Saviolas neues Leben im Futsal

  • Nach seinem Abschied vom Fussball im Jahr 2016 begann er in Andorra Futsal zu spielen

  • Saviola über diese neue Erfahrung und die Bedeutung von Ricardinho

  • Der Titelgewinn Argentiniens 2016 und die Optionen für Litauen 2021

Wenn wir von Javier Saviola sprechen, dann denken wir an seine großen Momente und Erfolge als Fussballspieler.

Der argentinische Nationalspieler gewann mit der Auswahl seines Landes bei den Olympischen Spielen 2004 die Goldmedaille und 2001 die FIFA U-20-Weltmeisterschaft. Im selben Jahr verließ er River Plate, bei dem er zu den Leistungsträgern gehörte, um sein Glück in Europa zu versuchen. Es folgten gute Jahre bei Klubs wie dem FC Barcelona, Real Madrid, Benfica Lissabon oder dem FC Sevilla mit zahlreichen nationalen Meistertiteln und dem Gewinn des UEFA-Pokals mit den Andalusiern im Jahr 2004.

2016 beschloss er, die Fussballschuhe an den Nagel zu hängen, stellte jedoch bald fest, dass ihm etwas fehlte. Er war schon als Kind begeistert vom Futsal gewesen und hängte die Fussballschuhe dann doch nicht an den Nagel, sondern tauschte sie gegen welche ohne Stollen ein. "Futsal hat mir schon immer gefallen, und als ich dann mit dem Profifussball aufgehört habe, dachte ich mir, dass ich jetzt Futsal spielen und auf einem anderen Niveau Spaß haben kann", so Saviola im Gespräch mit FIFA.com.

Football - FIFA World Youth Championship 2001 Argentina , Semi Final , Argentina v Paraguay , 4/7/01.Argentina's Javier Saviola celebrates after scoring goal v's Paraguay.Mandatory Credit: Action Images / John Sibley

Warum Futsal?

"Dieser Sport hat mir schon immer gefallen. In Argentinien gibt es alle 400 Meter ein Spielfeld für 'Baby Fútbol', so nennen wir Futsal bei uns. Zwar wechseln wir später auf das große Spielfeld, aber wir beginnen alle so. Deshalb haben wir auch später eine Leidenschaft für diese Variante", so Saviola, der als Fussballer unter dem Spitznamen El Conejo (das Kaninchen) bekannt war.

Der Argentinier, der im Dezember das 40. Lebensjahr vollendet, wusste in den letzten vier Jahren beim FC Encamp in Andorra zu glänzen und hat mit dem Klub weitere Titel eingefahren. "Dort habe ich eine Familie gefunden. Ich war gerade in Andorra angekommen, als ich das Angebot bekam. Also habe ich es ausprobiert. Ich habe angefangen zu spielen, meine Mitspieler kennengelernt und jetzt bin ich schon seit vier Jahren dabei", erklärt er auf die Frage, wie er zum "kleineren Bruder" des Fussballs gekommen ist.

Saviola musste sich umstellen, denn die Unterschiede zwischen Fussball und Futsal sind groß. Das bestätigt er selbst ohne zu zögern. "Der eine Sport hat nichts mit dem anderen zu tun. Futsal ist sehr anstrengend, körperbetont, hart, man muss in Sekundenbruchteilen Entscheidungen treffen, es gibt Teams die sich hervorragend auf das Zeitmanagement verstehen ... das ist etwas ganz anderes als Fussball."

Nachdem er mit Encamp einige kleinere Titel gewonnen hatte, ergab sich die Chance auf einen weiteren Sprung nach vorn und Spiele gegen andere europäische Teams. "Ich wollte mich mit anderen messen und herausfinden, wie das höchste Niveau aussieht. Ich habe es herausgefunden, als wir in der Futsal-Champions-League angetreten sind. Wenn du gegen die Meister der einzelnen Länder antrittst, wird dir bewusst, wie hoch das Niveau ist."

