Goodridge erinnert sich an 2012 und hofft auf ein Wunder

18. Sept. 2021
  • Panama trifft mit unguten Erinnerungen auf den alten Bekannten Brasilien

  • Bereits bei der WM 2012 trafen diese Teams im Achtelfinale aufeinander

  • Damals gewann Brasilien 16:0, ein Ergebnis, das sich nicht wiederholen darf

Bei der FIFA Futsal-WM Thailand 2012 wurde Panama auf brutale Weise auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Beim ersten WM-Auftritt des Landes hatte man die Gruppenphase dank des 8:3-Sieges in der ersten Partie gegen Marokko in Gruppe B überstanden.

Als eines der besten drittplatzierten Teams traf Panama im Achtelfinale auf den Gewinner einer anderen Gruppe. Es sollte Brasilien sein … und die Mittelamerikaner mussten bitter Lehrgeld bezahlen. Es gab ein 0:16 gegen den späteren Weltmeister, das höchste Resultat des Turniers. "Sie haben uns einfach eiskalt erwischt. Wir wollten ihnen unsere Spielweise aufzwingen mit frühem Pressing und dann haben sie uns einfach abgeschlachtet", erinnert sich Claudio Goodridge an den Tag im Gespräch mit FIFA.com

Football - FIFA Futsal World Cup Thailand 2012 - Brazil v Panama - Round of 16 - Nakhon Ratchasima - Korat Chatchai Hall - Thailand - 12/11/12.Actionshot, RAFAEL - Brazil scores a goal for his side under pressure from Claudio GOODRIDGE - Panama, adidas Board, FIFA Partners, Coca-Cola Board, Stadia Dressing.Mandatory Credit: Action Images / Matthew Childs

Für Panama war jene Futsal-Partie die wichtigste in der Geschichte bis Litauen 2021, wo es nun erneut zu einem Duell mit Brasilien kommt. Die Südamerikaner sind in Gruppe D bereits für das Achtelfinale qualifiziert. Panama kann hingegen nur mit einem Sieg noch als einer der besten Drittplatzierten weiterkommen. 

"Dazu müssen aber auch die anderen Teams mitspielen. Wenn wir gegen Brasilien gewinnen, haben wir eine Chance, aber es muss auch einen Sieger zwischen Vietnam und der Tschechischen Republik geben. Es wäre schon ein Wunder, denn die Ergebnisse anderer Gruppen müssen auch passen, die Anzahl der Tore, mit denen wir gewinnen…", überlegt er ohne großen Enthusiasmus, auch wenn er sich dann gleich wieder Mut zuspricht.

"Für uns ist es ein äußerst wichtiges Spiel gegen eine der großen Mannschaften in der Welt"- fährt Goodridge fort, für den es mit 31 Jahren die dritte Weltmeisterschaft ist. Gemeinsam mit Kapitän Michael De León und Edgar Rivas (der das Spiel wegen einer Sperre verpasste) zählt er zu den letzten Spielern aus dem damaligen Kader in Thailand.

"2012 haben sie uns besiegt und wir haben das Gefühl, dass es jetzt eine Revanche geben könnte. Wir, die Erfahrenen, und die jungen Burschen, die hier debütieren, wir möchten Geschichte schreiben. Wir haben uns auf dieses Spiel konzentriert und werden alles daransetzen, Brasilien zu besiegen", betont er und man merkt, dass er im Lauf des Gesprächs wieder optimistischer wird. 

Goodridge steht auf dem Höhepunkt seiner Futsal-Karriere und möchte nichts unversucht lassen, um doch zu gewinnen. Er sieht einen Hoffnungsschimmer: "Wir haben uns zusammengesetzt, geredet und untereinander motiviert … Wir haben viel zu gewinnen und wenig zu verlieren und was gibt es Besseres, als das in einem Spiel gegen einen Großen wie Brasilien zu zeigen. Mit einer guten Leistung könnten wir Geschichte schreiben und zufrieden mit dem Abschneiden bei dieser WM sein."

Ein klein wenig Hoffnung gibt es durchaus. Da der erste Platz praktisch gesichert ist, könnte es sein, dass Xavier Marquinhos einigen Spielern eine Pause gönnt, auch wenn der Kader Brasiliens manchen Gegner erschrecken könnte: "Es wird sehr schwer werden … Rodrigo mit seinen Pässen von hinten Dyego, Pito oder Gadeia auf den Flügeln … Und dann noch Ferrao! Er alleine hat schon die ersten beiden Partien entschieden. Er bekommt den Ball, dreht sich und schon ist es passiert. So hat er mehrere Tore gemacht", erzählt Goodrigde, der dennoch einen klaren Matchplan hat. "Man muss Ferrao früh stören, er darf gar keinen Ball bekommen. Rodrigo darf auch nicht dazu kommen, seine langen Bälle in die Mitte zu spielen. An all dem haben wir in diesen Tagen gearbeitet", erklärt er.

Bei jener WM 2012 gab es nicht nur die erwähnte Niederlage. Das Turnier legte den Grundstein für eine Mannschaft Panamas, die sich seitdem beständig weiterentwickelt hat und jetzt, neun Jahre später, ein anderes Gesicht zeigen möchte. "Mit dem 'Profe' [Auswahltrainer José Botana] haben wir hart gearbeitet. 2012 war das WM-Debüt von Panama und wir hatten beschränkte Mittel. Jetzt praktizieren wir eine europäische Spielweise, mit mehr Varianten. In den bisherigen Spielen konnte man sehen, dass wir offensivstark sind, dass wir vors gegnerische Tor kommen, wir müssen dabei nur effizienter werden", meint Goodridge, der in seinem Land für San Martín Futsal spielt.

Was auch immer geschieht, wichtig ist, dass bei der dritten WM-Teilnahme in Folge die Entwicklung fortgesetzt wird: "Panama leistet hervorragende Arbeit im Futsal. In der CONCACAF-Zone gehören wir schon zu den großen Teams. Jetzt sind nur noch drei Routiniers dabei und nach dem Generationswechsel, den der 'Profe' vollzogen hat, haben wir jetzt das stärkste Team unserer drei WM-Teilnahmen. In Litauen müssen wir nun den nächsten Schritt tun", bekräftigt er.

Zum Abschied verkündet Goodridge noch eine Botschaft für die Zukunft: "In Litauen fehlt vielleicht noch etwas das Selbstbewusstsein, der Druck war bislang zu stark, aber für 2024 sehe ich eine sehr starke Auswahl, die Geschichte schreiben kann. Man muss ihr vertrauen!"

KLAIPEDA, LITHUANIA - SEPTEMBER 16: The Panama team line up prior to the FIFA Futsal World Cup 2021 group D match between Panama and Vietnam at Klaipeda Arena on September 16, 2021 in Klaipeda, Lithuania. (Photo by Tullio Puglia - FIFA/FIFA via Getty Images)