Wenger erklärt den "Fussball von morgen"

11. Sept. 2021
  • Arsène Wenger hat seine Perspektiven für den "Fussball von morgen" in einer detaillierten Präsentation erläutert

  • Im Gespräch waren auch bestehende Probleme mit dem internationalen Spielkalender und die Möglichkeiten, die sich durch eine Neordnung eröffnen

  • Wenger sagte in der digitalen Pressekonferenz: "Wir wollen Spiele mit Bedeutung"

Arsène Wenger hat Medienvertretern seine Perspektiven für den "Fussball von morgen" in einer ausführlichen Präsentation erläutert, in der er nicht nur auf die bestehenden Probleme mit dem internationalen Spielkalender einging, sondern auch auf die Möglichkeiten, die sich dem Fussball weltweit durch eine Neuordnung nach 2024 bieten. 

Der FIFA-Leiter für globale Fussballentwicklung sprach auf einer digitalen Pressekonferenz, an der Medienvertreter aus aller Welt teilnahmen. Die Konferenz fand im Anschluss an eine zweitägige Sitzung des Technischen Beratergremiums der FIFA zur Zukunft des Männerfussballs statt, an der eine Gruppe von Fussballstars in Doha (Katar) teilnahm. 

"Unsere Aufgabe ist es, den Fussball von morgen zu planen und zu gestalten und den Wettbewerb im Fussball weltweit zu verbessern", sagte Arsène Wenger bei der Vorstellung seines Plans, bei dem die Spieler und die Fans an erster Stelle stehen sollen. "Es gab und gibt viele Beschwerden darüber, dass wir einen Spielmarathon hatten, was bedeutet, dass wir zu viele Partien absolvieren. Wir wollen Spiele mit Bedeutung, und wir wollen auf höchstem Niveau spielen und nicht die Quantität, sondern die Qualität der Spiele erhöhen."

Der ehemalige Trainer des FC Arsenal erklärte, dass durch die Verringerung des gegenwärtigen "Stop-and-Go"-Charakters der Länderspiele, die über die gesamte Vereinssaison verteilt sind, die Möglichkeit bestehe, die Reisetätigkeit der Spieler zu reduzieren, die Ermüdung der Spieler zu verringern und mehr relevante Spiele zu ermöglichen. 

"Wir wollen die Zahl der Spiele nicht erhöhen. In diesem Punkt sind wir sehr klar", so Wenger. "Am wichtigsten für mich sind mehr sinnvolle, relevante Spiele. Wir wollen den Fans geben, was die Fans heute verlangen: mehr bedeutungsvolle Spiele. Dieser Erwartungshaltung wollen wir entsprechen."

Zugleich wies der FIFA-Leiter für globale Fussballentwicklung darauf hin, dass der Rahmenterminkalender die zunehmende Kluft zwischen den Konföderationen überwinden müsse, da die K.o.-Phasen der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft auf Mannschaften aus einer oder zwei geografischen Regionen konzentriert seien. "Einige Konföderationen haben keinen Zugang zu Spielen auf höchstem Niveau, und so haben sie keine Chance, den Abstand zu den großen Konföderationen zu verringern", sagte er. "Ich persönlich tue mich einfach schwer mit dem Gedanken, dass ich für den Fussball arbeite, es aber die Situation gibt, dass ein Junge, der irgendwo geboren wurde, nicht die gleichen Chancen hat wie ein anderer Junge, der in einem Land geboren wurde, das über einen strukturierten Fussball und Talentförderung verfügt. Ich möchte jedem Talent eine Chance geben und bin daher auch persönlich der Meinung, dass der aktuelle Länderspielkalender überholt ist."

Seine Überlegungen wurden auch einer Gruppe von Spitzenspielern unterbreitet, die dem Technischen Beratergremium der FIFA für die Zukunft des Männerfussballs angehören und Wengers Pläne ausführlich kommentierten. "Man hat 20 Prozent Nationalmannschaftsfussball und 80 Prozent Vereinsfussball. Dieses Verhältnis wollen wir beibehalten, es aber einfach effizienter gestalten", erklärte Wenger im Anschluss. "Das bedeutet, dass wir die Qualifikationsspiele der Nationalmannschaften neu strukturieren und reduzieren, dass die Spieler länger bei ihren Vereinen bleiben können und dass wir jedes Jahr eine garantierte Ruhezeit für die Spieler einführen."

Der Vorschlag zielt darauf ab, globale und regionale Nationalmannschaftsturniere in einer strukturierten Form zu bündeln. "Ich sehe in einem überarbeiteten Kalender die Möglichkeit, 2026 eine FIFA Fussball-Weltmeisterschaft zu veranstalten, 2027 die Konföderationsturniere neu zu ordnen und dann 2028 wieder eine FIFA Fussball-Weltmeisterschaft auszutragen", so Wenger weiter. "Die FIFA Fussball-WM hat sich seit ihren Anfängen mit 13 Mannschaften im Jahr 1930 ständig weiterentwickelt, bis hin zu der Situation, dass 2026 48 Mannschaften an der Endrunde teilnehmen werden."

Dementsprechend wird auch die derzeitige Position des Fussballs als beliebteste Sportart der Welt nicht als selbstverständlich angesehen. Wenger ist sehr daran interessiert, den Status des Fussballs durch Veränderungen zukunftsfest zu machen. "Die Zeiten ändern sich und damit auch die Verhaltensweisen", sagte der FIFA-Leiter für globale Fussballentwicklung, wobei Einfachheit und Unmittelbarkeit die vorherrschenden sozialen Merkmale darstellten. "Wir sind Teil einer schnelllebigen Gesellschaft mit E-Sport, und die junge Generation ist daran gewöhnt, dass sie auf alles, was sie will, sofort eine Antwort bekommt. Hinzu kommen die Globalisierung und eine neue Mentalität. Ich glaube, die Art und Weise, wie dieser Vorschlag gestaltet ist, wird zu einer neuen Denkweise führen. Die UEFA EURO beispielsweise wurde wegen der COVID-Situation auf 2021 verschoben. Es war ein fantastischer Wettbewerb, und nächstes Jahr haben wir eine Weltmeisterschaft. Für mich sieht es nicht so aus, als stelle das ein Problem dar. Eher wirkt es auf mich, als sei die EURO schon lange vorbei und alles warte sehnlichst auf die nächste Weltmeisterschaft. Die Fans profitieren davon, weil sie meiner Meinung nach das Recht haben, häufiger hochkarätige Wettbewerbe zu sehen, während die Spieler eine geringere Reisebelastung haben, mehr Wettbewerbsspiele bestreiten und mehr Chancen auf eine Teilnahme an der Weltmeisterschaft haben."