Asisat Oshoala: Das Mädchen mit der besonderen Entschlossenheit

Asisat Oshoala nahm zweimal an der FIFA U-20-Frauen-Weltmeisterschaft teil und hat eine besondere Beziehung zum Nachwuchsturnier der FIFA. In diesem Wettbewerb hat sie ihre wichtigsten Lektionen gelernt und die großen Entscheidungen getroffen, welche ihr Auszeichnungen, Anerkennung und einen Platz bei der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft eingebracht haben.

Lange bevor sie sich aber als Teenager den Traum erfüllen konnte, das grüne Nationaltrikot überzustreifen und in fernen Ländern Tore zu schießen, gab es noch eine kleine Angelegenheit zu regeln. Auf den Fussballplätzen von Ikorodu, 36 Kilometer nördlich der Hauptstadt Lagos, musste sie ihre Fertigkeiten am Ball ausbilden und sich beweisen.

"In der Schule spielte ich immer mit den Jungs Fussball", sagt Oshoala im Gespräch mit FIFA.com. "Wir spielten in Sechser-Teams und die Jungs sagten immer zu mir: 'Geh‘ nicht nach vorne. Bleib einfach hinten. Schieß einfach die Bälle weg. Du kannst keine Tore schießen. Du kannst nicht an Verteidigern vorbeidribbeln.' Und dann kam der Tag, an dem wir es ins Finale schafften. Ich umdribbelte zwei oder drei Spieler und schoss ein Tor. 1:0. Ende des Spiels. Ich weiß noch, wie ich zu ihnen sagte: 'Seht euch das an. Ihr glaubt nicht an mich, aber schaut, was ich kann.'"

Für Oshoala war dieser Moment die erste wertvolle Lebenserfahrung. "Wenn du diese Entschlossenheit hast und die Menschen diese Entschlossenheit in dir sehen, haben sie keine andere Wahl, als dir die Unterstützung zu geben, die du brauchst, um deine Ziele zu erreichen", sagt die Mittelfeldspielerin von Arsenal Ladies nachdenklich, als sie auf diese ersten Hürden in ihrer Karriere zurückblickt.

Von Ikorodu nach SaitamaAuf internationaler Ebene begann Oshoalas Geschichte, als die damals 17-Jährige überraschend in die nigerianische Auswahl für die FIFA U-20-Frauen-Weltmeisterschaft Japan 2012 nominiert wurde. "Ich hätte nicht gedacht, dass ich auch nur einen einzigen Pass würde spielen dürfen, weil ich so jung war", sagt die Mittelfeldspielerin. "Ich dachte, ich war einfach ein Lückenfüller."

Doch in der Auftaktpartie gegen Korea Republik wurde Oshoala in der 76. Minute eingewechselt. Ihre Leistung in diesen letzten 14 Minuten war so beeindruckend, dass sie in allen weiteren Spielen in der Startformation stand und dazu beitrug, das Halbfinale zu erreichen.

"In diesem Moment und an diesem Ort habe ich eines gelernt: Wenn du eine Chance bekommst, musst du dein Bestes geben", sagt sie. "Du kannst sie vielleicht nicht sehen, aber irgendjemand schaut immer zu. Das war eine wichtige Lektion für mich. Diese Einstellung habe ich seit Japan in jedes Spiel hineingenommen, das ich bestreite."

Tore und Auszeichnungen in Kanada In Japan gelang Oshoala zwar kein Treffer, doch diesen statistischen Makel sollte sie bei der nächsten FIFA U-20-Frauen-Weltmeisterschaft gründlich beseitigen: Sie erzielte sieben Tore in sechs Partien. Oshoala verließ Kanada 2014 als Vize-Weltmeisterin mit einer Silbermedaille um den Hals und musste in ihrem Koffer zusätzlich Platz für den adidas goldenen Ball und den goldenen Schuh machen. Nebenbei hatte sie einige Turnierrekorde pulverisiert und avancierte zur erst dritten Spielerin der Turniergeschichte, die vier Tore in einem Spiel erzielte.

"Kanada war ein riesiges Ereignis für mich", sagt sie. "Ich wollte es noch besser machen. Ich wollte, dass die Menschen nicht nur kommen, um mein Team zu sehen, sondern dass sie kommen, um dieses Mädchen zu sehen. Das Mädchen mit dieser Entschlossenheit, immer ihr Bestes zu geben."

Der Moment, in dem ihr Selbstvertrauen und ihre Kämpfernatur am deutlichsten zum Vorschein kamen, war wohl die Partie gegen England im letzten Gruppenspiel des Turniers. Beim Stande von 1:1 hatte die Engländerin Bethany Mead in der 53. Minute einen Elfmeter vergeben. Nur sechs Minuten später wurde Oshoala im Strafraum zu Fall gebracht und erhielt die gleiche Chance, in dieser Partie in Führung zu gehen.

"Es war ein entscheidender Elfmeter für das Team", berichtet sie. "Wir brauchten ein Tor. Wir mussten das Spiel gewinnen, um uns für die nächste Runde zu qualifizieren. Es war nicht vorgesehen, dass ich ihn schieße. Wir hatten eine Spielerin, die für Strafstöße zuständig ist. Aber ich konnte sehen, dass sie unsicher war. Ich ging zu ihr und sagte: 'Ich schieß‘ ihn für dich.' Ich wollte diese Herausforderung und erinnere mich, dass ich dachte: 'Ich bin die erfahrene Spielerin des Teams. Ich war schon bei der vorherigen U-20-WM dabei. Ich kann vortreten und es für mein Team machen.'"

Kaltschnäuzig verwandelte Oshoala den Strafstoß. In der Folge stürmte Nigeria durch die K.o.-Phase bis ins Finale gegen Deutschland, in dem erst ein Tor in der 98. Minute die Träume der Falconets von einem ersten Titelgewinn bei der U-20-Frauen-WM zunichtemachte.

Die größte BühneSo war es keine Überraschung, dass Oshoala knapp ein Jahr nach der U-20-WM in Kanada in der Auftaktpartie Nigerias bei der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2015™ im gleichen Land in der Startformation stand. "Die Frauen-WM war etwas ganz Anderes. Ich habe noch nie vor so vielen Zuschauern gespielt", sagt sie. "Ich weiß noch, dass ich einige Male mit mir selbst schimpfen musste. Ich musste mich immer wieder daran erinnern, nicht auf den Platz zu gehen und nur meine Idole anzustarren anstatt Fussball zu spielen. Ich konzentrierte mich immer wieder auf diesen Gedanken: 'Ich werde da rausgehen und den Fussball spielen, den ich in mir habe.'"

Trotz ihrer erst 21 Jahre hat Oshoala inzwischen selbst einen Status erreicht, der sie für jüngere Generationen zum Idol macht. Sie ist sich dieser Verantwortung bewusst. "Ich will andere Spielerinnen inspirieren", sagt sie. "Wann immer ich also die Gelegenheit habe, mein Land zu vertreten, muss ich mein Bestes geben."