Peralta: "Wir haben etwas sehr Wichtiges für Mexiko erreicht"

23. Mai 2021
  • Goldmedaillengewinner Oribe Peralta erinnert sich und gibt der jungen Generation einen Rat

  • Olympische Spiele sind "eine einzigartige Erfahrung"

  • "Der Gewinn der Goldmedaille bedeutet sehr viel"

Die Erwartungen waren ziemlich hoch. In das Olympische Fussballturnier der Männer in London 2012 ging Mexiko als amtierender U-17-Weltmeister und Drittplatzierter bei der U-20-WM. Beide Erfolge lagen gerade einmal ein Jahr zurück. Ein junges Team mit großartiger Einstellung, das schon wusste, wie es war, Wettbewerbe auf höchstem Niveau zu gewinnen, begeisterte die Fans.

Doch die Wirklichkeit war etwas komplizierter. Als das mexikanische Team in London eintraf, hatte es die letzten beiden Vorbereitungsspiele gegen Spanien und Japan verloren. Der Weg nach Wembley schien in weite Ferne gerückt, doch die Spieler selbst verloren nie den Glauben.

In der ersten Partie gegen die Republik Korea gab es ein torloses Unentschieden. Und von da an ging es nur noch aufwärts. "Auch im Rückblick, viele Jahre danach, erinnert man sich zufrieden und sagt sich: Wir haben es geschafft, obwohl viele nicht mehr an uns glaubten. Wir haben etwas sehr Wichtiges für Mexiko und vor allem für uns erreicht", erklärt in einem Exklusiv-Interview für FIFA.com Oribe Peralta, einer der wichtigsten Akteure jener mexikanischen Mannschaft.

Senegal im Viertelfinale, Japan im Halbfinale und schließlich Brasilien im Finale. Dort setzte man sich mit 2:1 durch, wobei beide Tore auf das Konto von Peralta gingen. "Mir gefällt vor allem das zweite Tor. Es war etwas ganz Besonderes, denn wir hatten diesen Spielzug schon so oft geübt und bisher war noch keine Gelegenheit gekommen, ihn anzuwenden. Kurios war auch, dass er im Training nie geklappt hatte. Aber mit diesem Treffer kehrte Ruhe ein. Zuvor waren die Brasilianer sehr stark gewesen, aber mit diesem Tor waren wir der Medaille ein ganzes Stück näher gekommen.

Für mich war das ein sehr beeindruckendes Ergebnis in meiner Laufbahn. Für mich ist jedes internationale Turnier, bei dem ich Mexiko vertrete, sehr wichtig. Es bedeutet mir sehr viel, zu den ersten Fussballspielern zu zählen, die eine Goldmedaille für Mexiko gewonnen haben."

Auf der Jagd nach dem zweiten Gold

Aber die Zeit vergeht und jetzt, fast zehn Jahre später, steht erneut ein mexikanisches Team vor der Teilnahme am olympischen Fussballturnier der Männer. Oribe wird nicht mehr dabei sein, aber viele seiner jungen Teamgefährten von Guadalajara waren Stützen der mexikanischen Auswahl in der Qualifikation für Tokio 2020. Er zögert also nicht, wenn es darum geht, seine ganze Erfahrung an junge Spieler wie Uriel Antuna, J.J Macías und Alexis Vega weiterzugeben.

"Sie sollen es genießen. So eine Gelegenheit kommt nur ganz selten. Sie sollen Spaß haben, jede andere Erwartung beiseiteschieben und alles geben, immer das nächste Spiel im Kopf haben. Die Presse und die Menschen zu Hause werden große Erwartungen auf sie richten, aber sie werden dort sein und nur sie wissen, wie weit sie können müssen und was man dafür zu tun hat.

Sie werden natürlich tolle Erfahrungen machen. Das größte Privileg ist es, im Olympischen Dorf zu leben und all die Athleten zu sehen. Die Kantine mit so vielen großen und erfolgreichen Athleten zu teilen und vielen anderen zukünftigen Stars. Oft bekommt man nicht einmal mit, wer neben einem sitzt."

Frankreich, eine erst schwierige Hürde

Die Mexikaner haben das vorolympische Turnier gewonnen und im gesamten Wettbewerb nur wenige Gegentore kassiert. "Sie lassen den Ball gut laufen und haben einige Spieler, die auch in Eins-gegen-eins-Situationen sehr stark sind, aber am wichtigsten ist die Teamleistung.

Sie haben einen Trainer, der sie spielen lässt, der ihnen die Freiheit dazu gibt, sobald sie den Ball halten können. Viele von ihnen haben die Erfahrung von vielen Jahren in der ersten Liga und das dürfte auch ein großes Plus sein."

Das Losglück war nicht unbedingt auf Seiten der Mexikaner und so spielen sie in Gruppe A gegen Japan, Südafrika und Frankreich. Der erste Gegner? Kein Geringerer als Frankreich ...

Kein Zweifel, dass in kurzen Turnieren wie diesem das erste Spiel besonders wichtig ist. Es ist von entscheidender Bedeutung, denn es gibt die späteren Ziele vor. So meint auch Peralta: "Im ersten Spiel kann man noch nervös und unsicher sein, aber am Ende muss man unbedingt versuchen, dieses Spiel zu gewinnen, es ist das Signal, nach mehr zu streben. Frankreich hat Spieler von großer Qualität, aber ich vertraue auf Mexiko, das sich durchsetzt."

Was sich Oribe Peralta wünscht? Natürlich eine Goldmedaille.

"Ich würde gerne sehen, wie Mexiko gewinnt. Ich möchte noch einmal feiern und sehen, wie sich die Spieler die Medaille umhängen. Ich würde sie gerne beglückwünschen, wenn sie zurückkehren, und sie in meine Arme nehmen, denn natürlich möchte ich als Mexikaner sehen, dass andere Mexikaner gewinnen."