14. Dezember 2010: TP Mazembe schreibt Geschichte

  • Vor zehn Jahren qualifizierte sich TP Mazembe für das Finale der FIFA-Klub-WM

  • Die Kongolesen überstanden als erstes afrikanisches Team das Halbfinale

  • Isaac Kasongo erinnert sich an wahre Glücksmomente

Es gibt Momente der Freude, die man einfach nicht vergisst: Marco Tardellis unvergesslicher Torschrei mit ausgebreiteten Armen bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 1982™, Bebetos Torjubel mit Babywiege bei der WM 1994, die Emotionen Fabio Grossos bei der Turnierauflage 2006 oder Lilian Thuram, der nach seinem Doppelpack im Halbfinale der Heim-WM 1998 nicht so recht wusste, wie ihm geschieht.

In diese Riege kann sich zweifelsohne auch der Tortanz von Robert Kidiaba einreihen, der den Keeper von TP Mazembe auf dem Weg des kongolesischen Klubs bis ins Finale der FIFA-Klub-Weltmeisterschaft 2010 so berühmt gemacht hat. Im Gespräch mit FIFA.com denkt Isaac Kasongo, der vor zehn Jahren im Mittelfeld des afrikanischen Teams agierte und heute als Assistenztrainer bei den Corbeaux arbeitet, an dieses geschichtsträchtige Kapitel des afrikanischen Fussballs zurück.

ABU DHABI, UNITED ARAB EMIRATES - DECEMBER 14: Muteba Kidiaba of TP Mazembe Englebert celebrates his team's win at the end of the FIFA Club World Cup semi final match between TP Mazembe Englebert and SC Internacional at Mohamed Bin Zayed Stadium on December 14, 2010 in Abu Dhabi, United Arab Emirates. (Photo by Jasper Juinen - FIFA/FIFA via Getty Images)

Singen, tanzen und gewinnen

Seit Erstaustragung der FIFA-Klub-Weltmeisterschaft im Jahr 2000 stand der Wettbewerb immer im Zeichen eines Duells zwischen Europa und Südamerika. In den ersten sechs Auflagen des Turniers standen sich im Finale stets Teams aus diesen beiden Konföderationen gegenüber. Doch am 14. Dezember 2010 durchbrach mit TP Mazembe aus der DR Kongo erstmals der afrikanische Champion diese Hegemonie. Beim Turnier in den Vereinigten Arabischen Emiraten schrieb der Klub aus Lubumbashi wahrlich Geschichte.

In ihrer ersten Begegnung setzten sich die Kongolesen gegen das mexikanische Team von CF Pachuca knapp mit 1:0 durch. Dieses Ergebnis war bereits ein Erfolg für die Afrikaner, nachdem sie ein Jahr zuvor in ihrem ersten Match gegen die Pohang Steelers aus Südkorea noch unterlegen waren. Durch den Auftakterfolg durfte sich TP Mazembe in der nächsten Runde mit dem amtierenden Copa-Libertadores-Meister Internacional Porto Alegre aus Brasilien messen. Dabei gingen die Afrikaner betont locker ins Spiel: Sie sangen und tanzten, als ob keinerlei Druck auf ihren Schultern lastete.

Nach torloser erster Halbzeit ging TP Mazembe im zweiten Durchgang in Führung: In der 53. Spielminute legte Alain Kaluyituka den Ball per Kopf auf Patou Kabangu ab, der die Kugel gekonnt stoppte und dann gefühlvoll in die lange Ecke schlenzte. In der 85. Minute war Kaluyituka nach ansehnlichem Dribbling dann selbst erfolgreich. Durch dieses 2:0 qualifizierten sich die Corbeaux fürs Finale. "Jeder Spieler träumt davon, einmal im Finale der FIFA-Klub-Weltmeisterschaft zu stehen. Gegen Inter Mailand antreten zu dürfen, war eine große Sache, die wir uns jedoch redlich verdient hatten. Wir durften uns mit Spielern wie Eto'o oder Milito messen, die wir sonst nur aus dem Fernsehen kannten", erinnert sich Isaac Kasongo im Gespräch mit FIFA.com.

Das ist einer der größten Momente in meiner Laufbahn. Ich werde ihn Zeit meines Lebens nicht vergessen. Ein Jahr zuvor hatten wir unsere Auftaktpartie verloren. Also mussten wir unsere Kräfte sammeln und hart arbeiten, um die CAF Champions League ern...

Isaac Kasongo

Der Stolz von ganz Afrika

Das Endspiel war eine andere Hausnummer. Die Kongolesen unterlagen Inter Mailand nach Toren von Goran Pandev, Samuel Eto'o und Jonathan Biabiany mit 0:3. Trotz alledem überwog aufseiten der Afrikaner der Stolz über das Erreichte: "Wir haben die Menschen in Afrika stolz gemacht. An diesem Wettbewerb haben viele große Mannschaften teilgenommen, und wir haben es bis ins Finale geschafft. Bei unserer Rückkehr nach Hause in die DR Kongo hat man uns wie Helden empfangen. Wir haben nicht nur die Region um Lubumbashi, nicht nur unser Land, sondern ganz Afrika vertreten", erzählt der ehemalige kongolesische Nationalspieler.

"Als wir in Lubumbashi ankamen, war da eine riesige Menschenmenge. Anschließend sind wir durchs ganze Land gefahren", so Kasongo weiter. "Von unserer Stadt über Kolwezi bis nach Kinshasa. In allen Provinzen des Landes hat man uns einen herzlichen Empfang bereitet."

Nach diesem Erfolg konnte sich TP Mazembe für weitere FIFA-Klub-Weltmeisterschaften qualifizieren, jedoch nicht mehr an den Erfolg von 2010 anknüpfen. Kasongo macht sich darüber keine Sorgen. Für ihn steht der afrikanische Fussball vor einer rosigen Zukunft, was auch mit dem Klub aus Lubumbashi zu tun hat. "Unser damaliger Erfolg hat viele Spieler und Mannschaften motiviert. Wenn wir es bis ins Finale der Klub-WM schaffen, warum sollte es nicht auch einem anderen Team gelingen? Es gibt großartige Mannschaften in Afrika, die nur darauf brennen, ihr Leistungsvermögen zu zeigen".

ABU DHABI, UNITED ARAB EMIRATES - DECEMBER 14: Mulota Kabangu of TP Mazembe Englebert is mobbed by team mates as he celebrates scoring to make it 1-0 during the FIFA Club World Cup 2010 match between TP Mazembe Englebert and SC Internacional at Mohamed Bin Zayed Stadium on December 14, 2010 in Abu Dhabi, United Arab Emirates. (Photo by Michael Regan - FIFA/FIFA via Getty Images)

Schon gewusst?

In Porto Alegre hatte die Niederlage von Internacional gegen TP Mazembe einige Nachwehen. Grêmio, Stadtrivale von Internacional, fand an der Niederlage der Rot-Weißen seine helle Freude. Zum einen wurden mit dem Mazembier und dem Kidiaba (in Anlehnung an den Torhüter der Kongolesen) zwei besondere Biere herausgebracht. Darüber hinaus ist die 2014 unter dem offiziellen Namen Viaduto Abdias do Nascimento eingeweihte Brücke weithin nur als _Viaduto Mazembe_bekannt, da ihre Form an ein riesiges M erinnert.