Kerr gegen Naeher: Rivalität, Reibereien und viel Respekt

26. Juli 2021
  • Sam Kerr und Alyssa Naeher im Gespräch mit FIFA.com

  • Beide sind gut befreundet und haben zusammen bei Chicago Red Stars gespielt

  • Sie sprechen über ihre Eigenheiten und sind dabei voll des Lobes für die ehemalige Mitspielerin

Für Australien und die USA könnte nicht mehr auf dem Spiel stehen und die Aufgabe nicht klarer sein. Ein Sieg in Kashima am Dienstag und der Einzug in die Runde der letzten Acht ist sicher. Eine Niederlage und es droht das Aus beim Olympischen Fussballturnier der Frauen Tokio 2020. Die persönlichen Duelle werden dabei wie so oft über das Gesamtergebnis entscheiden. Wohl keinem kommt dabei eine so große Bedeutung zu wie dem zwischen Sam Kerr und Alyssa Naeher. Das direkte Aufeinandertreffen zwischen der aktuell wahrscheinlich besten Stürmerin und der besten Torhüterin der Welt hätte auch ohne die persönliche Beziehung der beiden genug Brisanz. Tatsache jedoch ist: Kerr und Naeher kennen sich obendrein sehr gut. Beide spielten zwei Jahre lang erfolgreich bei Chicago Red Stars. Kerr pulverisierte in dieser Zeit alle möglichen NWSL-Rekorde und Naeher etablierte sich als Nummer 1 des U.S.-Frauen-Nationalteams. Geblieben ist aus dieser Zeit nicht nur der jeweilige persönliche Karriereschub, sondern auch jede Menge gegenseitiger Respekt. "Für mich ist sie die wahrscheinlich beste Torhüterin der Welt", sagt etwa Kerr über Naeher bei FIFA.com. "Aber sie ist nicht nur eine fantastische Spielerin, sondern ein noch besserer Mensch. Ich habe Alyssa schon eine Weile nicht mehr gesehen und freue mich auf sie. Trotzdem hoffe ich, dass sie nach dem Spiel nicht allzu glücklich ist."

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Naehers Laune wird maßgeblich davon abhängen, ob sie Tore ihrer Freundin verhindern kann oder nicht. Das wiederum, gibt sie freimütig zu, ist leichter gesagt als getan. "Sam ist ohne Frage eine phänomenale Spielerin", erklärt Naeher nämlich nachdrücklich. "Eine Klasse Stürmerin und ein Klasse Mensch – ein guter Mensch. Ich habe sehr großen Respekt vor ihr. Denn unabhängig von unserer Freundschaft gehört sie zu den Besten der Welt – und das schon seit Jahren konstant. Das Duell gegen sie wird eine große Herausforderung. Wir dürfen sie keine Sekunde aus den Augen lassen, denn sie ist dynamisch, hat ein gutes Kopfballspiel, läuft sich immer gut frei, kann aus jeder Situation ein Tor machen. Als Defensive insgesamt dürfen wir keine Sekunde abschalten. Gelingt uns das nicht, tut sie uns weh."

Davon kann Naeher getrost ausgehen. Sie ist indes nicht der einzige amerikanische Star, der Kerr in Chicago auf ein höheres Niveau verholfen hat. Auch Julie Ertz gehörte zu den Teamkameradinnen der Australierin bei den Red Stars. Wie wichtig die von der Verteidigerin zur Mittelfeldspielerin umfunktionierte Ertz für die USA ist, zeigt sich seit ihrer Rückkehr in den Kader des Weltmeisters. "Wie wichtig sie für uns ist, sieht man, wenn sie mal nicht dabei ist", erläuterte Naeher nach dem deutlichen 6:1 gegen Neuseeland am Samstag. "Es ist toll, dass sie wieder zurück ist, und dass sie 90 Minuten durchgehalten hat, gibt uns einen Schub." In die gleiche Kerbe schlägt Kerr, wenn sie sagt: "Julie gehört zu den härtesten und besten Spielerinnen. Ich spiele definitiv lieber mit ihr als gegen sie. Da gibt es unter Fussballerinnen eigentlich auch keine zwei Meinungen. Sie ist phänomenal." Vor dem großen Red-Stars-Wiedersehen lässt sich das allerdings über alle drei der Freundinnen sagen. Die offene Frage lautet: Wer kann am Ende in Kashima jubeln?