Turks- und Caicos-Inseln fiebern der WM-Qualifikation entgegen

15. Aug. 2020
  • Die Turks- und Caicos-Inseln profitieren vom neuen Format der CONCACAF-WM-Qualifikation

  • Verteidiger Jepthe Francois sprach mit CONCACAF.com

  • "Nicht allzu viele Leute bekommen die Gelegenheit, ihr Land in einem WM-Qualifikationsspiel zu vertreten"

Seit der Einführung der CONCACAF Nations League (CNL) haben sich einige Karibiknationen deutlich verbessert. So brennt das Team der Turks- und Caicos-Inseln förmlich darauf, mit Beginn der CONCACAF-Qualifikation für Katar 2022 aufs Feld zurückzukehren.

"Wir können es kaum erwarten. Wir freuen uns wirklich sehr darauf, bald wieder spielen zu können, zusammen reisen zu können und wieder auf der Fussballbühne zu stehen. Das bedeutet uns sehr viel. Wir können es wirklich kaum noch erwarten", so Verteidiger Jepthe Francois von den Turks- und Caicos- Inseln in einem Exklusivinterview mit CONCACAF.com.

"Die Teilnahme an der WM-Qualifikation ist wirklich etwas ganz Besonderes, denn nicht allzu viele Leute bekommen die Gelegenheit, ihr Land in einem WM-Qualifikationsspiel zu vertreten. Ich bin dankbar und fühle mich privilegiert, das tun zu können. Das ist mir wirklich sehr wichtig und es bedeutet mir viel", so Francois weiter.

Die Turks- und Caicos-Inseln haben zwar schon an mehreren WM-Qualifikationen teilgenommen, sind allerdings stets bereits nach der ersten Runde mit Hin- und Rückspiel ausgeschieden.

Doch das neue Ligaformat in der CONCACAF-Zone mit jeweils nur einem Spiel gegen jeden Gegner in der ersten Runde der WM-Qualifikation eröffnet Francois und seinen Teamkameraden die Möglichkeit, auch gegen einige der größeren Fussballnationen der Region anzutreten.

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"Es motiviert uns sehr, dass nun dieses deutlich intensivere Format umgesetzt wird. Wir sind ein kleiner Inselstaat und auf der Fussball-Landkarte eigentlich gar nicht zu finden. Niemand kennt uns im Fussball. Daher ist es wirklich prima, dass wir auf dieser Bühne gegen stärkere Gegner antreten können", so Francois.

In unserem Nationalteam herrscht ein besonders starkes Gefühl der Zusammengehörigkeit zwischen allen Mitgliedern des Kaders.

"Die Stimmung ist großartig und man spürt förmlich die positive Energie. Die Motivation ist enorm. Die Jungs reißen sich gegenseitig mit. Wir helfen uns gegenseitig, wenn einer mal erschöpft ist und etwas langsamer wird, und wir versuchen, uns gegenseitig mitzureißen. Es ist großartig, jetzt wieder diese Energie zu spüren, gemeinsam unseren Lieblingssport zu betreiben und das Land zu vertreten, das wir lieben. Das ist einfach toll und ein großartiges Gefühl", so Francois.

Die Zusammengehörigkeit konnte man im November 2018 in der dreiwöchigen Qualifikation für die CONCACAF Nations League bewundern. Nach zwei Niederlagen gegen Kuba und Guyana sah es im dritten Spiel bereits so aus, als hätten die Turks- und Caicos-Inseln nun ihren ersten Sieg in der Tasche: Zehn Minuten vor Schluss stand es gegen St. Vincent und die Grenadinen 2:0.

Doch dann drehte Vincy Heat mächtig auf und kam durch zwei späte Treffer noch zum 2:2-Ausgleich. In der 89. Minute traf dann Francois noch einmal für die Turks- und Caicos-Inseln und sicherte damit den 3:2-Sieg.

"Natürlich erinnere ich mich noch sehr gut an mein Siegtor in diesem Spiel. Wir waren sehr motiviert in die Partie gegangen. Nach den zwei Niederlagen sagten wir uns: "Jetzt reicht es aber. Es ist höchste Zeit, dass wir endlich Alles geben und kompromisslos spielen, jeder für den Anderen." Gegen Ende der Partie wurden uns die Beine schwer, daher haben wir noch zwei Gegentore kassiert. Doch dann haben wir unsere letzten Reserven mobilisiert und in der Schlussminute hatte ich das Glück, noch einmal zu treffen und uns damit den Sieg und die drei Punkte zu sichern", so Francois.

Es war das erste Länderspieltor des 21-Jährigen – ein Moment, den er niemals vergessen wird.

"Das war ein ganz unglaubliches Gefühl. Ich konnte die ganze Energie der Zuschauer spüren. Es war einfach überwältigend. Als mein Kopfball an den Pfosten ging, dachte ich noch, 'O Gott, nein', aber dann kam ich an die Flanke und konnte den Ball über die Linie bugsieren. Das war einfach fantastisch. Es war toll, diese Energie zu spüren, einfach perfekt."

Perfekt zum Ablauf passte, dass es Billy Forbes war, der nach dem Ausgleich wieder für Druck seitens der Turks- und Caicos-Inseln sorgte. Der Rekord-Torjäger des Landes genießt als Führungsfigur bei Francois und den anderen jungen Spielern viel Respekt.

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"Billy ist einfach ein Kämpfertyp. Er hat uns motiviert, noch einmal Alles zu geben und uns nicht zu schonen. Er schafft es, uns zu motivieren, auch wenn wir manchmal schon aufgeben wollen. Daher ist er enorm wichtig für das Team."

Die Turks- und Caicos-Inseln schlossen die CNL-Qualifikation mit vier Punkten ab und nahmen den Schwung mit in die Liga C der CNL 2019/20, in der sie in Gruppe D zwei Siege einfuhren und zwei Niederlagen kassierten. Francois freut sich sehr über die Gelegenheit, nun im Rahmen der CNL regelmäßiger zu Pflichtspielen anzutreten. Er hofft, dass sich der neue Wettbewerb in den kommenden Jahren fest etabliert.

"Ich finde, die Nations League ist eine großartige Idee. Sie verschafft uns Praxis und Erfahrung und zeigt, dass es viele Talente in der Karibikregion gibt – junge Sportler, die bereit sind, den nächsten Schritt zu machen. Ich finde, das ist eine großartige Sache, die insbesondere jungen Spielern wie mir selbst mehr Aufmerksamkeit und Praxis verschafft, so dass wir unsere Karriere vorantreiben und vom Sport leben können. Eine bessere Zukunft also für uns alle. Ich finde diesen Wettbewerb großartig und hoffe, dass er lange bestehen wird."