Jesús Vallejo: “Eine olympische Medaille ist das Größte für einen Sportler"

3. Aug. 2021
  • Der spanische Kapitän Jesús Vallejo im Exklusiv-Interview mit FIFA.com

  • Arbeitsmoral und Einsatz des Teams auf dem Weg ins Halbfinale

  • Vallejo über den nächsten Gegner: "Gegen Japan werden wir viel rennen müssen"

Spanien hat beim Olympischen Fussballturnier der Männer nach langer Zeit erneut die Chance, um eine Medaille zu kämpfen. Nach der Goldmedaille 1992 in Barcelona und der Silbermedaille 2000 in Sydney hatte die mittlerweile von Luis de la Fuente trainierte Auswahl eine Durststrecke, war bei den Auflagen in Athen, Peking und Rio de Janeiro nicht vertreten und schied bei der letzten Teilnahme im Jahr 2012 in London bereits nach der Gruppenphase aus. Diesmal sieht es nun endlich wieder besser aus. "Dass wir endlich wieder in den Kampf um die Medaillen eingreifen können bedeutet, dass wir unsere Sache im Trainingslager und bei den Trainingseinheiten gut gemacht haben. Das Team steht im Halbfinale, weil wir hart gearbeitet haben und mit viel Einsatz bei der Sache waren", meint Kapitän Jesús Vallejo im Exklusiv-Interview mit FIFA.com. Er ist sicherlich einer der kompetentesten Ansprechpartner, wenn es darum geht, die Rückkehr Spaniens ins Halbfinale des Olympischen Fussballturniers zu analysieren.

Spanien hatte in Tokio keinen leichten Weg. Zum Auftakt kam das Team gegen Ägypten über ein Unentschieden nicht hinaus, gefolgt von einem knappen Sieg gegen Australien und einem weiteren hart erarbeiteten Punkt gegen Argentinien. Mit diesen fünf Punkten auf dem Konto errang das Team die Tabellenführung in Gruppe C. "Das war eine Mannschaftsleistung, aber wir mussten uns die Punkte hart erkämpfen. Man konnte sehen, wie schwer dieses Turnier ist", berichtet Vallejo. Auf die Frage nach dem Viertelfinalsieg gegen die Elfenbeinküste fügt er hinzu: "Wir haben uns von Spiel zu Spiel gesteigert, darauf kommt es an." Der Sieg gegen die afrikanische Auswahl musste allerdings auch hart erkämpft werden und gelang erst nach Verlängerung. In der 90. Minute hatte Max Gradel die Elfenbeinküste noch in Führung gebracht, und alles deutete schon auf ein Ausscheiden Spaniens hin. Doch dann avancierte Rafa Mir in der Nachspielzeit und in der anschließenden Verlängerung zum Helden. "Nach dem 1:2 waren wir in einer komplizierten Situation. Wir hatten das ganze Spiel hart gearbeitet und jetzt liefen wir einem Rückstand hinterher. Aber wir haben weiter an uns geglaubt, Bälle in den Strafraum geschlagen und dann ist Rafa Mir ein Treffer gelungen. Damit hatten wir die Chance, es in der Verlängerung doch noch zu schaffen", so Vallejo.

