FIFA U-17-Frauen-Weltmeisterschaft Jordanien 2016™
30. September - 21. Oktober

FIFA U-17-Frauen-Weltmeisterschaft Jordanien 2016™

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Asien triumphiert bei historischem Turnier im Nahen Osten

Das Fazit der FIFA U-17-Frauen-Weltmeisterschaft Jordanien 2016 lautet: Die richtige Mischung aus Vertrautem und Neuem, Vorhersehbarem und Historischem führte zum Erfolg.

Das erste große Frauenfussball-Turnier im Nahen Osten ebnete in vielerlei Hinsicht Neuem den Weg, auch wenn am Ende auf dem Podium alles beim Alten blieb. Den Sieger ermittelten Japan und DVR Korea in einem rein asiatischen Endspiel. Damit kam bis auf eine Ausnahme bislang jeder Sieger des Turniers von diesem Kontinent.

Selbst Spanien und Venezuela, die beide zum zweiten Mal in Folge die Vorschlussrunde erreichten, konnten da nicht mithalten. Sie verloren ihre Halbfinalbegegnungen jeweils deutlich mit drei Toren Unterschied. Die USA, Deutschland und Kanada – im Seniorenbereich feste Größen im Frauenfussball – wussten ebenfalls nicht zu überzeugen. Die Nordamerikanerinnen kamen nicht einmal über die Vorrunde hinaus. Noch schlechter erging es Afrikameister Nigeria, dem nicht ein einziges Tor gelang. Auch der Fluch der Gastgeberinnen konnte nicht gebrochen werden. Jordanien war die fünfte Mannschaft im fünften Turnier, die schon in der Gruppenphase scheiterte – und die dritte in Folge, die dabei alle drei Partien verlor.

Stars und Geniestreiche Alles in allem war es zwar die FIFA U-17-Frauen-Weltmeisterschaft mit den wenigsten Treffern, doch allein das torlose, aber dennoch hochklassige Endspiel bewies, dass die Qualität höher war als je zuvor. Den vielleicht größten Anteil daran hatten Japan und Nordkorea. Am Ende gewannen die Spielerinnen aus der Demokratischen Volksrepublik dank der besseren Nerven in einem fast fehlerfreien Elfmeterschießen, aber auch Japan wäre ein würdiger Titelträger gewesen.

Das räumte auch der Trainer der DVR Korea ein, nachdem seine Nachwuchs-Chollima nach 2008 zum zweiten Mal Weltmeister geworden war. Dieses Kunststück hat bisher noch keine Mannschaft vollbracht. "Japan ist technisch stärker als wir, das gebe ich gern zu, und Japan hat auch einige Großchancen vergeben", bilanzierte Sin Jong Bok, lobte aber zugleich die "mentale Stärke" seiner Mannschaft.

Damit brachte er das Geschehen auf den Punkt. Da passte es auch ins Bild, dass Sin zusammen mit seinen Spielerinnen spontan ein Ehrenspalier bildete und den unglücklich unterlegenen Japanerinnen Beifall spendete. Es war eine für den in Jordanien praktizierten Sportsgeist typische Geste und die verdiente Anerkennung für einen Gegner, der in dieser Altersklasse in vielerlei Hinsicht weiterhin Maßstäbe setzt.

Der flotte, ballsichere Kombinationsfussball von Japans kleiner Nadeshiko blieb denn auch nicht völlig ohne Auszeichnung. Spielmacherin und Kapitänin Fuka Nagano – beim Titelgewinn 2014 noch die Jüngste im Kader – wurde zur besten Spielerin von Jordanien 2016 gewählt. Die Gewinnerin des adidas Goldenen Balls war dabei jedoch nur eine von vielen, die ihre persönliche Erfolgsgeschichte schrieb. Auch Spielerinnen wie Ri Hae-Yon, Riko Ueki, Laia Aleixandri, Giulia Gwinn, Sung Hyang-Sim, Jacqueline Ovalle und Sandra Owusu-Ansah traten nachhaltig ins Rampenlicht.

Und dann gab es noch Deyna Castellanos. Venezuelas Nummer neun hatte vor allem im späteren Turnierverlauf mit lästigen kleinen Verletzungen zu kämpfen und wurde besonders eng bewacht. Auch deshalb landete sie bei keiner der Auszeichnungen ganz vorn. Trotzdem zeichnete Castellanos für einige denkwürdige Momente verantwortlich. Gegen Kamerun zum Beispiel wagte sie kurz vor Schluss einen Schuss von der Mittellinie und wurde mit dem Siegtreffer belohnt. Gegen Kanada zog sie gekonnt und unhaltbar aus der Drehung ab und bescherte der Vinotinto erneut drei Punkte. Nach dem Gewinn des Goldenen Schuhs vor zwei Jahren in Costa Rica festigte Castellanos – immer noch erst 17 Jahre alt – ihren Ruf als kommender Superstar.

Ein bleibendes Vermächtnis Die nächste Generation herausragender Fussballerinnen zu fördern, mag in der Regel zentrales Anliegen des Turniers sein, Jordanien 2016 hatte jedoch noch weitere und größere Ziele. Niemand formulierte diese so treffend wie Königin Rania von Jordanien. Noch vor Beginn des Turniers erklärte sie, sie sei überzeugt, Fussball könne helfen "Einstellung und Wahrnehmung von Mädchen und jungen Frauen in der Gesellschaft zu verändern". Noch weiter ging Samar Nassar, die Vorsitzende des zu drei Vierteln aus Frauen bestehenden Lokalen Organisationskomitees: "Wenn die Spielerinnen auf den Platz gehen, dann jagen sie nicht allein für sich oder ihre Länder dem Ball nach, sondern sie spielen für alle Mädchen auf dieser Welt. Es geht auch darum, Frauen zu stärken und sich für die Gleichberechtigung der Geschlechter einzusetzen."

Der Wunsch der FIFA, die U-17-Frauen-Weltmeisterschaft ausgerechnet in Jordanien auszutragen, war maßgeblich getragen von dem Bestreben, sich genau dafür stark zu machen und der Region ein bleibendes Vermächtnis zu hinterlassen. Dies wurde das gesamte Turnier über immer wieder deutlich. In einer ganzen Reihe von Kursen, Seminaren und anderen Veranstaltungen wurden Fussballerinnen, Trainerinnen und Schiedsrichterinnen gefördert und ermutigt. Unterstützung erfuhren auch die Kinder in Jordaniens Flüchtlingslagern. Nicht weniger als 300 von ihnen wohnten dem Eröffnungsspiel der Gastgeberinnen im Stadion bei. Ein Mädchen namens Laila nahm aus diesem Erlebnis mit, eines Tages selbst Fussballerin werden und ihr Land als Kapitänin aufs Feld führen zu wollen.

Die Zeit wird zeigen, ob ihr das gelingt. Doch allein die Tatsache, dass in einem Flüchtlingsmädchen aus dem Nahen Osten solche Träume geweckt werden konnten, legt nahe, dass Jordanien 2016 nicht nur aufregend war, sondern auch inspirierend.

SPIELE

Turniernachrichten

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