Stolz und Ambitionen bei Venezuela

Debüt, Sieg und Doppelpack - mehr kann man eigentlich nicht verlangen. So lässt sich das erste Spiel der venezolanischen Angreiferin Ysaura Viso bei der FIFA U-17-Frauenweltmeisterschaft Trinidad und Tobago 2010 zusammenfassen. Das Team Venezuelas musste hart kämpfen, um bei seinem Debüt Geschichte zu schreiben.

Nach zehn Minuten war Neuseeland bereits in Führung gegangen und hatte damit das taktische Konzept der Südamerikanerinnen komplett über den Haufen geworfen. Diese steckten jedoch nicht auf und kämpften weiter um jeden Ball, angefeuert von einem kleinen, aber lautstarken Grüppchen venezolanischer Fans, die für Farbe und Stimmung auf der Tribüne des Ato-Boldon-Stadions in Couva sorgten.

"In der Umkleidekabine gab es nach dem Spiel natürlich großen Jubel und sogar Freudentränen. Wir waren körperlich völlig ausgelaugt, aber glücklich. Was uns besonders gefreut und bewegt hat, waren die vielen Fans im Stadion, die uns unterstützt haben. Das hat uns Kraft gegeben, um auf dem Platz weiter zu kämpfen und den Sieg zu holen. Es war wirklich historisch", erklärte die erfolgreiche Torschützin Viso gegenüber FIFA.com. Sie hatte mit einem schönen Diagonalschuss den Ausgleich erzielt und beim Siegtreffer den Ball am gegnerischen Strafraum erobert.

"Viso ist die Zukunft des venezolanischen Fussballs. Sie ist ein Vorbild für viele Mädchen im Land, die auch gerne Fussball spielen", sagte Kenneth Zseremeta, der aus Panama stammende Trainer Venezuelas, nach der Partie.

"Ich bin sehr glücklich, dass ich dazu beitragen konnte, drei Punkte für mein Land zu holen. Ich bin sehr stolz auf die Leistung des gesamten Teams, meiner Mitspielerinnen und des Trainerstabs. Ich weiß, dass wir für Venezuela Geschichte geschrieben haben", so die noch sichtlich aufgewühlte Spielerin. "Wir werden noch weitere Siege holen. Ich hoffe, dass der Trainer mich auch in den nächsten Spielen einsetzt, denn ich will noch mehr Tore schießen", fügte sie voller Ehrgeiz hinzu.

Lehrzeit und Ziele Ysaura Viso von Estudiantes de Guaricó spielte zunächst bei einer Männermannschaft in Santa María de Ipire. Sehr bald schloss sie sich aber einem Hallenfussball-Team an, was ihr half, ihre Technik weiter zu verbessern. "Damals wusste ich noch gar nicht, dass es auch Frauenfussballmannschaften gab", erzählt die eher schüchterne Angreiferin. Den Auswahltrainern ihres Landes war sie bald aufgefallen und so dauerte es nicht lange, bis sie ihr Länderspieldebüt feierte. Der Sprung vom Futsal auf das Großfeld fiel ihr jedoch keineswegs leicht, schließlich musste man größere Strecken laufen und körperlich stärker sein. Doch Viso stellte sich rasch um.

"Ich muss noch vieles verbessern. Ich muss lernen, mir mehr Zeit am Ball zu lassen, um den richtigen Pass zu spielen. Die Partie gegen Neuseeland war sehr schnell und es gelang mir oft nicht, den Ball zu halten", räumt die Bewunderin des Brasilianers Robinho ein.

"Bei dieser Weltmeisterschaft dabei zu sein, ist eine großartige Erfahrung. Wir lernen hier alle sehr viel. Das Zusammenleben mit meinen Mannschaftskameradinnen könnte auch nicht besser sein", erklärt Viso. "Jetzt, wo wir trotz aller Nervosität einen gelungen Auftakt hingelegt haben, können wir noch weit kommen. Wir haben uns fest vorgenommen, die zweite Runde zu erreichen. Dann wird eine ganz andere Einstellung vorherrschen", erklärt sie zum Abschluss. Die Abwehrspielerinnen Japans und Spaniens, der nächsten Gegner in Gruppe C, sollten auf der Hut sein.