Stott: "Es fühlt sich an wie Heimkommen, nach dem Sieg gegen den Krebs"

  • Bei Rebekah Stott wurde im März 2021 das Hodgkin-Lymphom diagnostiziert

  • Die neuseeländische Verteidigerin hat die Krankheit überwunden und konnte ins Nationalteam zurückkehren

  • Stott sprach mit der FIFA über Inspiration für andere und ihre Zukunftspläne

Die Zeit der COVID-Pandemie war in weiten Teilen der Welt durch Isolation gekennzeichnet. Rebekah Stott hingegen machte eine völlig andere Erfahrung. Die neuseeländische Nationalspielerin hatte mehr Grund als die meisten anderen, das vergangene Jahr als das schlimmste ihres Lebens zu bezeichnen. Denn neben den globalen Kämpfen mit Lockdowns, abgeriegelten Grenzen und dem Verbot persönlicher Kontakte befand sich Stott in einem zermürbenden Kampf gegen den Krebs.

Doch während der langen, kräftezehrenden Monate in der Chemotherapie wurde Stott klar, dass sie ihren Kampf mit der Unterstützung einer stetig wachsenden globalen Fangemeinde kämpfte - und gewann. Daher fühlte sich die Verteidigerin keineswegs allein oder isoliert, sondern genoss die Wärme der unzähligen Genesungswünsche.

"Das war ein sehr schönes Erlebnis. Wirklich ganz erstaunlich", sagte sie. "Ich wusste nicht, dass so viele Leute mich überhaupt kannten und ich hatte wirklich nicht erwartet, dass meine Geschichte eine solche Wirkung haben würde.

Aber es war sehr cool, dass so viele Menschen mich unterstützt und mir geholfen haben, wieder ganz gesund zu werden. Das hat mir sehr geholfen. Ich bin immer noch ziemlich erstaunt über die ganze Sache."

Erbitterte Rivalinnen und enge Freundinnen

Stotts Kampf gegen die Krankheit und ihre anschließende Genesung dienten auch als Ansporn für den Mitausrichter der FIFA Frauen-WM 2023™. Die 28-Jährige, die schon als Kind nach Australien zog und für die Nachwuchs-Nationalteams spielte, verkörpert die Bande, die die Matildas, die Football Ferns und ihre jeweiligen Länder verbinden.

Das spiegelte sich deutlich in der enormen Zuneigung in Australien und Neuseeland wider, als sie ihre Diagnose bekam, und auch in der Herzlichkeit, mit der sie nach überstandener Krankheit in der W-League in Australien und in der Nationalmannschaft in Neuseeland wieder begrüßt wurde.

"Das habe ich definitiv gespürt", sagte sie gegenüber der FIFA. "Ich bin mit elf Jahren an die australische Sunshine Coast gezogen und habe starke Bindungen und Freundschaften in beiden Ländern.

Eine meiner besten Freundinnen ist Steph Catley von den Matildas. Und ich bin auch mit einigen weiteren Spielerinnen gut befreundet. Die bevorstehende FIFA Frauen-WM 2023 ist in dieser Hinsicht natürlich sehr bedeutsam.

MELBOURNE, AUSTRALIA - DECEMBER 13:  Stephanie Catley of Australia and Rebekah Stott of New Zealand pose for photos during the announcement of Australia & New Zealand's Joint Bid to host the FIFA Women's 2023 World Cup, at AAMI Park on December 13, 2019 in Melbourne, Australia. (Photo by Wayne Taylor/Getty Images)

Aber sobald ein Spiel ansteht, treten diese Freundschaften natürlich in den Hintergrund. Die Rivalität ist heftig und hart! (lacht) Aber es ist cool, diese Bindungen zu haben, und ich habe unglaubliche Unterstützung von der Fussballgemeinde in Australien und Neuseeland erfahren."

Eine weitere herzerwärmende Episode dieser Verbundenheit gab es im vergangenen Monat, als Stott die Einladung der Australierin Aivi Luik annahm, nach einem Freundschaftsspiel der beiden Teams auf dem Spielfeld eine Kopfrasur vorzunehmen. Dies war Teil von Luiks Spendenaktion nach der Krebsdiagnose ihres jüngeren Bruders, und Stott – die mit ihrer Website BeatItByStotty und ihrem Instagrams-Account bereits Tausende inspiriert hat – war selbstverständlich bereit, ihr zu helfen.

"Aivi und ich sind in Queensland aufgewachsen, wir haben miteinander gespielt und sind gute Freundinnen", sagt sie. "Dass ich ihr bei dieser Rasur-Aktion helfen und Geld für den Kampf gegen den Hirntumor sammeln und ihren Bruder unterstützen konnte, bedeutet mir sehr viel. Und auch bei ihr ist die Unterstützung durch die Fussballgemeinde einfach unglaublich."

