Carlos Ortiz: "Es wäre die Krönung meiner Karriere"

26. Sept. 2021
  • Im Viertelfinale der FIFA Futsal-Weltmeisterschaft kommt es zum Nachbarschaftsduell Spanien gegen Portugal

  • Es ist auch das Duell zweier Freunde: Ortiz und Ricardinho

  • Beide spielten in den vergangenen acht Jahren für denselben Verein 

Carlos Ortiz und Ricardinho wollten schon lange mal einen Kaffee zusammen trinken. Heute Nachmittag haben sie endlich die Gelegenheit dazu.

"Er ist in Wilna und wir werden zusammen einen Kaffee trinken und uns unterhalten", sagt Ortiz, Spaniens Kapitän, gegenüber FIFA.com. "Ich werde ihm sagen, dass er sich keine Sorgen machen muss. In wichtigen Momenten fällt ihm immer ein toller Spielzug ein, und ich hoffe, er hat nicht zu viele in Reserve", lacht der Spanier, der sich sichtlich freut, einen seiner besten Freunde im Futsal wiederzusehen.

Das Viertelfinale zwischen Spanien und Portugal gibt den beiden Spielern die Möglichkeit, sich zu treffen, bevor sie auf dem Parkett gegeneinander antreten. Nachdem sie sich in den vergangenen acht Spielzeiten – sieben bei Movistar Inter in Spanien und eine bei ACCS Futsal in Frankreich – in einer Mannschaft standen, treten die beiden Kapitäne nun erstmals wieder gegeneinander an. 

Das war zuletzt bei der UEFA Futsal EURO 2018 der Fall, die Portugal gewann. Ricardinho und Co. hatten endlich Spanien in einem offiziellen Spiel – und noch dazu in einem Finale – besiegt und ihrem Land damit den ersten großen Titel in dieser Sportart beschert. 

"Sie haben das Turnier mit nahezu perfekten Leistungen dominiert. Sie waren in Höchstform", berichtet Carlos Ortiz, der indes nicht von Revanche für dieses Spiel sprechen möchte. "Denn wenn man es so betrachtet, wie wäre es dann für die Portugiesen, nachdem wir sie so oft geschlagen haben?", fährt er fort und verweist auf die Überlegenheit von La Roja gegenüber den Nachbarn in den offiziellen Spielen vor dem Endspiel 2018. "Sie hatten es 2018 einfach verdient. Ihr Durchhaltevermögen und ihre Tapferkeit wurden belohnt", fügt er hinzu. 

Heute sind Spanier und Portugiesen wieder in einem anderen Turnier im Einsatz. Vor dem Duell um den Einzug ins WM-Halbfinale beginnt alles wieder bei null.

Futsal leben

Carlos Ortiz ist zuversichtlich. Nach der fulminanten ersten Halbzeit des Weltmeisters von 2000 und 2004 im Achtelfinale gegen die Tschechische Republik hat er auch allen Grund dazu. "Wir sind in einer hervorragenden Ausgangslage. Wir haben uns im Verlauf des Turniers gesteigert. Die Gruppenphase war gut, ohne dass wir auf unserem besten Niveau gespielt hätten. Aber erst in der ersten Hälfte des Achtelfinales hat Spanien sein wahres Gesicht gezeigt: intensiv, aggressiv und offensiv. Wir haben einen Zahn zugelegt", sagt der Mann, der nach seiner Rückkehr aus Litauen zum FC Barcelona wechseln wird.

Mit 37 Jahren bestreitet der Verteidiger seine vierte Weltmeisterschaft. Er weiß, dass es nach zwei zweiten Plätzen 2008 und 2012 seine vermutlich letzte Chance auf den Titel ist. "Es ist eine besondere Weltmeisterschaft für mich. Es ist meine letzte Chance, Weltmeister zu werden. Das koste ich jeden Tag aus", sagt Ortiz. "Das ist bei vielen Spielern hier der Fall, auch wenn sie sich dessen noch nicht bewusst sind. Wenn man um den Titel mitspielen will, muss man in jedem Spiel und in jedem Training 100 Prozent geben."

Ortiz, der Rekordnationalspieler

Im Rahmen der Freundschaftsspiele vor der Weltmeisterschaft lief Ortiz zum 200. Mal für die Nationalmannschaft auf. Das können nur wenige für sich reklamieren. Wie er selbst sagt, hat er sich seit seinem Debüt 2006 verändert. "Ich bin reifer geworden. Früher reagierte ich heftiger, feuriger. Ich war ein Anarcho. Die Erfahrung hat mich gelassener gemacht. Ich denke jetzt mehr nach."

Vor den anstehenden Viertelfinals bewertet Ortiz die Chancen wie folgt: "Der größte Außenseiter ist vermutlich Marokko, aber in dieser Phase des Turniers kann jede Mannschaft der künftige Weltmeister sein." Weiter lehnt er sich in dieser heißen Phase des Turniers hinsichtlich eines Favoriten nicht aus dem Fenster. "Es ist alles sehr ausgeglichen. Alle Mannschaften haben sich spielerisch gesteigert und einfach wird es gegen keine von ihnen. Die Viertelfinals dürften spektakulär werden." 

Aber Ortiz glaubt zumindest zu wissen, was für den Ausgang der kommenden Woche entscheidend sein wird. "Gewinnen wird derjenige, der die wenigsten Fehler macht und die beste Verteidigung hat. Außerdem wird es darauf ankommen, von Verletzungen verschont zu bleiben. Das wird entscheidend sein. Es ist alles offen", findet er. Beinahe zwangsläufig stellt sich Ortiz vor, wie er am Sonntag, dem 3. Oktober, seinem 38. Geburtstag, die Trophäe in die Höhe hält.

"Es wäre der krönende Abschluss meiner internationalen Karriere, in der ich an großen Turnieren und vier Weltmeisterschaften teilgenommen habe. Es wäre ein schöner Schlusspunkt. Ich würde an meine Familie denken, an Venancio [López], den Trainer, mit dem ich die meiste Zeit in der Nationalmannschaft verbracht habe. Und ich würde mich an die vielen Spieler erinnern, die meine Mannschaftskameraden waren, die von diesem Titel geträumt und ihn nicht bekommen haben", schließt er.