Bronze will Gold

27. Juli 2021
  • Gegen Kanada holte Großbritannien einen Punkt (1:1)

  • Damit beendet die Mannschaft die Gruppe E als Tabellenführer

  • Die bei diesen Olympischen Spielen überragende Lucy Bronze will die Goldmedaille

Nach ihrer Auszeichnung als The Best - FIFA-Weltfussballerin hatte Lucy Bronze ihre nächsten Ziele sehr klar formuliert: mit Manchester City die UEFA Champions League gewinnen und mit Großbritannien am Olympischen Fussballturnier der Frauen teilnehmen. "Ich bin noch nie bei den Olympischen Spielen gewesen. Ich wäre liebend gern dabei und würde die Goldmedaille gewinnen", erklärte sie bereits im Vorfeld auf der Homepage ihres Vereins. Bronzes erster großer Traum zerschellte bereits im Viertelfinale am künftigen Champions-League-Sieger Barcelona. Der zweite indes könnte sich noch erfüllen. Seit dem heutigen Dienstag steht fest, dass Team GB als Gruppenerster die Vorrunde überstanden hat. Dazu genügte ein 1:1 gegen Kanada. Kaum Gegentore Dabei hatten die Britinnen bis kurz vor Schluss mit 0:1 zurückgelegen und drohten die Tabellenführung an Gegner Kanada zu verlieren. Doch fünf Minuten vor dem Ende fasste sich Caroline Weir ein Herz. Prompt wurde ihr Fernschuss von Nichelle Prince ins eigene Tor abgefälscht. Nach dem Spiel atmete Bronze am Mikrofon von FIFA.com erst einmal durch. "Wir sind sehr erleichtert. Dieses Spiel zu verlieren, hätten wir nicht verdient gehabt. Da sind wir uns alle einig, und als der Ball dann endlich im Netz war, waren wir nur noch erleichtert. Wir wollten Gruppenerster werden. Das haben wir geschafft." Das Tor der Kanadierinnen trübt dennoch die bis dahin makellose Bilanz der Mannschaft mit den clean sheets, wie sie auf der Insel zu einer "weißen Weste" sagen. "Wir hatten uns natürlich vorgenommen, wieder ohne Gegentor zu bleiben, aber gegen die besten Mannschaften der Welt kannst du deinen Kasten nicht immer sauber halten", sagt Bronze. "Jetzt wissen wir immerhin, dass wir auch mit einem Rückstand umgehen können. Insofern war auch das Gegentor für etwas gut."

Die Führung der Kanadierinnen resultierte aus einem fulminanten Sturmlauf von Ashley Lawrence über die rechte britische Seite, die just Bronzes Aufgabenbereich ist. Die Außenverteidigerin aber konnte die Flanke nicht verhindern und so segelte der Ball zunächst an Freund und Feind vorbei quer durch den Strafraum, ehe Adriana Leon das Geschenk dankend annahm (55.). "Klare Sache: der geht auf mich", räumt Bronze lächelnd ein. "Als Abwehrspielerin will ich immer zu null spielen. Wir haben gerade an unserem Abwehrverhalten im Strafraum eigentlich viel gearbeitet. Umso ärgerlicher finde ich es, dass uns dieser Ball durchgerutscht ist." Drei Vorlagen Insgesamt kann sich die Vorrundenbilanz der Citizens-Spielerin jedoch sehen lassen. In den ersten beiden Gruppenspielen bereitete sie gleich drei Tore vor. Abnehmerin war jeweils Ellen White. "Wenn man mir den Platz lässt, nutze ich jede Gelegenheit, um mit nach vorn zu gehen. Das wird auch von mir erwartet", so Bronze. In den ersten beiden Begegnungen hat das gut gepasst. Aber ich bin in erster Linie Verteidigerin und muss Tore verhindern. Wenn mir das gelingt, fühle ich mich besser, als wenn ich Tore vorbereite." Stolz können Bronze und Co. auch darauf sein, dass sie bislang nicht eine einzige Verwarnung kassiert haben. "Das bedeutet, dass wir immer gut gestaffelt sind, uns nicht überrumpeln lassen, keine dummen Stellungsfehler machen und es jeder Gegner schwer hat, Lücken zu reißen", findet Bronze. "Das war von Anfang an unser Ziel: Sicher stehen, nichts zulassen, diszipliniert auftreten. Bis jetzt haben wir das in all unseren Spielen erreicht." Nachdem später am Abend auch die letzten Partien des Tages zu Ende gegangen waren, standen auch die Duelle der K.o.-Phase fest. Die Britinnen treffen auf Australien, das sich als einer der besten Gruppendritten qualifizieren konnte. Aber noch bevor Bronze das wusste, zeigte sie sich überzeugt von den Qualitäten und dem Erfolgshunger ihrer Auswahl. "Diese Mannschaft hat viele Stärken. So haben wir bis jetzt bis auf mich und die Torhüterin in jedem Spiel die Anfangsformation gewechselt, ohne dass es sich irgendwie negativ ausgewirkt hätte, weder in der Abwehr, noch im Mittelfeld noch im Angriff. Wir haben so viel Qualität in der Mannschaft, können auch von der Bank jederzeit nachlegen. Ich halte diese Mannschaft für besser als die letzte Olympia-Auswahl."