Rückkehr und neue Auslandsambitionen

Die 1:3-Niederlage gegen die Australierinnen in Canberra war das vierte Spiel, in dem Stott für Neuseeland eingewechselt wurde, seitdem sie Ende letzten Jahres ihre Fussballkarriere wieder aufgenommen hat. Das erste Mal kam sie Februar beim SheBelieves Cup wieder zum Einsatz, und es war für sie ein besonders emotionales Ereignis.

"Das Spiel dort gegen Island war schon etwas ziemlich Besonderes", so Stott. Endlich wieder dieses Umfeld und die anderen Spielerinnen um mich zu haben und wieder im Nationaltrikot auf dem Platz zu stehen, hat mir erst wirklich klargemacht, wie sehr ich dieses Gefühl vermisst habe.

Ich spiele Fussball, seit ich vier Jahre alt war. Fussball war immer ein Teil meines Lebens. Dass ich während der Chemotherapie nicht spielen konnte, war ziemlich hart. Aber dadurch habe ich es umso mehr zu schätzen gelernt. Es war ein sehr schönes Gefühl, endlich wieder auf den Rasen zu gehen, und sei es nur zum Training. Es war, als käme ich nach Hause.

Ich bin noch nicht vollständig genesen und definitiv noch nicht wieder da, wo ich vor der Therapie war. Ich würde sagen, ich bin bei 70 oder 80 Prozent, es liegt also noch ein ziemlicher Weg vor mir. Aber ich trainiere sehr intensiv und sollte vielleicht im Juli wieder bei 100 Prozent sein. Ich bin definitiv auf dem Weg zurück nach oben."

CARSON, CA - FEBRUARY 17: Rebekah Stott #6 of New Zealand looks to the ball during a game between New Zealand and Iceland at Dignity Health Sports Park on February 17, 2022 in Carson, California. (Photo by Brad Smith/ISI Photos/Getty Images)

Die Rückkehr ins Ausland hat hohe Priorität für sie. Ihren englischen WSL-Klub Brighton musste sie nach der Diagnose verlassen. "Mein Ziel ist es, im Juli nach Europa zurückzukehren, und mein Agent kümmert sich gerade darum", sagte die Verteidigerin, die auch schon in Deutschland, Norwegen und den USA gespielt hat.

"Ich freue mich sehr darauf, wieder dabei zu sein und zu dem Leben zurückzukehren, das ich vor der Erkrankung hatte. Und natürlich möchte ich mich für das nächste Jahr so gut wie möglich in Form bringen. Ich glaube nicht, dass es eine bessere Motivation als eine Heim-WM gibt!"

Eine Quelle der Inspiration – heute und in der Zukunft

Stott ist zwar fest entschlossen, das Leben und die erfolgreiche Karriere, die sie vor ihrer Erkrankung hatte, wiederaufzunehmen, aber sie hat nicht vor, ihre Erfahrungen mit dem Krebs vollständig zu verdrängen.

Ihre durchweg positive Einstellung und ihre Bemühungen, Geldmittel zu beschaffen und das Bewusstsein für die Krankheit zu schärfen, haben viele Menschen inspiriert, die ähnliche Schicksalsschläge durchgemacht haben. Sie wurde von deren Geschichten berührt und hat daher nicht die Absicht, sie zurückzulassen.

"Diese Momente, wenn man die Nachrichten anderer Menschen sieht, sind etwas ganz Besonderes", sagt sie. "Ich kann gar nicht in Worte fassen, wie sehr mich das bereichert. Es ist einfach überwältigend.

Es gab durchaus harte Zeiten für mich, und es gibt immer noch harte Zeiten. Wenn ich all das, was ich im letzten Jahr durchgemacht habe, auslöschen könnte, würde ich es wahrscheinlich tun. Aber sobald ich die Diagnose hatte, habe ich versucht, positiv zu bleiben, und ich kann jetzt sagen, dass das alles auch viel Gutes gebracht hat. Ich kann definitiv auch positive Aspekte in all dem finden.

Was ich durchgemacht habe, wird immer ein Teil von mir sein, und ich werde auf jeden Fall versuchen, meine Instagram-Seite weiterzuführen, mit der ich Menschen helfe, die etwas Ähnliches durchmachen. Ich möchte in diesem Bereich aktiv bleiben und helfen, das Bewusstsein zu schärfen, so lange ich kann."

Nächste Woche erfahren Sie etwas über Stotts schönste WM-Erinnerungen sowie ihre Hoffnungen für die FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Australien/Neuseeland 2023