Favorisierte Gastgeber

Im Unterschied zu Aserbaidschan, das erstmals Schauplatz einer FIFA-Endrunde ist, bringt Japan diesbezüglich bereits mehr Erfahrung mit. Eingerahmt von den FIFA Klub-Weltmeisterschaften im Dezember 2011 und Dezember 2012, wird die FIFA U-20-Frauen-Weltmeisterschaft vom19. August bis zum 8. September dieses Jahres das zweite von drei FIFA-Turnieren sein, die das ostasiatische Land innerhalb von nur zwölf Monaten ausrichtet.

Bei Barcelonas Triumph in Yokohama Ende letzten Jahres stellten die Japaner ihre organisatorischen Fähigkeiten eindrucksvoll unter Beweis, und nach der perfekt inszenierten Auslosung im Juni zu urteilen, dürfen sich auch die U-20-Juniorinnen auf einen reibungslosen Ablauf ihrer Spiele freuen.

Für den Gastgeber kommt das Turnier zu einem besonderen Zeitpunkt, konnten doch die Japanerinnen vor einem Jahr in Deutschland Fans und Experten mit ihrer eleganten und attraktiven Spielweise begeistern und ihren ersten Titelgewinn bei einer FIFA Frauen-Weltmeisterschaft™ feiern. Nur wenige Monate nach der verheerenden Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe in ihrem Heimatland war der Sieg der Nadeshiko ein kleines Wunder, das einer ganzen Nation neue Kraft und Moral verlieh.

"Mut und Energie" für die Erdbebenopfer Des schrecklichen Leids, das Japan widerfahren ist, werden sich auch die Teilnehmerinnen der bevorstehenden U-20-WM bewusst sein, zumal fünf der Gruppenspiele im wieder instandgesetzten Miyagi-Stadion unweit des Epizentrums des Erdbebens stattfinden werden. Bei der Auslosung in Tokio erklärte A-Nationalspielerin Azusa Iwashimizu, die selbst aus der betroffenen Region stammt, sie hoffe, dass das Turnier den Menschen in den verwüsteten Gebieten "Mut und Energie" schenken werde.

Die Auslosung ergab viele reizvolle Begegnungen, insbesondere in der GruppeD mit der VR China und Ghana sowie den beiden Topteams aus den USA und Deutschland, die zusammen vier der fünf bisherigen Austragungen gewonnen haben. Während Deutschland nur zu gerne die vor zwei Jahren im eigenen Land errungene Krone verteidigen würde, zählen die USA erfahrungsgemäß bei jedem internationalen Turnier im Frauenfussball zum engeren Favoritenkreis und hätten sicherlich auch nichts gegen einen weiteren Titel einzuwenden.

Die jungen Amerikanerinnen haben zudem noch etwas gutzumachen: Etwa die Hälfte von ihnen gehörte nämlich der U-17-Auswahl an, die vor zwei Jahren als erstes und bislang einziges U.S.-Frauenteam die Endrunde einer FIFA-Weltmeisterschaft verpasste. Mit einem beeindruckenden Torverhältnis von 38:0 nach den ersten Spielen waren die U.S.-Girls zwar ausgezeichnet in die Qualifikation gestartet, verloren dann aber die alles entscheidende Partie gegen Kanada im Elfmeterschießen.

Japans Nachwuchs im Fokus Speziell im Fokus werden bei ihrer Heim-WM natürlich die japanischen Juniorinnen stehen, die unbedingt an den großartigen Erfolg ihrer älteren Kolleginnen anknüpfen wollen. Über das nötige Selbstvertrauen sollte das Team spätestens seit letztem Oktober verfügen, als es beim asiatischen Qualifikationsturnier in Vietnam mit vier Siegen und einem Unentschieden in seinen fünf Spielen eine äußerst überzeugende Vorstellung bot. "Wir haben viele technisch versierte Spielerinnen und glauben an unsere Qualitäten im Offensiv- und Passspiel", sagt denn auch Mittelfeldspielerin Ayu Nakada. "Wir wollen unsere Stärken optimal ausspielen und werden bis zuletzt um jeden Ball kämpfen."

Die Chancen, dass das Heimteam bis ins Finale am 8. September vorstößt, stehen gut – ebenso wie die Aussichten, dass sowohl das Turnier in Japan als auch das in Aserbaidschan wenige Wochen danach erfolgreich über die Bühne gehen und den Fans des Frauenfussballs beste Unterhaltung bieten werden.