Saviola der Futsalspieler

Als Fussballer war Saviola ein schneller Strafraumstürmer, der seine Torchancen zu nutzen wusste. "Ich sage immer, dass ich ein Fussballer der großen Spielfelder bin, der auf ein Futsal-Feld verfrachtet wurde. Es gibt ganz viele Dinge, die ich nicht weiß, die mir durch die Lappen gehen. Es gibt Futsalspieler, die mir das immer wieder bewusst machen."

Nach seinen Qualitäten gefragt, zögert er nicht lange: "In der Defensive habe ich die größten Schwierigkeiten. Manchmal bin ich unkonzentriert. In meinem Team versuchen wir immer, noch Spieler hinter mir zu haben, die mir helfen können. Das sind Futsalspieler", so Saviola, bevor er auf seine positiven Seiten zu sprechen kommt. "Was die guten Seiten angeht, versuche ich, in der Offensive Tore für mein Team zu erzielen, Räume aufzureißen und meinen schnellen Abschluss zu nutzen."

Eine wichtige Person

Es gibt jemanden, der Saviola als Futsalspieler besonders geprägt hat, und dieser Jemand ist kein Geringerer als Ricardinho. Der portugiesische Star und der Argentinier lernten sich während seines Engagements bei Benfica kennen und haben bis heute eine freundschaftliche Beziehung: "Wir haben viel Kontakt, unterhalten uns. Ich habe ihn als Spieler immer bewundert. Mit Ricardinho habe ich einen sehr guten Menschen gefunden. Wir reden viel und ich sehe ihn gern spielen."

Auf die Frage, ob er ihn um Rat gefragt hat, erklärt Saviola: "Das ist schwierig. Ricardinho ist ein Überflieger. Das ist, als würdest du Messi oder Cristiano Ronaldo um einen Rat bitten. Wir sprechen hier von herausragenden Spielern, den besten der Welt. Ich bin begeistert von der Schnelligkeit, mit der er einen Spielzug zum Abschluss bringen oder eine Partie entscheiden kann."

Die Chancen Argentiniens bei der WM in Litauen

Als Argentinier verfolgt Saviola die am Sonntag beginnende FIFA Futsal-Weltmeisterschaft besonders aufmerksam. Schließlich werden seine Landsmänner versuchen, den Titel zu verteidigen, den sie vor fünf Jahren in Kolumbien errungen haben. "Hoffentlich gelingt es! Als Argentinier, der lange Jahre [Fussball]-Nationalspieler war, würde ich mich freuen, wenn sie wieder Weltmeister werden", meint er. Allerdings warnt er auch vor den Gegnern: "Da wären die Spanier, die immer wunderbaren Futsal spielen, den ich sehr unterhaltsam finde, und natürlich die Portugiesen, die es gewohnt sind, an die Spitze zu kommen."

Genau wie die meisten seiner Landsleute war auch Saviola völlig überrascht vom Titelgewinn 2016. "Das kam für alle überraschend. Aber als wir dann die Spiele gesehen und den Verlauf der WM verfolgt haben, wurde uns bewusst, dass Argentinien ein enormes Potenzial hat. Der Titel war wirklich verdient und einfach super für unseren Futsal", betont er.

Zum Schluss hat er noch eine Botschaft für die argentinischen Nationalspieler, die in Litauen um die Titelverteidigung kämpfen werden. "Sie sind in einem sehr leidenschaftlichen und fussballbegeisterten Land. Ich rate ihnen, die WM in vollen Zügen zu genießen, denn als Profi weisst du nie, wann du das nächste Mal etwas so Schönes wie eine Weltmeisterschaft erleben wirst."

CALI, COLOMBIA - OCTOBER 01:  Argentina players celebrate victory at the final whistle during the FIFA Futsal World Cup final between Russia and Argentina at Coliseo el Pueblo on October 1, 2016 in Cali, Colombia.  (Photo by Jan Kruger - FIFA/FIFA via Getty Images)