Patricia Rodríguez: Beeindruckende Karriere in der Fussballwelt

30. Juni 2021
  • CEO des spanischen Klubs FC Granada

  • Karrierebeginn 2014 bei Eibar, seither kometenhafter Aufstieg

  • 2019 unter die Top 100 der weiblichen Führungskräfte Spaniens gewählt


Als Patricia Rodríguez 2014 ins Auto stieg und sich auf den Weg zu einem Vorstellungsgespräch in Eibar machte, hat sie sich wohl kaum ausgemalt, dass sie bis heute eine steile Karriere in der Fussballbranche hinlegen würde. Damals ließ sie ihren Posten bei einem multinationalen Dienstleistungs- und Beratungsunternehmen hinter sich, um bei SD Eibar anzuheuern, das gerade in die erste spanische Liga aufgestiegen war. "Ich habe mich ohne große Hoffnungen auf das Stellenangebot beworben, denn schließlich kam ich aus einer anderen Welt und war eine Frau. Damals war der Fussball noch fest in Männerhand, aber am Ende bekam ich die Stelle", so Patricia Rodríguez mit Blick auf ihre ersten Schritte als Finanzdirektorin von SD Eibar.

"Niemand wusste von dem Vorstellungsgespräch. Dann habe ich schließlich darüber gesprochen, weil die neue Stelle einen radikalen Wandel in meinem Leben bedeuten würde. Alle hielten mich für verrückt ... Die Entscheidung ist mir schwer gefallen, aber am Ende tue ich lieber etwas, als später zu bereuen, dass ich es nicht getan habe", so die heutige CEO des FC Granada, die bei ihren vorherigen Engagements in Eibar und Elche viel erreicht und sich damit ihr Renommee im spanischen Fussball erarbeitet hat.

FIFA.com sprach mit ihr, um aus erster Hand zu erfahren, wie ihr dieser Karrieresprung gelungen ist und um die Rolle der Frauen im Fussball und die Fortschritte im Frauenfussball zu erörtern.

Patricia Rodríguez, Granada CF's CEO

"Seit meinen Anfängen im Fussball im Jahr 2014 hat sich einiges getan. Bei Sitzungen der Liga sind jetzt auch Frauen anwesend, und andere Klubs, die nicht auf höchstem Niveau spielen, besetzen die Leitungspositionen für Marketing, Stiftungen oder Finanzen mit Frauen ... Das sind erste Schritte, aber bald wird das allgemein üblich werden", betont Rodríguez, als wir sie nach Frauen im spanischen Fussball fragen. Das dürfte die Frage sein, die ihr seit ihrem Eintritt in diese Welt am häufigsten gestellt wurde. Deshalb kommt die Antwort auch wie aus der Pistole geschossen. "Ich wünschte, es gäbe [im Fussball] noch viel mehr Frauen und das Ganze wäre keine Schlagzeile mehr. Wir müssen die Aufmerksamkeit auf das Thema lenken, damit zukünftige Generationen sehen, dass sie solche Positionen anstreben können. Es ist wichtig, Entscheidungspositionen mit Frauen zu besetzen, um das Gleichgewicht zwischen Frauen und Männern in der Gesellschaft zu fördern." Das Rezept: harte Arbeit Rodríguez hat sich ihren Platz im spanischen Fussball hart erarbeitet: "Ich liebe meinen Beruf und begeistere mich dafür. Ich widme ihm viele Stunden. Ich bringe Qualifikation, Erfahrung und vor allem die richtige Einstellung mit", erklärt sie und betont, wie schwierig es manchmal sein kann, eine wichtige Position zu bekleiden. "Oftmals treffe ich Entscheidungen, die nicht besonders populär sind, von denen ich aber weiß, dass sie am sinnvollsten und zweckdienlichsten sind, auch wenn es Kritik hagelt. Ich habe mich schon mit vielen Leuten auseinandergesetzt, aber ich gehe immer in die Offensive. Wenn ich eine andere Meinung habe, sage ich das direkt. Dann schauen wir uns das Ganze noch einmal an und analysieren", meint sie und macht damit deutlich, auf welche Weise sie sich im spanischen Fussball so viel Respekt verschafft hat.

