Tagoes Ghana "ist auf dem richtigen Weg"

29. Juni 2021
  • Schweres Los für Ghana auf dem Weg zur FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2023

  • Die Black Queens treffen in der ersten Qualifikationsrunde auf Nigeria

  • "Nigeria ist Afrikameister - es gibt es keinen Platz für Selbstzufriedenheit"


Endlich wieder bei einer FIFA Frauen-Weltmeisterschaft dabei sein. Davon träumen viele, nicht nur in Ghana. Dreimal nahmen die Black Queens bisher an dem globalen Kräftemessen teil, zuletzt 2007 in China VR. Für die Turniere in Deutschland, Kanada und Frankreich konnten sich die Afrikanerinnen hingegen nicht qualifizieren.

Das soll sich nun ändern und Mercy Tagoe das Team zur alten Stärke zurückführen. Kein leichtes Unterfangen, denn in der ersten Qualifikationsrunde für den CAF Afrikanische Nationen-Pokal der Frauen Marokko 2022 wartet mit Nigeria der denkbar schwerste Gegner. "Wir haben immer im Hinterkopf, dass Nigeria der Afrikameister ist und es daher keinen Platz für Selbstzufriedenheit gibt", erzählt Tagoe im Interview mit FIFA.com. "Neben dem technisch-taktischen Aspekt des Trainings gibt es viele psychologische Übungen, die wir machen. Die gleiche Übung habe ich 2018 in der Elfenbeinküste beim WAFU Zone B-Turnier gemacht, und zum ersten Mal hat Ghana Nigeria bei diesem Turnier geschlagen", fügt sie hinzu.

Gutes Omen? Nigeria hat im Gegensatz zu Ghana bisher noch keine Frauen-WM verpasst und geht als klarer Favorit in diese Partien. "Wir haben viel Respekt vor Ghana. Wir wissen um ihre Stärken und Qualitäten. Es ist eine harte Aufgabe und der Druck ist groß", sagte Nigerias Trainer Randy Waldrum nach der Auslosung. Stärken, die derzeit kontinuierlich wachsen und die Black Queens zurück an die Spitze bringen sollen. "Das Niveau der Frauen-Liga ist hoch und beeindruckend. Der Wettbewerb selbst wird immer schärfer, was natürlich dazu beigetragen hat, einige große Talente ans Tageslicht zu bringen. Auch die neuen Termine für die Qualifikationsspiele werden uns helfen, die Mannschaft in allen Aspekten des Spiels sehr gut vorzubereiten. Ich glaube, Ghana ist auf dem richtigen Weg", erklärt die ehemalige Nationalspielerin, die 1999 Teil des Teams war, das bei der Auflage 1999 in den USA ihr Debüt auf der Weltbühne gab.

"Im Moment ist mein Team nicht schlecht, da jede Spielerin in ihren verschiedenen Vereinen an Wettkämpfen teilnimmt. Das einzige Problem ist, dass das Team noch eine Weile zusammen trainieren und eine Reihe von Freundschaftsspielen, sowohl auf lokaler als auch auf internationaler Ebene, bestreiten muss, bevor ich das Team als bereit für ein Wettkampfspiel/einen Wettbewerb betrachten kann."

Fast jede kann den Unterschied ausmachen, weil ich an Teamwork glaube. Aber abgesehen davon, ist die Kapitänin meines Teams eine sehr kühne und dynamische Spielerin, auf die man aufpassen muss.

Mercy Tagoe, Trainerin Ghana

Die ersten Schritte in die richtige Richtung sind also gemacht, und auch in Ghana wächst der Sport stetig. Wichtige Ziele der ghanaischen Frauenfussball-Strategie sind unter anderem die Ausbildung und Entwicklung von Schiedsrichtern, Trainern, Medizinern und Betreuern. Vor ihrer Trainertätigkeit war Tagoe selbst als Schiedsrichterin in der Ghana Premier League tätig, wurde im März 2021 bei den Entertainment Achievement Awards als Sportlerin des Jahres ausgezeichnet. "In der Tat wächst der Frauenfussball sehr schnell, wenn man bedenkt, wie schwierig es in der Vergangenheit aufgrund bestimmter Kulturen, Überzeugungen und Werte war, eine Frau zum Fussballspielen zu bewegen", analysiert die 47-Jährige, die auf Vereinsebene für die Bluna Ladies spielte. "Leider wird in diesem Teil unserer Welt (Afrika) eine Frau als Hausfrau und Versorgerin wahrgenommen, und so ist es der Junge, der zur Schule gehen, sich abrackern, arbeiten und zu Hause über die Runden kommen muss. Deshalb ist es wichtig, den Familien die Idee des Frauenfussballs näher zu bringen und den Spielerinnen Schulen und Karrieren in Europa, Asien und den USA zu sichern. Die Spielerinnen in Bezug auf Bildung aufzuklären, ist wiederum genug für alle Eltern, um ihren Töchtern zu erlauben, jetzt in Afrika Fussball zu spielen. Daher glaube ich, dass die Bewegung perfekt ist und noch verbessert werden könnte, wenn die zuständigen Behörden mehr in den Frauenfussball investieren würden." Auch Tagoe selbst musste zahlreiche Hürden überwinden, um dorthin zu gelangen, wo sie jetzt ist. Sie musste Ehefrau, Hausfrau und Mutter sein, als Offizierin des Ghana National Fire Service mit ihrem Arbeitsplan Schritt halten.

"Nichtsdestotrotz glaube ich an Hingabe, Selbstdisziplin und Ausdauer als Sprungbrett, um seine Ziele zu erreichen. Das war die Grundlage für meinen Erfolg auf diesem Niveau", so die inspirierende Powerfrau.

Jetzt soll in der Erfolgsgeschichte Ghanas ein neues Kapitel eröffnet werden, und Tagoe ist stolz Teil dieser Entwicklung zu sein - auch wenn in ihren Augen noch mehr getan werden muss. "Die erste Aufgabe besteht darin, die Talente zu identifizieren, sie durch einen angemessenen Entwicklungsplan an der Basis zu fördern, sie mit dem erforderlichen Training und Kapazitätsaufbau zu unterstützen und schließlich ihre Fortschritte genau zu beobachten", benennt sie die Schritte und unterstreicht deutlich, dass sie mehr Unterstützung brauchen, um den Fussball zu verbessern.

"Auf administrativer Ebene sollten wir uns um die Weiterbildung aller Beteiligten kümmern (Schiedsrichter, Trainer, Administratoren und Medien), um sie über die modernen Trends in ihren jeweiligen Bereichen aufzuklären. Nicht zuletzt wird die Einführung von mehr Pokalwettbewerben die Spielerinnen das ganze Jahr über aktiv halten, was natürlich die Leistung der verschiedenen Nationalmannschaften verbessern wird."

Und vielleicht zur vierten Teilnahme an einer Frauen-WM führt.