9. Juli 2011: Frankreich schwimmt auf der Erfolgswelle

9. Juli 2021
  • Auf den Tag genau vor zehn Jahren zog Frankreich bei der WM 2011 in Deutschland ins Halbfinale ein

  • Einzige Halbfinalteilnahme bei einer Frauen-WM

  • Camille Abily erinnert sich am Mikrofon von FIFA.com

Wer wie die Französin Camille Abily 183 Spiele im Nationaltrikot bestritten hat, der hat rechnerisch Erinnerungen in Hülle und Fülle. Trotzdem gibt es immer eine, die alle anderen aussticht. Für Abily und viele Fans der Bleues geht diese Erinnerung auf den 9. Juli 2011 in Deutschland zurück. Damals trafen die Tricolores im Viertelfinale der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2011™ in Leverkusen auf England. Die Französinnen hatten dieses Turnierstadium zuvor noch nie erreicht, während die Gegnerinnen bereits bei der vorherigen Auflage in der VR China und auch 1995 in Schweden in die Runde der letzten Acht vorgedrungen waren. Der Einzug ins Halbfinale war jedoch auch ihnen bisher verwehrt geblieben. Und auch dieses Mal sollte daraus nichts werden. Tatsächlich sicherten sich die Französinnen nach einem hart umkämpften und ausgeglichenen Duell gegen die Three Lionesses das begehrte Halbfinalticket. Dabei liefen sie immer wieder einem Rückstand hinterher, auch im Elfmeterschießen, das sie am Ende jedoch für sich entscheiden konnten (1:1; 4:3 i. E.).

Achterbahn der Gefühle

"Ich werde immer wieder nach meiner schönsten Erinnerung mit dem Nationalteam gefragt und meine Antwort ist immer dieselbe: dieses Viertelfinale", erklärt Camille Abily am Mikrofon von FIFA.com. "Zum einen war das ein historischer Erfolg. Nie zuvor hatte Frankreich das Halbfinale des Turniers erreicht. Außerdem war das meine erste Weltmeisterschaft. Das bleibt im Gedächtnis! Und dann war da noch diese Achterbahn der Gefühle, die diese Begegnung noch etwas spannender gemacht hat ..." Frankreich lag ab der 59. Minute nach einem Treffer von Jill Scott, der den Spielverlauf auf den Kopf stellte, mit 0:1 zurück. Die Französinnen machten weiter Druck, doch die Hoffnung auf den Halbfinaleinzug schwand mit jeder verpassten Chance. Zwei Minuten vor Ablauf der regulären Spielzeit wurde dann wieder alles auf Anfang gestellt. Elise Bussaglia kam in 18 Metern Torentfernung an den Ball und zirkelte die Kugel mit einem Linksschuss unter die Latte. "Das hat uns psychologisch Auftrieb gegeben!", erklärt Abily. "Die Engländerinnen hatten lange geführt und einige sahen sich vielleicht schon im Halbfinale. Dank dieses Treffers erzwangen wir die Verlängerung. Das gibt wieder Schwung, auch wenn Spiele mit Verlängerung immer schwierig sind, das geht in die Beine und an die Nerven! "

LEVERKUSEN, GERMANY - JULY 09: Elise Bussaglia of France reacts after scoring a goal against England during the FIFA Women's World Cup 2011 Quarter Final match between England and France at the FIFA Women's World Cup Stadium Leverkusen on July 9, 2011 in Leverkusen, Germany. (Photo by Kevin C. Cox - FIFA/FIFA via Getty Images)

Glück im Unfug

Insbesondere für die Nerven war diese Partie ein Härtetest. Denn am Ende war ein Elfmeterschießen erforderlich, um den Sieger zu ermitteln. Abily, normalerweise eine sichere Elfmeterschützin und während der gesamten Partie hervorragend aufgelegt, schoss den ersten Elfer für Frankreich – und vergab. "Tatsächlich war das ein gutes Omen", so die Bretonin. Jedes Mal, wenn ich einen Elfmeter vergeben habe, haben wir anschließend das Elfmeterschießen gewonnen! Und wenn ich verwandelt habe, gab es am Ende eine Niederlage. Als ich nach dem verschossenen Elfer zu meinen Mitspielerinnen zurückkam, haben sie mich alle beruhigt: 'Mach dir keine Sorgen! Du hast verschossen, aber das ist ein gutes Zeichen!" Abily weiter: "Man kann einem Schützen oder einer Schützin für einen vergebenen Elfer keinen Vorwurf machen. Du musst nämlich erst mal den Mut haben, überhaupt anzutreten! Ich habe Elfmeterschießen erlebt, bei denen gefragt wurde, wer schießen möchte, und keine einzige Spielerin hat die Hand gehoben! Das ist schwierig. Aber natürlich war ich sehr enttäuscht. Du willst deinem Team immer mit einem Tor helfen, und obwohl mich meine Teamkameradinnen beruhigt haben, ist es nie gut, den ersten Elfer zu verschießen! Aber dann ist alles gut ausgegangen. Wir waren stark genug, um [die restlichen Elfmeter] zu verwandeln und weiterzukommen! "

LEVERKUSEN, GERMANY - JULY 09: Goalkeeper Celine Deville of France celebrates with team mates after winning the FIFA Women's World Cup 2011 Quarter Final match between England and France at the FIFA Women's World Cup Stadium Leverkusen on July 9, 2011 in Leverkusen, Germany. (Photo by Lars Baron - FIFA/FIFA via Getty Images)

Sieg gegen England - Reise nach London

Ein Glücksfall kommt selten allein, und wenige Stunden später gab es eine weitere gute Nachricht für die Französinnen, als Deutschland in einem anderen Viertelfinale den Japanerinnen unterlag: "Dieses Ergebnis hat uns das Tor zu den Olympischen Spielen in London geöffnet! Es gab also gleich doppelt Grund zur Freude. Natürlich konnten wir das alles nicht wirklich feiern, weil ja noch ein Halbfinale auf uns wartete, aber ich erinnere mich einen wunderbaren Abend mit den Spielerinnen und Mitarbeitern." Die Französinnen mussten sich anschließend im Halbfinale gegen die USA (1:3) und im Spiel um Platz drei gegen Schweden (1:2) geschlagen geben und zogen bei den folgenden Auflagen der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft™ nie wieder ins Halbfinale ein. "Damals hat man das nicht von uns erwartet, das war vielleicht das Entscheidende. Danach zählte Frankreich in allen Wettbewerben zu den Favoriten. Diesen Status haben wir immer noch und können ihm nur schwer gerecht werden", so Abily. "Aber natürlich gibt es Dinge, die wir bedauern. Die gab es 2011 und mehr noch bei den Olympischen Spielen 2012. Aber es gibt eben auch viele gute Erinnerungen! "

LEVERKUSEN, GERMANY - JULY 09: Camille Abily of France gets the "Player of the Match" award after winning the FIFA Women's World Cup 2011 Quarter Final match between England and France at the FIFA Women's World Cup Stadium Leverkusen on July 9, 2011 in Leverkusen, Germany. (Photo by Lars Baron - FIFA/FIFA via Getty Images)