Ehrgeiziges Fidschi profitiert von Mentoring-Programm der FIFA

  • Der Frauenfussball in Fidschi hatte in den letzten Jahren mehrere Meilensteine zu verzeichnen

  • Elle Turner half dem Pazifikstaat als Mentorin

  • Die Sportwissenschaftlerin aus Manchester berichtet über ihre Erfahrungen und überraschende Erkenntnisse

"Ich habe genauso viel von den Fidschianern gelernt wie sie von mir."

Elle Turner ist seit Jahren in einer der größten Fussballhochburgen der Welt zu Hause. Sie war zunächst für Manchester United tätig, seit Kurzem arbeitet sie bei Manchester City. Als erfahrene Sportwissenschaftlerin kennt Turner sich mit allen Facetten des körperlichen Wohlbefindens von Sportlern gut aus und hatte vielleicht nicht erwartet, von Fidschis Frauenfussballgemeinschaft noch viel lernen zu können, als sie aus heiterem Himmel ein Angebot von der FIFA bekam. Doch genau das ist passiert.

Turnier übernahm beim Pilotprogramm der FIFA zur Vorbereitung des Frauennationalteams eine Mentorinnenrolle. Sie sollte unter anderem Knowhow und Fachkenntnisse über Ernährung, Konditionstraining und Erholungsphasen an den Trainerstab von Fidschis Frauen und damit auch an die Spielerinnen weitergeben.

Fidschi kommt in der Region eine Art Pionierrolle im Fussball zu, denn das Land hat als erste ozeanische Inselnation an der Qualifikation für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ teilgenommen. Im Vorfeld der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2023™, die zum ersten Mal in Ozeanien stattfinden wird, erhält das Frauenprogramm des Inselstaates nun mit maßgeschneiderten Schwerpunkten für Frauen im Fussball noch einmal neue Impulse.

Turner erklärt, die Zusammenarbeit mit ihren neuen Kollegen am anderen Ende der Welt über das Internet habe ihr ganz neue Perspektiven eröffnet. 

"Für mich ist das ein ganz besonderes und einzigartiges Projekt", so die Sportwissenschaftlerin. " Ich habe das Gefühl, es hat eine größere Dimension und es gibt einen höheren Zweck. Bei der Arbeit mit MVs [Mitgliedsverbänden], die noch ganz am Anfang stehen, habe ich gelernt, dass du nicht diejenige bist, die sie unterrichtet, sondern dass sie nur etwas von dir lernen. Das ist wahrscheinlich das Wichtigste, was ich aus dieser Erfahrung mitgenommen habe."  

"Ich glaube, als Sportwissenschaftler gehen wir manchmal mit einer gewissen Borniertheit an die Sache heran, nach dem Motto 'Wir wissen mehr als ihr'. Aber mit einer solchen Einstellung bringst du dich um einen Großteil der Erfahrung. Ich habe nämlich festgestellt, dass ich wirklich mindestens genauso viel von ihnen gelernt habe, wie sie von mir."

In Fidschi wurde gerade die erste nationale Frauenliga ins Leben gerufen, und laut Turner gibt es im Land einen unglaublich starken Willen, den heimischen Fussball zu verbessern.  

"Die Spielerinnen sind alle zu Hause im Lockdown, und wir haben Programme versendet", erklärt sie. "Einige Spielerinnen können das Programm aber nicht absolvieren, weil sie keine Arbeit und kein Einkommen haben und daher den ganzen Tag mit Jagen, Sammeln und Fischen beschäftigt sind."

"Einige von ihnen können sich nur eine Mahlzeit pro Tag leisten. In dieser Ausnahmesituation können sie vielleicht nicht so hart trainieren wie sonst und das gesamte Programm absolvieren." 

"Die FIFA hat mir dabei geholfen, Lösungen zu finden und so gut wie möglich zu unterstützen. Die Fidschianerinnen haben eine unglaubliche Einstellung an den Tag gelegt. Das hat mich wirklich umgehauen und war einfach überwältigend. Sie hatten kein Selbstmitleid und haben auch niemandem die Schuld gegeben." 

Fidschis nächstes Ziel ist die Qualifikation für die FIFA Frauen-Weltmeisterschaft™. Obwohl das noch immer eine schwere Herausforderung ist, haben sich die Chancen in den letzten Jahren beträchtlich verbessert. Fidschi hat sich bei der letzten Ausgabe des OFC-Nationen-Pokals der Frauen gegen die traditionelle Pazifikmacht Papua-Neuguinea durchgesetzt. Als nächstes geht es nun darum, sich ein Ticket für das neue globale Playoff-Turnier für die FIFA Frauen-Weltmeisterschaft im Jahr 2023 zu sichern.

"Am tollsten fand ich, wie aufgeschlossen und zukunftsgerichtet die fidschianischen Mitarbeiter sind."

"Mit dem, was sie aufgebaut haben, und den Menschen, die sie in das Projekt eingebunden haben, werden sie ihre Sache gut machen. Die Spielerinnen werden es schaffen. Sie werden sowohl physisch als auch taktisch und technisch bereit sein."  

"Und ich glaube, was sie durchgemacht haben, war nur ein Rückschlag, der sie stärker gemacht hat und für die Vorbereitung hilfreich ist."