Der nächste Gegner ist Gastgeber Japan, der genau wie Spanien noch unbesiegt ist und bisher einen sehr guten Eindruck hinterlassen hat. Obwohl die Japaner auf so hochkarätige Gegner wie Mexiko (ebenfalls Halbfinalist) und Frankreich getroffen sind, mussten sie nur einen einzigen Gegentreffer hinnehmen. Die beiden Teams standen sich bereits am 17. Juli in einem Vorbereitungsspiel für das Olympische Fussballturnier gegenüber. Daher kennen sie sich gut. "In diesem Freundschaftsspiel vor Turnierbeginn haben wir gesehen, dass Japan eine sehr ausgefeilte, sehr gut geordnete Mannschaft hat, die sehr gut funktioniert. Das wird ein schweres Spiel", betont Vallejo, dem bewusst ist, dass die Japaner vor allem mit ihrer Schnelligkeit punkten werden. "Wir müssen uns vor dieser Partie gut regenerieren, denn wir werden viel rennen müssen." Im Gegensatz zu Spanien wusste Japan in letzter Zeit bereits häufig beim Olympischen Fussballturnier zu glänzen. Für die Japaner ist dies nämlich bereits die zweite Halbfinalteilnahme in den letzten drei Auflagen. Außerdem sind sie in diesem Turnier seit sechs Spielen ungeschlagen. Ein kniffliger Gegner also, doch Vallejo konzentriert sich lieber ganz auf sein eigenes Team. "Wir können Japan schlagen, wenn wir mit dem punkten, was wir bei diesem Turnier immer getan haben, nämlich mit guter Ballbehandlung und klar definierten Automatismen in der Offensive. Wenn wir nicht in Ballbesitz sind, müssen wir kompakt stehen und mit Gegenpressing versuchen, den Ball schnell zurückzuerobern." Vallejo hat ein klares Konzept vor Augen, wenn er auf Takefusa Kubo trifft, seinen Teamkameraden von Real Madrid, den er allerdings nicht sehr gut kennt, weil beide in den letzten Spielzeiten an andere Vereine ausgeliehen waren. "Persönlich kenne ich ihn nicht besonders gut, weil wir bei Real Madrid noch keine Gelegenheit hatten, zusammen zu spielen. Ich wünsche ihm für seine Karriere das Allerbeste", betont Vallejo, der aber gleichzeitig die Chance nutzt, eine Botschaft an den Gegner zu senden: "Am Dienstag werden wir auf Sieg spielen und alles daran setzen, zu gewinnen. Hoffentlich sind wir diejenigen, die am Ende ins Finale einziehen."

Dieses Ziel haben natürlich alle vier Halbfinalteilnehmer. Es gibt keine Favoriten mehr, alle haben die gleiche Chance und die Goldmedaille scheint für alle in Reichweite zu sein. "Das wäre für mich als Sportler das Größte. Das habe ich schon immer gesagt. Im Fussball gibt es vielleicht wichtige Turniere wie die Weltmeisterschaft auf Länderspielebene oder die Champions League auf Klubebene, aber im Sport ganz allgemein ist [Olympia] das Größte. Es wäre das Sahnehäubchen und der absolute Höhepunkt für mich als Sportler, wenn es uns nach all dem Erlebten hier gelingen würde, eine Medaille zu holen, vielleicht sogar die Goldmedaille." Als wir noch einmal nachfrage, was die Goldmedaille bedeuten würde, erinnert Vallejo als guter Kapitän zunächst noch einmal an den harten und langen Weg, den das Team bis dato zurückgelegt hat. "Nach so vielen Opfern, so viel Vorbereitung, wäre das einfach unglaublich. Dabei spreche ich nicht nur von diesem Jahr, denn wir arbeiten ja seit 2018 mit der Qualifikation für die U-21-Europameisterschaft darauf hin, dann kam die U-21-EURO im Jahr 2019 und die Absage der Olympiade 2020. Nach dieser langen Wartezeit werden wir um Gold kämpfen. Wir müssen uns die Medaille allerdings erst noch auf dem Platz verdienen", meint er abschließend. Der spanische Medaillentraum ist in Reichweite, aber es dürfte nicht leicht werden.

RIFU, MIYAGI, JAPAN - JULY 31: Dani Olmo #19 (R) of Team Spain celebrates after scoring their side's first goal during the Men's Quarter Final match between Spain and Cote d'Ivoire on day eight of the Women's QuarterFinal match during the Tokyo 2020 Olympic Games at Miyagi Stadium on July 31, 2021 in Rifu, Miyagi, Japan. (Photo by Alex Livesey - FIFA/FIFA via Getty Images)