Mauritius nimmt die Zukunft ins Visier

28. Nov. 2020
  • Das globale Spiel in Mauritius

  • 1.800 Kilometer entfernt von Afrika

  • "Wir befinden uns im Aufbauprozess"

Begibt man sich an der Ostküste Afrikas auf ein Schiff und sticht in See in den Indischen Ozean, so landet man nach etwa 1.000 Kilometern auf Madagaskar, weitere 800 Kilometer weiter kommt die wunderschöne Insel Mauritius in Sicht, die bekannt ist für ihre Strände, Lagunen und Riffe. Im bergigen Landesinneren befindet sich der Black-River-Gorges-Nationalpark mit Regenwäldern, Wasserfällen, Wanderwegen und Wildtieren wie dem Flughund.

Der Fussball wurde Anfang des 20. Jahrhunderts von britischen Siedlern mit nach Mauritius gebracht und entwickelte sich dort zur beliebtesten Sportart. Überall auf der Insel wurden neue Klubs gegründet. Wie in England gehen einige von ihnen auf Mannschaften von Hochschulen zurück, beispielsweise das Royal College in Curepipe und das Saint-Joseph College. Andere wiederum wurden von verschiedenen Bevölkerungsgruppen gegründet, die damals die mauritische Gesellschaft bildeten. Manche Klubnamen bezogen sich auf die Herkunft der Mitglieder, beispielsweise die Dragons chinois (die chinesischen Drachen) oder auf Nationalsymbole wie im Falle des Dodo Football Club (der Dodo war eine große, flugunfähige Vogelart, die es bis zu ihrem Aussterben nur auf Mauritius gab).

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Einführung erster Strukturen

Schritt für Schritt führten die Klubs und die Führung des mauritischen Fussballs bestimmte Strukturen ein, so auch die nationale Liga, die 1935 gegründet wurde. Mit dem Republic Cup wurde 1957 ein zweiter landesweiter Wettbewerb ins Leben gerufen.

Zudem wurde in der Zwischenzeit eine Nationalmannschaft gebildet. Das Team mit dem Spitznamen Club M trat 1947 zu seinem ersten Spiel gegen eine Mannschaft von der Insel Réunion an. Die Mannschaft gewann in der Folge zwischen 1947 und 1963 zehn Mal den Titel beim Indian Ocean Games Triangulaire (dem Vorläufer der Indian Ocean Island Games).

1952 wurde der Fussballverband von Mauritius gegründet, um die fussballerischen Aktivitäten zu koordinieren. Zehn Jahre später wurde der Verband Mitglied der Afrikanischen Fussballkonföderation CAF und 1964 auch Mitglied der FIFA. Zudem wurde der Bau eines Stadions erforderlich, in dem die Nationalmannschaft ihre Länderspiele austragen konnte, und so wurde 1955 in der Stadt Curepipe das George-V-Stadion erbaut.

Trotz dieser Entwicklungen gelang es dem Land aufgrund seiner geringen Größe von rund 2.000 Quadratkilometern nicht, auf der kontinentalen Fussballbühne eine größere Rolle zu spielen. Mauritius hat nur ein Mal am CAF Afrikanischen Nationen-Pokal teilgenommen (1974) und 1985 die Indian Ocean Island Games gewonnen.

Mauritius, 12.9.2004

Eine neue Ära im Fussball von Mauritius?

2001 wurde der Fussball in Mauritius durch neue gesetzliche Regelungen im Rahmen des Sports Act umstrukturiert. Zunächst wurde beschlossen, die Klubs in der mauritischen Liga, die drei Spielklassen umfasst, nicht mehr nach den ethnischen Wurzeln, sondern nach der geographischen Lage zu organisieren. Zudem rückte der Fussballverband des Landes den Jugendfussball stärker in den Mittelpunkt. Außerdem gab der Verband das Ziel aus, sich in Zukunft stärker am internationalen Fussball- und Sportgeschehen zu beteiligen.

