Zwei Trainer, zwei Meinungen - ein Ziel

Im Finale der FIFA U-17-Frauen-Weltmeisterschaft Costa Rica 2014 treffen mit Japan und Spanien die beiden wohl taktisch stärksten Teams aus dem Teilnehmerfeld aufeinander. Verantwortlich für diese Leistung sind neben den Spielerinnen natürlich die Trainer.

Während Japans Asako Takemoto Takakura erstmals bei einem Weltturnier an der Seitenlinie steht, ist es für Spaniens Jorge Vilda bereits die zweite U-17-Frauen-Weltmeisterschaft. 2010 in Trinidad und Tobago führte er die Spanierinnen auf Platz drei.

Im Gespräch mit FIFA.com sprachen die beiden Coaches über Ihre Spielphilosophie, die Stärken des Gegners und was sie aus dem ersten Aufeinandertreffen beim Auftaktspiel der Gruppe C - Japan gewann 2:0 - gelernt haben.

Worin liegen die Besonderheiten in der Arbeit mit Mädchen der U-17-Altersklasse? Asako Takemoto Takakura (Trainerin, Japan): Das Schwierigste für mich ist deren Verständnis für Fussball. In diesem Alter kennen sie das Spiel noch nicht so gut, also ist es nicht leicht, während eines Spiels die richtigen Entscheidungen zu treffen und je nach Situation abzuwägen. Zuerst musste ich ihnen die Grundlagen des Spielverständnisses beibringen. Schön ist aber, dass sie unvoreingenommen sind und sehr schnell lernen.

Jorge Vilda (Trainer. Spanien): Die Mädchen sind sehr dankbar. Sie schätzen jede Kleinigkeit, die man für sie macht. Sie sind sehr diszipliniert und halten sich genau an alle Regeln. Mit Jungs in diesem Alter ist das etwas schwerer, die sind oft nicht so geordnet. Die Mädchen spielen Fussball, weil sie diesen Sport wirklich lieben.

Was ist Ihre Spielphilosophie? Welche Taktik bevorzugen Sie? Takakura: Mir ist es sehr wichtig, dass die Abstände zwischen den Spielerinnen stimmen, vor allem zwischen Abwehr und Offensive. Ich erkläre ihnen immer wieder, wie wichtig es ist, sich je nach Situation zu positionieren.

Vilda: In der Defensive wollen wir den Ball so schnell wie möglich erobern. Wenn wir dann in Ballbesitz sind, wollen wir das Spiel mittels Kombinationen breit machen. Wir können mehrere Systeme spielen. Derzeit ist es ein 4-3-3, aber auch ein 4-2-3-1 ist kein Problem.

Worin liegen für Sie die Stärken der gegnerischen Mannschaft und wen würden Sie als Schlüsselspieler bezeichnen? Takakura: Ich glaube, Spaniens Art, Fussball zu spielen, ähnelt sehr der A-Nationalmannschaft der Männer. Individuell sind sie alle sowohl taktisch als auch technisch sehr gut. Jede Spielerin hat während dem Spiel einen klaren Auftrag auf dem Feld. Nahikari Garcia ist sehr stark und hat viele Tore geschossen. Aber ich bin der Meinung, dass Spanien auf allen Positionen sehr gut besetzt ist.

Vilda:Japan spielt sehr dynamisch. Technisch sind sie auch sehr stark, sie spielen kaum Fehlpässe und haben eine gute Balance im Team. Alle Spielerinnen verfügen über großes Talent, aber ich glaube, dass Hina Sugita noch heraussticht.

Sie sind bereits in der Gruppenphase aufeinander getroffen. Was haben Sie aus dieser Partie gelernt? Takakura:Für die meisten Spielerinnen in unserem Team war es das erste Spiel bei einer Weltmeisterschaft. Sie haben erstmals richtig Erfahrung auf diesem Level gesammelt und gesehen, dass Spielerinnen anderer Teams gut in Eins-gegen-Eins-Situationen und sehr schnell sein können. Sie haben verstanden, wie ernst ein Spiel auf der Weltbühne ist. Sehr gefallen hat mir, dass wir das erste Tor erzielt haben und während der ganzen Partie fokussiert waren.

Vilda:Wir hatten einen sehr guten Gegner und ehrlich gesagt haben wir sie nicht so stark erwartet. Japan hat uns überrascht und das hatte einen psychologischen Einfluss auf meine Spielerinnen, sie haben ihr Selbstvertrauen verloren. Am besten hat mir unsere Torhüterin Elena de Toro gefallen. Sie hat überragend gespielt und weitere Tore verhindert.

Was haben Sie bisher persönlich bei diesem Turnier gelernt? Takakura:Wie schwierig es ist, auf diesem Niveau zu gewinnen. Bevor ich mein Team auf den Platz schicke, muss ich mir über sehr vieles Gedanken machen. Es ist sehr schwierig, gegen Spielerinnen aus so vielen verschiedenen Ländern der Welt anzutreten.

Vilda:Mir wird immer das ausnahmslos gute Verhalten meiner Spielerinnen im Gedächtnis bleiben, das hat mich sehr beeindruckt. Außerdem die großen Zuschauerzahlen und die perfekte Organisation.

Was würde der Titel für Ihr Land bedeuten? Takakura:Er würde unseren Spielerinnen großes Selbstvertrauen geben. Dazu würde er allen jungen Spielern in Japan Mut machen. Das Land würde einen großen Motivationsschub bekommen, wenn wir den Titel holen würden. Und für meine Mannschaft wäre das ein großer Ansporn, weiter zu arbeiten und sich für die Zukunft noch weiter zu verbessern, um noch besser zu werden.

Vilda:Im Finale zu stehen, ist bereits historisch, der Titelgewinn wäre also einzigartig. Es wird uns helfen, den Sport populärer zu machen. Ich persönlich würde den Titel meinem Vater widmen .