Benkarth: "Wir wissen, was uns erwartet"

29. Aug. 2012

"Die Null muss stehen", verkündete einst ein erfolgreicher Trainer auf die Frage nach seiner Spielphilosophie. Ziel muss demnach sein, so wenig Gegentore wie möglich zu kassieren. In diesem Falle wäre Deutschlands Schlussfrau Laura Benkarth bei der FIFA U-20-Frauen-Weltmeisterschaft Japan 2012 ganz nach seinem Geschmack.

Die 19-Jährige hielt in den drei Gruppenspielen ihren Gehäuse sauber, was bislang in der Turniergeschichte lediglich die Brasilianerin Barbara sowie Jon Myong Hui (Korea DVR) 2006 geschafft haben. Das Lob gibt die sympathische Deutsche im Gespräch mit FIFA.com aber direkt weiter. "Ich bin natürlich sehr zufrieden, wie es bisher gelaufen ist. Aber das ist nicht nur mein Verdienst, sondern der des ganzen Teams. Wir arbeiten in allen Mannschaftsteilen gut nach hinten und lassen wenig zu."

Gerade einmal 20 Bälle flogen in den Duellen gegen China VR, Ghana und USA Richtung Benkarth, was tatsächlich für eine erstklassige Defensivarbeit spricht. Langweilig werde ihr aber nie, es mache hingegen einfach Riesenspaß. Schließlich müsse man als Torhüterin nicht nur Schüsse abwehren, sondern auch Bälle ablaufen und mitspielen. Deutschlands Nationaltorhüter Manuel Neuer sei daher auch ihr Vorbild, weil er genau diese Dinge perfekt beherrsche.

Ein altbekannter Gegner

"Ich bin vor dem Anpfiff aufgeregter, als im Spiel selbst. Zur Zeit läuft es einfach gut für mich. Das wäre sicherlich anders, wenn ich schon zwei, drei Unsicherheiten in der Gruppenphase gezeigt hätte."

Nun wartet im Viertelfinale am Freitag, 31. August, in Saitama ein Gegner, dem man in den letzten Monaten nicht nur einmal begegnet ist: Norwegen. Zwei Siege beim europäischen Qualifikationsturnier (3:1; 8:1) im vergangenen Jahr, dazu ein 1:1-Unentschieden im Februar sowie ein 5:0-Kantersieg vor rund sechs Wochen stehen für den DFB-Nachwuchs zu Buche. "Das letzte Spiel sollten wir schnell vergessen, denn die Norweger haben an sich gearbeitet. Aber es ist ein Vorteil, dass man den Gegner gut kennt. So wissen wir, was uns erwartet."

Dazu könnte man mit einem Erfolg gegen die Skandinavierinnen mit dem elften Sieg in Folge bei dieser Turnierserie einen neuen Rekord aufstellen. Und Benkarth war bis auf einen bei all diesen Erfolgen mit dabei. Denn bereits bei der letzten U-20-Frauen-WM vor zwei Jahren gehörte sie zum Kader und feierte vor heimischen Publikum den Titelgewinn.

Mehrere Ziele im Visier

"Das war einzigartig und ein tolles Erlebins, vor allem weil so viele Zuschauer da waren. Das vergisst man nie." Gemeinsam mit Teamkollegin Dzsenifer Marozsan könnte sie als erste Spielerin gleich zweimal den WM-Pokal in dieser Alterskategorie in die Höhe strecken. Dazu wartet noch der adidas Goldene Handschuh für die beste Torhüterin des Turniers - für die Breisgauerin zweifelsohne lohnenswertes Ziele, die aber noch in weiter Ferne sind.

"Alles schön und gut, aber wir dürfen uns davon nicht ablenken lassen. Jetzt zählt nur das Spiel gegen Norwegen. Es ist normal, dass wir als deutsche Mannschaft häufig in die Favoritenrolle gesteckt werden, aber das nehmen wir gerne an."

Übrigens: 2006 endeten die Zu-Null-Serien von Brasilien und Korea DVR bereits im Viertelfinale, als sich beide Teams mit 2:1 gegen Nigeria bzw. Frankreich durchsetzten. Am Ende aber stand für die Nordkoreanerinnen der Titelgewinn, für die Seleção Rang drei - ein Ergebnis mit dem wohl auch die deutsche Schlussfrau trotz künftiger Gegentore leben könnte.