Bulatovic: "Montenegro hat sich diese drei Punkte redlich verdient"

20. Okt. 2021
  • Montenegro feierte überraschenden Sieg in der WM-Qualifikation

  • Die Mannschaft geht mit Selbstvertrauen in die Partie gegen Aserbaidschan

  • Bulatovic: "Wir kämpfen bis zum Ende"

40 Plätze trennen Montenegro und Bosnien und Herzegowina in der FIFA Frauen-Weltrangliste. Damit schienen die Fronten vor der Begegnung in der Qualifikation für die FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2023™ geklärt zu sein. Aber wie heißt es so schön: Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt. 3:2 setzte sich der Underdog aus Montenegro am Ende durch und sorgte damit für eine faustdicke Überraschung. "Ich bin sehr stolz darauf, zu dieser Generation zu gehören. Wir waren alle sehr glücklich, aber ich kann sagen, dass wir uns auch sehr gut auf dieses Spiel vorbereitet haben. Bosnien ist viel höher eingestuft als wir, hat in der EM-Qualifikation 18 Punkte geholt. Wir respektieren sie, aber es gab keinen Moment, in dem wir Angst vor ihnen gehabt hätten. Das ist das Wichtigste, was wir als Mannschaft haben, dass wir nie Angst haben, auch nicht wenn wir gegen große Nationalmannschaften wie Deutschland oder Spanien spielen", erzählt Sladjana Bulatovic strahlend im Interview mit FIFA.com.

Sladjana Bulatovic fights for the ball with Lina Magull from Germany

"Das Wichtigste ist, dass wir als Team gekämpft haben, jeder für den anderen. Wenige Minuten vor Ende des Spiels haben wir zwei rote Karten bekommen. Aber wir haben es trotzdem geschafft, bis zum Schluss zu kämpfen und das Spiel zu gewinnen. Wir haben uns diese drei Punkte redlich verdient." Ein Sieg, der nicht unbemerkt blieb und eine leichte Euphorie in Montenegro ausgelöst hat. Zahlreiche lokale Medien und nationale TV- und Radio-Stationen berichtetet über diesen Erfolg. "Das hat uns sehr geholfen. Die Leute schauen und hören zu. In den letzten Jahren haben viele Mädchen angefangen, Fussball zu spielen, und es werden immer mehr. Unser Verband hilft und unterstützt uns auf jede erdenkliche Weise. So haben wir zum Beispiel die gleichen Bedingungen wie die Männer-Nationalmannschaft", beschreibt die Spielführerin Montenegros. Mit Aserbaidschan wartet nun der nächste Gegner, der auf dem Papier der vermeintlich stärkere ist – auch wenn die Kontrahenten dieses Mal "nur" 20 Plätze in der Rangliste trennen. Dank des Sieges gegen Bosnien und Herzegowina gehen Bulatovic und ihre Mitspielerinnen voller Selbstvertrauen in diese Begegnung.

"Wir freuen uns auf das Spiel am Donnerstag. Wir haben Respekt vor unserem Gegner, aber wir vertrauen auch auf unsere Arbeit. Unser Stab ist sehr gut darin, uns auf jedes Spiel vorzubereiten. Um ehrlich zu sein, erwarten wir drei Punkte, aber im Fussball sollte man nie etwas erwarten, man sollte nur für das kämpfen, was man will. Am Ende, wenn man es verdient und gut gespielt hat, werden drei Punkte kommen", so die 27-Jährige, die beim spanischen Erstligisten Rayo Vallecano unter Vertrag steht. "Gegen Dänemark... Das wird ein sehr schweres Spiel für uns. Wir haben viele junge Mädchen, und sie sind sehr aufgeregt, gegen eine der besten Mannschaften und besten Spielerinnen Europas zu spielen. Das ist wichtig für sie, denn sie wachsen mit jedem Spiel und sammeln dabei viel Erfahrung - auch wir, die wir seit zehn Jahren für die Nationalmannschaft spielen. Es ist ein schönes Gefühl, gegen diese großen Mannschaften zu spielen. Auch wenn sie besser sind, ist es immer ein Privileg, gegen diese Teams anzutreten. Um ehrlich zu sein, freue ich mich auf dieses Spiel, weil es immer ein gutes Gefühl ist. Aber wir müssen realistisch sein. Wir sind stolz darauf, bei diesen WM-Qualifikationsspielen dabei zu sein und das gleiche Spielfeld und die gleichen Gefühle mit diesen Spielerinnen zu teilen."

Der Umstand, dass Bulatovic in der spanischen Liga aktiv ist, hilft ihr dabei, als Kapitänin das Zepter auf dem Platz zu übernehmen. In jedem Spiel lernt die Stürmerin etwas Neues und versucht ihr Wissen an die nächste Generation weiterzugeben. Auch ihr Trainer Mirko Maric spielt eine große Rolle im Hinblick auf die Entwicklung der Mannschaft.

"Letztes Jahr haben wir 10:0 gegen Deutschland verloren. Ich weiß, viele Leute würden sagen: Das ist eine Schande, und dass wir nicht für den Fussball gemacht sind. Nach dem Spiel kam unser Trainer in die Umkleidekabine und sagte: 'Ich bin sehr stolz auf euch'. Und wir haben gesagt: 'Wie kannst du stolz sein? Wir haben 10:0 verloren'. Dann sagte er: 'Ich bin sehr stolz auf euch, weil ihr vom ersten Tor an bis zum Schlusspfiff gekämpft habt. Mädels, das ist Deutschland. Sie sind eine der besten Mannschaften der Welt.' Die Art und Weise, wie er mit uns spricht, wie er alles für uns tut, ist auch sehr wichtig. Unser Trainerstab ist sehr wichtig für uns. Er und unser Trainerstab haben uns Selbstvertrauen gegeben, und das war auch ein Grund, warum wir dieses erste Spiel gewonnen haben."

Bilder mit freundlicher Unterstützung der Football Association of Montenegro