seines Heimatortes.

"Ich träumte immer noch vom Elferfussball, als an unserem Strand ein Strandfussballturnier ausgetragen wurde. Ich habe mitgespielt, weil mein Bruder auch dabei war und wir immer am Strand spielten. Von da an habe mich ganz darauf konzentriert. Wir haben ohne Regeln gespielt, einfach nur aus Spaß."

"2009 hat man uns dann die Regeln beigebracht und wir haben bei einem Turnier auf nationaler Ebene den zweiten Platz belegt. Ich wurde bester Torschütze des Turniers. Dann wurde ich im Vorfeld der Qualifikation für Dubai 2009 ins Nationalteam berufen. Wir waren 24 Spieler, die um zwölf Plätze kämpften. Ich habe alles gegeben und mit 19 meine erste WM gespielt."

DUBAI, UNITED ARAB EMIRATES - NOVEMBER 16: Frank Velasquez of El Salvador celebrates scoring during the Group B FIFA Beach Soccer World Cup match between Ivory Coast and El Salvador on November 16, 2009 in Dubai, United Arab Emirates.  (Photo by Michael Regan - FIFA/FIFA via Getty Images)

Nach dem großartigen Auftritt El Salvadors zwei Jahre später in Ravenna, wo das Team den vierten Platz belegte, ruhten viele Augen auf Velásquez. "Das war eine meiner besten Phasen. Ich hatte viele Möglichkeiten, nach Europa zu wechseln."

Doch dann nahm sein Leben wieder eine unerwartete Wendung, denn eine Knieverletzung sorgte dafür, dass er nur wenige Monate nach der WM aus seinem Traum erwachte. "Das Leben hat mir eine Lektion erteilt. Es gibt im Leben eben immer Freude, aber auch Sorgen. Ich hatte eine Kreuzband-, Meniskus- und Knorpelverletzung. Ich habe ein Jahr gebraucht, um mich davon zu erholen, und oft gedacht, dass ich vielleicht nie wieder spielen würde. Gott sei Dank habe ich es dann doch geschafft. Es war wirklich hart, aber ich bin dadurch stärker geworden."

PAPEETE, FRENCH POLYNESIA - SEPTEMBER 23:  Frank Velasquez of El Salvador shoots during the FIFA Beach Soccer World Cup Tahiti 2013 Group B match between Solomon Islands v El Salvador at the To'ata Stadium on September 23, 2013 in Papeete, French Polynesia.  (Photo by Mike Hewitt - FIFA/FIFA via Getty Images)

Entgegen aller Prognosen war er pünktlich zur FIFA Beach-Soccer-Weltmeisterschaft Tahiti 2013 wieder fit, der letzten WM, bei der El Salvador vertreten war.

"Wir haben wieder Rückschritte gemacht. Im Nationalteam stand ein Generationswechsel an, und das ist sehr kompliziert. Ich hatte seit 2015 kein Länderspiel mehr bestritten. Ich hatte familiäre Probleme, und konnte nicht an der Qualifikation teilnehmen."

Trotzdem gab Frank Velásquez nie auf, arbeitete auf Vereinsebene weiter und war im Qualifikationswettbewerb für Russland 2021 wieder dabei. Dabei gelang ihm mit El Salvador nicht nur die ersehnte Qualifikation auf Platz eins, sondern er schloss das Turnier der Concacaf auch noch als bester Torschütze ab.

Frank Velasquez of El Salvador. (Photo courtesy of FESFUT)

"Man darf seine Träume nie aufgeben. Es gab Zeiten, da habe ich nicht daran geglaubt, noch einmal bei einer WM aufzulaufen, weil alle dachten, mit meiner Generation sei es vorbei. Aber wir haben sehr hochklassige Spieler und bringen diese Klasse auch auf den Platz. Wir sind hoch motiviert, weil wir in ein Land der Ersten Welt fahren, in dem der Strandfussball sehr professionell ist."

Jetzt konzentriert er sich ganz darauf, in Russland Geschichte zu schreiben. Allerdings ist ihm durchaus bewusst, dass die erste Runde des Turniers alles andere als einfach werden wird. "Wir müssen alles geben. Die europäischen Teams sind sehr ballgewandt. Die Schweiz hat hervorragende Spieler wie Dejan Stankovic, eine Legende des Strandfussballs. Belarus hat an zwei Weltmeisterschaften in Folge teilgenommen, und was die Brasilianer betrifft, so habe ich schon als Kind davon geträumt, einmal gegen sie zu spielen."

Natürlich würde das Team gern an den Erfolg in Italien anknüpfen, aber Velásquez ist lieber vorsichtig und denkt von Spiel zu Spiel.

"Wir arbeiten sehr hart, damit es uns gelingt, ins Viertelfinale einzuziehen und dann vielleicht noch weiter zu kommen. Die 16 teilnehmenden Teams sind die besten der Welt. Daher sind wir motiviert, einen Lebenstraum zu verwirklichen", meint er abschließend.