Einen wichtigen Impuls gab jedoch auch die Tatsache, dass Patricia Rodríguez 2019 unter die Top 100 der weiblichen Führungskräfte in Spanien gewählt wurde. Die Liste wird jährlich von einer Organisation herausgegeben, deren Hauptziel es ist, weibliche Talente in den Vordergrund zu rücken, um die Geschlechtergleichheit in der Gesellschaft zu fördern.

"Ich war vor allem überrascht als ich sah, von welchen Frauen ich da umgeben war. Es hat mich mit Stolz und Zufriedenheit erfüllt und auch eine gewisse Verantwortung mit sich gebracht, denn schließlich musst du auch die entsprechenden Botschaften vermitteln. In diesem Zusammenhang habe ich gelernt, welche Barrieren es gibt und was Feminismus eigentlich bedeutet. Früher war ich ein bisschen naiv und unwissend, aber ich habe mich weiterentwickelt. Ich versuche das, was ich gelernt habe, an andere Menschen weiterzugeben." Professionalisierung ein Muss Beim Gesprächsthema Frauenfussball fühlt sie sich sichtlich wohl und gibt eine klare Antwort, als wir sie nach der Rolle der FIFA-Vision 2020-2023 fragen, die eine noch stärkere Förderung des Frauenfussballs auf und neben dem Spielfeld vorsieht. "Es ist ganz entscheidend, dass große Verbände und hochrangige Instanzen sich einbringen. Das ist eine Botschaft, die die gesamte Struktur des Frauenfussballs durchdringt, der in letzter Zeit einen gewaltigen Sprung nach vorn gemacht hat. Die WM in Frankreich war in Spanien ein Wendepunkt, denn die Ereignisse waren in aller Munde. Es ist ganz wichtig, dass [der Frauenfussball] Gesprächsthema ist, gesehen wird, dass darüber berichtet wird. Vier Jahre zuvor war das noch nicht der Fall."

Oftmals treffe ich Entscheidungen, die nicht besonders populär sind, von denen ich aber weiß, dass sie am sinnvollsten und zweckdienlichsten sind, auch wenn es Kritik hagelt. Ich habe mich schon mit vielen Leuten auseinandergesetzt, aber ich gehe immer in die Offensive.

Patricia Rodríguez CEO FC Granada

Der spanische Fussball hat in den letzten Jahren eine radikale Wende vollzogen, und der jüngste Schritt war die Ankündigung einer fast unmittelbar bevorstehenden Professionalisierung, für die Rodríguez die Covid-19-Pandemie verantwortlich macht – im positiven Sinne:

"Natürlich ist die Pandemie etwas Negatives, daran gibt es keinen Zweifel, aber sie bringt punktuell auch einige positive Auswirkungen mit sich. Hätte der Spielbetrieb des Frauenfussballs nicht eingestellt werden müssen, dann wäre es nicht so schnell gegangen. Es wäre nicht so offensichtlich gewesen, dass es einen Unterschied gibt, der nicht vorhanden sein sollte. Diese kleinen Details haben diesen absolut notwendigen Prozess beschleunigt. Ich bin überzeugt davon, dass wir dadurch einen Riesenschritt nach vorn machen werden."

Rodríguez überzeugt mit ihrem sicheren Auftreten. Sie ist seit sieben Jahren im Fussball tätig und strahlt viel Erfahrung aus. Als wir sie fragen, ob sie anderen Frauen empfehlen würde, sich dieser Männerwelt anzuschließen, zögert sie nicht lange. "Ja, auf jeden Fall. Wir müssen unbedingt ein Gleichgewicht herstellen. Je mehr unterschiedliche Blickwinkel einfließen, desto fundierter sind Entscheidungen. Das ist ein toller, spannender Job, denn im Fussball gibt es keine Eintönigkeit oder Routine. Ich würde das jeder Frau empfehlen", meint sie abschließend.