Ikeda hofft auf unvergessliches Geburtstagsgeschenk

5. Sept. 2012

Im Halbfinale der FIFA U‑20‑Frauen-Weltmeisterschaft Japan 2012 fanden die Gastgeberinnen kein Mittel gegen die Anfangsoffensive der Deutschen, die nach 20 Minuten bereits mit 3:0 in Führung lagen. Die Japanerinnen kämpften sich zwar ins Spiel zurück und ließen danach keine weiteren Gegentore zu, doch es gelang ihnen nicht, die gegnerische Abwehr zu knacken.

"Wir konnten einfach nicht unser übliches Spiel aufziehen", so die japanische Torhüterin Sakiko Ikeda in einem Exklusivinterview mit FIFA.com. "Das ist der enttäuschendste Aspekt. In der zweiten Halbzeit habe ich versucht, mehr herauszulaufen und gegnerische Flanken abzufangen. Wenn ich das in der ersten Halbzeit gemacht hätte, dann hätte ich vielleicht das dritte Tor der Deutschen verhindern können", das nach einer Ecke fiel. "Wenn wir etwas geordneter gespielt hätten, dann hätten wir vielleicht auch die anderen Tore nicht kassiert. Die Niederlage ist einfach sehr enttäuschend. Die Verständigung zwischen mir und meinen Verteidigerinnen hat zu Beginn nicht gut funktioniert, das hat zum ersten Tor geführt."

Nach den Fehlern in der Eröffnungsphase mussten sich die Japanerinnen erst wieder fangen, doch nach und nach eroberten sie sich immer größere Spielanteile. Dabei war allerdings kaum etwas von der flüssigen und mitreißenden Spielweise zu sehen, dank derer sie bis dahin zu den Titelfavoriten gehört hatten. Ikeda ist überzeugt, dass das schnelle und druckvolle Spiel nach vorn in der Partie gegen Nigeria, das im anderen Halbfinale mit 0:2 gegen die USA verloren hatte, der wichtigste Erfolgsfaktor wird.

Ein Grund zum Feiern "Wir wussten durchaus, dass die Deutschen sehr schnell spielen können. Vielleicht hätten wir uns darauf noch etwas besser vorbereiten müssen. Sie haben ihre Stärken optimal genutzt, und wir haben einfach nicht zu unserem Spielrhythmus gefunden. Selbst wenn wir in der Abwehr in Ballbesitz gekommen sind, haben wir ihn uns erst einmal zugeschoben, statt uns gleich auf den Weg nach vorn zu machen. Und wenn wir dann nach vorn vorgestoßen sind, haben wir es nicht oft geschafft, den Ball in aussichtsreiche Positionen zu bringen. Diesen Aspekt unseres Spiels müssen wir noch verbessern", so Ikeda, die in der japanischen Frauenliga für die Urawa Reds Ladies spielt.

Der Samstag ist für die Torhüterin aus einem weiteren Grund ein ganz besonderer Tag. Sie feiert nämlich ihren 20. Geburtstag und gilt dann in Japan als volljährig. Als wir darauf zu sprechen kommen, huscht ein Lächeln über das Gesicht der Torhüterin. Zum ersten Mal fällt ein offizielles Spiel genau auf ihren Geburtstag und natürlich hofft sie, dass dabei das ganze Team einen Grund zum Feiern haben wird.

"Ich hoffe, dass wir dieses Turnier mit einer guten Leistung und einem guten Resultat abschließen", so die Nummer eins.

Eine kritische Selbstanalyse Natürlich wissen auch die Teamkameradinnen um die Bedeutung dieses Tages für Ikeda. "Die Mannschaft macht ziemlich viel Wirbel um Geburtstage", kicherte denn auch Spielführerin Nozomi Fujita gegenüber FIFA.com. "Sakiko hat im Tor einen tollen Job gemacht und einige fantastische Paraden gezeigt. Ich hoffe, dass wir ohne Gegentor bleiben und ihren Geburtstag mit einem Sieg feiern können."

Fujita weiß, dass ihre Mannschaft wieder eine bessere Leistung zeigen muss, um einen Sieg gegen die Nigerianerinnen einfahren zu können. "Ich hatte eigentlich das zentrale Mittelfeld unter Kontrolle halten wollen, doch genau aus diesem Teil des Spielfelds haben die Deutschen zahlreiche Angriffe gestartet. Wir waren im Angriff und auch in der Verteidigung viel zu leicht auszurechnen. Außerdem müssen wir uns im Spiel besser an die konkrete Situation anpassen. Unsere Abwehr und die Torhüterin haben gut gespielt aber wir hätten mehr Kontrolle über das Spiel haben können, wenn wir im Mittelfeld die Räume enger gemacht hätten", so Fujita.

Die Selbstanalyse der Japanerinnen seit der Niederlage am Dienstag fiel sehr kritisch aus, doch Ikeda ist trotzdem stolz auf das Abschneiden des Teams in Japan und fest entschlossen, sich mit einem Paukenschlag von den einheimischen Fans zu verabschieden.

"Ich denke, dass ich in den fünf bisherigen Spielen recht gut gespielt habe", so Ikeda. "Wir haben uns als Mannschaft verbessert und ich persönlich habe eine Menge gelernt. Im Spiel um Platz drei will ich noch einmal zeigen, was ich kann."

Bei den Young Nadeshiko hofft man jedenfalls, dass Ikeda ein Geburtstagsgeschenk bekommt, das sie so schnell nicht vergessen wird.