Tunesien will in Katar hoch hinaus

  • Bei vier WM-Teilnahmen ist Tunesien nie über die Gruppenphase hinausgekommen

  • Mit einer neuen Spielergeneration träumen die Adler von Karthago von einem Einzug in die zweite Runde

  • Trainer Mondher Kebaier spricht über die Ambitionen seines Teams

Dank der unermüdlichen Arbeit aller Beteiligten wusste Tunesien in den letzten Jahren trotz häufiger Trainerwechsel mit konstant guten Leistungen zu überzeugen. Ein Beleg dafür ist, dass die Tunesier in der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste über weite Strecken die führende Mannschaft Afrikas waren, derzeit rangieren sie hinter Senegal auf dem zweiten Platz. