Antony: "Ich würde meinem Sohn gerne erzählen, wie ich Gold gewonnen haben"

2. Aug. 2021
  • Antony sorgt beim Olympischen Fussballturnier der Männer für Glanzlichter

  • Er spricht über Elasticos, ein Treffen mit Marta und die Partie gegen Mexiko

  • Er verrät, welchen Prominenten er am liebsten interviewen würde

Antony hat in seinem jungen Erwachsenenleben schon viel erreicht. Er wurde Vater, zog nach Europa, spielte in der UEFA Champions League, nimmt an den Olympischen Spielen teil und versuchte sich vor dem Halbfinale gegen Mexiko als Reporter.

Der 21-Jährige hatte sichtlich Spaß daran, seinem Trainer bei der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Brasilien eine Frage zu stellen. Und "Spaß" ist genau das, was der Stürmer von Ajax Amsterdam, der angeblich von Bayern München ins Visier genommen wurde, bei diesem Olympischen Fussballturnier der Männer an den Tag gelegt hat. Hypnotisierende Körperdrehungen, Beinschüsse und Elasticos begeistern die Brasilianer, die stets nach Flair verlangen.

Antony sprach mit FIFA.com über seine Leistungen bei Tokio 2020, die Chancen seines Landes, ein Treffen mit Marta sowie die Inspiration durch Brasiliens Gold-Surfer Italo Ferreira, Daniel Alves und Richarlison.

FIFA.com: Sie haben sich während der Pressekonferenz vor dem Spiel kurzerhand in einen Journalisten verwandelt und Jardine eine Frage gestellt. Hat Ihnen diese Erfahrung Spaß gemacht? Und wenn Sie einen Prominenten interviewen könnten, wer wäre das? Antony: (lacht) Die Situation war etwas verrückt! Aber wie Jardine sagte, für ihn wäre es schwer, im Angriff zu spielen, und für mich ist es schwer, als Reporter aufzutreten. Aber wenn ich einen Prominenten interviewen könnte, dann sollte es am liebsten Cristiano Ronaldo sein. Weil er so vieles erreicht hat, weil er die Person ist, die er ist, weil er eine solch ausgeprägte Siegermentalität hat. Er ist ein großes Vorbild für mich und viele andere Menschen.

Welche coolen Dinge haben Sie abseits des Platzes gemacht? Es war ein Privileg, das Olympische Dorf zu besuchen. Es ist sehr schön und historisch. Man denkt an all die großen Sportler, die dort waren. Und es war wirklich cool, Zeit mit dem brasilianischen Frauenteam zu verbringen - wir waren im selben Hotel untergebracht. Marta zu treffen... sie ist eine Fussball-Legende, sie wurde sechs Mal zur besten Spielerin der Welt gewählt, sie wird überall auf der Welt respektiert. Das war eine fantastische Erfahrung.

Haben Sie auch andere Sportarten verfolgt? Welche Sportler haben Sie am meisten beeindruckt? Wann immer wir Zeit haben, schauen wir uns etwas von den Olympischen Spielen an. Und wenn Brasilianer dabei sind, feuern wir sie immer frenetisch an und freuen uns, wenn sie eine Medaille gewinnen. Italo war einer, der herausstach. Er ist eine Symbolfigur für seinen Sport und für ganz Brasilien. Daniel Alves ist mit ihm befreundet und spricht viel über ihn. Alles, was er in das Surfen steckt, die Opfer, die er bringt - Italo ist ein Paradebeispiel für einen Sportler. Er hat Gold für unser Land gewonnen und er inspiriert uns sehr.

Sie sind einer der Stars des Turniers. Wie zufrieden sind Sie selbst mit Ihren Leistungen? Ich bin sehr zufrieden, durchaus. Ich denke, dass ich mich im Laufe des Turniers gesteigert habe, und ich glaube, gegen Ägypten habe ich meine beste Leistung gezeigt. Die Teilnahme an den Olympischen Spielen ist die Verwirklichung eines großen Traums, und das Trikot der Seleção zu tragen ist immer eine große Ehre, aber ich möchte meiner Mannschaft immer noch mehr helfen und den Traum von der Goldmedaille am Leben erhalten.

Wer waren die größten Spezialisten für den Elastico, die Sie kennen, und können Sie über das Dribbling sprechen, das Sie gegen Ägypten gezeigt haben? Ronaldinho Gaucho. Ich habe auch viel über Rivellino gelesen - alle reden über ihn, und er war großartig dabei. Ich bin wirklich zufrieden, dass ich diesen Spielzug in die Praxis umsetzen konnte, natürlich mit Respekt vor dem Gegner. Es war ganz natürlich, und ich versuche immer, etwas aus solchen Situationen zu machen.

Was sagen Sie zu Mexiko? Mexiko hat eine hervorragende Mannschaft. Es wird ein sehr schwieriges Spiel. Sie haben viel Qualität im Team und hängen sich voll rein. Aber wir sind uns auch unserer eigenen Qualitäten bewusst. Es wird bestimmt ein tolles Spiel, und ich hoffe, dass wir gewinnen. Die Mannschaft ist sehr zuversichtlich, aber der Fussball ist nun mal eine Kiste voller Überraschungen.

Wie ist es, Daniel Alves in der Mannschaft zu haben? Ich hatte ja schon das Privileg, mit ihm zu spielen. Er ist ein absolut außergewöhnlicher Spieler. Er wird für alles, was er im Fussball getan hat, sehr respektiert. Er spricht immer mit uns, gibt seine Erfahrungen weiter und gibt uns Ratschläge. Es ist nicht nur für mich, sondern für jeden Spieler in der Mannschaft ein Privileg, dass wir Daniel Alves bei uns haben.

Was halten Sie von Richarlison als Spieler? Er ist großartig. Man muss sich nur einmal die Tore ansehen, die er geschossen hat. Aber er hat noch viel mehr zu bieten. Er hat auch in der A-Mannschaft der Seleção sehr gut gespielt und ist somit ein Vorbild für uns.

Ihr Sohn Lorenzo ist gerade 20 Monate alt. Hat er Sie im Fernsehen gesehen und was würde es für Sie bedeuten, wenn er eines Tages sagen könnte: "Mein Vater hat olympisches Gold gewonnen"? Ja, er schaut zu und ruft 'Papi, Papi', wenn er mich auf dem Bildschirm sieht. Natürlich spornt mich Lorenzo zusätzlich an, eine Goldmedaille zu gewinnen. Das gilt auch für meinen Vater und den Rest meiner Familie. Die Familie ist alles. Ich habe das Glück, zu zweien zu gehören: zu meiner eigentlichen Familie und zu dieser Seleção. Ich will dem brasilianischen Volk Glück und Stolz bringen. Und es wäre toll, wenn ich meinem Sohn später einmal vom Gewinn einer Olympischen Goldmedaille erzählen könnte. Wie sehr wünschen Sie sich, im kommenden Jahr zur WM zu fahren? Das ist natürlich ein riesiger Traum. Aber ich gehe jeden Weg Schritt für Schritt und bleibe bescheiden. Jetzt gerade konzentriere ich mich darauf, meinem Land zu olympischem Gold zu verhelfen, und dann erst kann ich an die Weltmeisterschaft denken. Das ist eine großartige und sehr wertvolle Turniererfahrung und ich hoffe, dass sie mir hilft, denn die Weltmeisterschaft bedeutet alles, vor allem für die Brasilianer.