Katie Taylor: Vom Fussballfeld in den Boxring

28. Jan. 2017

Eine olympische Goldmedaille, fünf Weltmeistertitel und sechs Europameistertitel – die überaus erfolgreiche irische Starboxerin Katie Taylor weiß alles über hartes Training, Opferbereitschaft und Erfolg. Nachdem sie das Frauenboxen im Amateurbereich jahrelang beherrscht und Titel und Erfolge am laufenden Band eingefahren hat, wechselte die Irin im vergangenen Jahr ins Profilager und nimmt nun ihren ersten Profi-Weltmeistertitel ins Visier.

Im Boxring agiert Taylor dynamisch und furchtlos. Außerhalb davon gilt sie indes als überaus bescheidene Persönlichkeit. Mit diesen Qualitäten hat sie enorm zur Schärfung des Profils des Frauenboxens in der Republik Irland, in Großbritannien und rund um die Welt beigetragen. Dabei ist das Boxen keineswegs der einzige Sport, in dem die Sportlerin aus Bray Erfolge gefeiert hat. Taylor ist auch eine ehemalige Fussball-Nationalspielerin, die von 2006 bis 2009 insgesamt 18 Länderspiele für die Republik Irland bestritt.

"Fussball war in meiner Jugend sehr wichtig für mich. Und wann immer ich das grüne Nationaltrikot überstreifte, empfand ich das als große Ehre", so Taylor im Exklusivgespräch mit FIFA.com. "Es war schon immer mein Traum gewesen, für mein Land zu spielen. Und so war jedes Ländespiel für mich etwas ganz Besonderes, und natürlich in erster Linie die WM- und EM-Qualifikationsspiele. Wann immer ich das irische Nationaltrikot trug, platzte ich fast vor Stolz."

Taylor war schon als Kind sehr sportlich und begann mit neun Jahren, Fussball zu spielen. Erst zwei Jahre später streifte sie das erste Mal Boxhandschuhe über. Anfänglich musste sie in Jungenmannschaften spielen, weil es in der Umgebung keine Mädchenmannschaften gab. Diese Zeiten sind indes lange vorbei. Auch Taylor weiß um den enormen Anstieg der Anzahl junger Spielerinnen in Irland sowie die beeindruckenden Fortschritte der Frauen-Nachwuchsmannschaften.

"Der Frauensport hat sich in den vergangenen Jahren sprunghaft entwickelt", so Taylor. "Als ich mit dem Fussballspielen anfing, spielten so gut wie keine Frauen Fussball. Heute hingegen spielen unzählige Mädchen und Frauen Fussball und es gibt fast in jedem Ort eine Frauenmannschaft. Ganz ähnlich ist die Situation übrigens beim Boxen. Man sieht immer mehr Boxerinnen. Der Frauensport hat im letzten Jahrzehnt einfach unglaubliche Fortschritte gemacht."

"Girls in Green" Nachdem sie die Altersklassen U-17 und U-19 durchlaufen hatte, feierte Taylor 2006 in einem Qualifikationsspiel für die FIFA Frauen-Weltmeisterschaft gegen die Schweiz ihr Debüt in der Frauen-A-Nationalmannschaft der Republik Irland. Damals war die Angreiferin bereits bestens damit vertraut, mit den hohen Erwartungen umzugehen. Schließlich hatte sie bereit für Irland geboxt und bei der europäischen Amateur-Boxmeisterschaft ihre erste Goldmedaille erkämpft.

"Die beiden Sportarten ergänzten sich sehr gut. Ich war durch zahlreiche Boxkämpfe für Irland schon sehr an den Druck gewöhnt, mein Land zu repräsentieren. Das machte es mir auch vor Fussball-Länderspielen mental sehr viel leichter", so Taylor. "Ich konnte verschiedene Stärken von der einen auf die andere Sportart übertragen. An erster Stelle stehen natürlich immer die Disziplin und der unbedingte Wille zum Erfolg. Diese Eigenschaften haben mir sehr geholfen.

"Doch letztlich wurde es immer schwerer, beide Sportarten parallel zu betreiben", so Taylor weiter. "Die Entscheidung, mit dem Fussball aufzuhören, fiel mir sehr schwer, doch letztlich war mir klar, dass ich nicht auf dem Niveau spielte, das ich brauchte. Ich bestritt nur noch drei, vier Fussballspiele pro Jahr, als das Boxen immer stärker in den Mittelpunkt rückte, und ich trat gegen Mädchen an, die Woche für Woche spielten.

Der Frauensport hat im letzten Jahrzehnt einfach unglaubliche Fortschritte gemacht.

"Die Entscheidung fiel mir schwer, weil ich das Nationaltrikot stets gern getragen habe. Ich vermisse auch die Kameradschaft mit meinen Mitspielerinnen. Schließlich habe ich einige meiner besten Freundinnen durch den Fussball kennen gelernt. Doch ich wusste, dass ich diese Entscheidung treffen musste und letztlich war das Boxen für mich auch die richtige Wahl."

Zu ihren früheren Teamkameradinnen gehörte auch Stephanie Roche, die mit ihrem sensationellen Treffer für Peamount United gegen Wexford Youths für den FIFA-Puskás-Preis 2014 nominiert wurde.

"Das war ein unglaubliches Tor. Die Technik war einfach perfekt – ein großer Moment für den Frauenfussball", so Taylors Einschätzung. "Ich habe häufig mit Stephanie gespielt und hatte auch zuvor schon solche Tore von ihr gesehen. Glücklicherweise waren bei diesem einen Treffer auch Kameras dabei.

Die ganze Sache war großartig für den Frauenfussball, weil sie so viel Publicity gebracht hat. Denn genau das braucht der Frauenfussball. Er muss in die Zeitung und die Medien müssen sich auf solche Sachen stürzen. Es war wirklich ein unglaubliches Tor."

Weltmeisterliche Ambitionen Nachdem sie als Amateurin fünf Mal in Folge den Weltmeistertitel gewonnen hatte, wechselte Taylor 2016 ins Profilager. Für 2017 peilt sie bereits den ersten Titel als Profi an.

"Das wird ein enorm wichtiges Jahr für mich", so ihre Prognose. "Seitdem ich das erste Mal die Handschuhe übergestreift habe, wollte ich Geschichte schreiben, Grenzen durchbrechen und neue Wege beschreiten. Genau das hoffe ich, in diesem Jahr zu erreichen. Ich habe große Hoffnungen, in diesem Jahr einen Weltmeistertitel nach Irland zu holen und träume davon, später einmal mit einer eigenen Show im Mittelpunkt zu stehen. Aber zunächst muss ich weiter hart trainieren und danach streben, noch besser zu werden. Ich muss einen Schritt nach dem anderen machen."

Trotz ihres durchgeplanten und vollgepackten Trainingsplans nimmt sich Taylor indes auch weiterhin Zeit, das Geschehen im Frauenfussball zu verfolgen.

"Ich bin immer auf dem Laufenden, was die Spiele angeht, insbesondere wenn die Nationalmannschaft spielt. Und ich bleibe auch weiter mit den Mädchen in Kontakt. Ich versuche so oft wie möglich auch Spiele in der Umgebung zu besuchen. Besonders gern sehe ich auch Spiele von starken Teams wie USA, Japan und England. Sie zeigen unglaubliche Leistungen."