2003 war Mauritius Gastgeber der Indian Ocean Island Games im George-V-Stadion, das aus diesem Anlass modernisiert wurde. Die Nationalmannschaft des Landes nutzte den Heimvorteil perfekt aus und konnte das Turnier erneut gewinnen. Im Mai 2013 war der Fussballverband von Mauritius Gastgeber des 63. FIFA-Kongresses und setzte damit seine Ambitionen um, stärker auf der internationalen Fussballbühne präsent zu sein.

Der Fussball-Weltverband initiierte in der jüngeren Vergangenheit mehrere Goal-Projekte, unter anderem wurde 2013 ein Kunstrasenplatz im Leistungszentrum Trianon eröffnet. Durch die Investition ist das Leistungszentrum zu einer enorm wichtigen Einrichtung für die ca. 80.000 aktiven Fussballer im Land geworden.

Die Weichen für die Zukunft wurden gestellt

Auf Nationalmannschaftsebene allerdings liegt der größte Erfolg rund 20 Jahre zurück. Damals belegte Mauritius in der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste den 116. Platz. Einmal abgesehen vom 112. Rang, der dem Team bei der Einrichtung dieses Klassements im Jahr 1992 zugewiesen wurde, ist dies bis heute die beste Platzierung der Insulaner.

Um sie zu erreichen, haben sie seinerzeit Teams vom Kaliber Gabuns und Südafrikas in Schach gehalten und sich in einem Qualifikationsspiel für den CAF Afrikanischen Nationen-Pokal 2000 gegen Angola durchgesetzt. Damals war Jimmy Cundasamy der große Star, ein Amateurspieler, der auf Vereinsebene ausschließlich auf den Inseln Mauritius und La Réunion aktiv war. Daher löst die Leistung von Cundasamy und der damaligen Generation der Dodos auch heute noch Respekt aus.

"Auf der Insel spricht man von nichts anderem als dieser 'goldenen Generation', denn schließlich hat sie sich für den Afrika-Cup 1974 qualifiziert! Das Team hat unserem Fussball Ruhm und Ehre gemacht und jeder Mauritianer, der sich auch nur ein bisschen für Fussball interessiert, kennt die Heldentaten dieser Spieler", erklärt der mauritische Nationalverteidiger Lindsay Rose am Mikrofon von FIFA.com.

"Ich spiele erst seit zweieinhalb Jahren in der Nationalmannschaft, aber ich sehe schon eine echte Entwicklung. Es gibt den Wunsch, gute Leistungen zu bringen, und der Verband hat wichtige Kräfte mobil gemacht, um die Fussballentwicklung auf der Insel und die Fortschritte des Nationalteams zu fördern. Ich blicke zuversichtlich in die Zukunft."

Aktuell allerdings sind die Dodos in der Qualifikation für den CAF Afrikanischen Nationen-Pokal 2021 und die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Katar 2022™ mit Niederlagen gegen São Tomé und Príncipe (2:5 nach Hin- und Rückspiel) bzw. Mosambik (0:3 nach Hin- und Rückspiel) ausgeschieden. "Längst nicht alles ist negativ. Wir haben durchaus Qualität in der Mannschaft, und in Mauritius anzutreten, ist für die Gegner schwer. Wir haben hier eine reelle Arbeitsgrundlage."

Zwei neue Gesichter am Ruder

Mit Blick auf die zukünftige Entwicklung wurden im Februar 2020 ein technischer Direktor (der Südafrikaner Zunaid Mall) und ein neuer Nationaltrainer (der Franko-Algerianer Boualem Mankour) ernannt. "Man muss in die Zukunft blicken, und die Zukunft sind die Nachwuchsspieler. Wir werden uns in den nächsten beiden Jahren gut vorbereiten", versprach Mankour bei seinem Amtsantritt.

Rose bläst in dasselbe Horn: "Es scheint mir nicht unmöglich zu sein, dass wir in Zukunft an die Erfolge unserer Vorgänger anknüpfen können. Wir müssen einfach etwas Geduld haben. Wir befinden uns mitten in einem Aufbauprozess."