Arne Friedrich: "Soll man jetzt Kroos oder Hummels draußen lassen?"

21. Juni 2018
  • ​Ex-DFB-Kapitän als WM-Experte vor Ort

  • Beeindruckt vom Gastgeber

  • Zum DFB-Team: "Man ist Weltmeister, macht vielleicht ein bisschen weniger."

Von Steffen Potter, Teamreporter Deutschland


Arne Friedrich findet offensichtlich Gefallen an seiner neuen Rolle als WM-Experte für eine chinesische Internetfirma. Hier ein kurzer privater Plausch mit den Ex-Kollegen oder dem großen Stab der Nationalmannschaft auf dem weitläufigen Hotel-Gelände in Vatutinki, dort ein Interview mit dem Bundestrainer oder Jerome Boateng durchführen.

Auch für FIFA.com hat der mittlerweile 39-Jährige, der 82 Länderspiele für Deutschland bestritt und an den FIFA Fussball-Weltmeisterschaften 2006 und 2010 als Spieler teilnahm, sich Zeit genommen.

Wie ist bisher Ihr Eindruck von dieser WM? Die Menschen hier sind alle sehr offen und freundlich, auch wenn sie nicht so viel Englisch sprechen.

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Und wie sehen Sie die Leistung des Gastgebers, der ja zwei Spiele für sich entscheiden konnte? Dass sie gegen Saudiarabien gewonnen haben, konnte man schon erwarten, aber nicht unbedingt die Art und Weise und dass sie so viele Tore schießen. Jetzt haben sie auch schon wieder drei Mal getroffen, das ist natürlich positiv.

Und der Auftakt der DFB-Elf... Zu dem Mexiko-Spiel ist ja schon einiges gesagt worden. Ich denke, dass es da in allen Bereichen einfach nicht so funktioniert hat wie erwünscht. Es muss jetzt einfach mit voller Konzentration wieder an die nächsten Spiele gegangen werden.

Es fiel auf, dass das Gegenpressing zum Beispiel vor zwei Jahren bei der EURO noch deutlich intensiver gespielt wurde… Ich glaube, dass sehr vieles von unserer Mannschaft schon mal besser gemacht wurde als im Mexiko-Spiel.

"Man ist Weltmeister, macht vielleicht ein bisschen weniger."

Aber ist das denn so einfach? Kann man einfach sagen: Jetzt gebe ich wieder 100 Prozent? Natürlich wollten die Spieler das auch vorher. Aber es ist dann eben manchmal vom Kopf her doch schwierig, man ist Weltmeister, macht vielleicht ein bisschen weniger. Das ist nicht so einfach, aber ich bin überzeugt davon, dass sich das jetzt ändern wird. Auch wenn es gegen tief stehende Schweden ein Geduldsspiel werden könnte.

Es ist schon überraschend, dass so viele Ex-Weltmeister bei der folgenden WM früh ausscheiden. Wird da manchmal vielleicht auch zu lange an verdienten Spielern festgehalten? Nein, das finde ich nicht. Wen soll man denn da bei den Deutschen jetzt draußen lassen? Toni Kroos? Mats Hummels? Jerome Boateng? Wenn sie Ihr Leistung abrufen, gehören sie in jede Mannschaft!

"Auch Schweden wird Deutschland ja wieder defensiv empfangen und kontern."

Der Trend bei Turnieren ist ja, dass Mannschaften vor allem defensiv stehen und sich dann auf Umschaltspiel konzentrieren. Deutschland dagegen setzt auf Ballbesitz – ist eine andere Ausrichtung für die DFB-Elf überhaupt möglich? Stimmt, das ist in der Tat so. Wir sind Weltmeister, wir sind die Gejagten, das war selbst 2014 in Brasilien noch nicht ganz so. Außer vielleicht Spanien wird niemand gegen uns das Spiel machen, insofern bleibt uns da ja gar nichts anderes übrig. Auch Schweden wird Deutschland ja wieder defensiv empfangen und kontern.

Was bringt das weitere Turnier für die deutsche Mannschaft noch? Zwei Siege! Ich glaube da fest dran, wenn es jetzt gegen Schweden und Südkorea klappt, dann kann das dabei helfen, den Schalter umzulegen, so dass es für Deutschland noch ein langes Turnier wird.

Russland 2018: Deutschland beim Fotoshooting

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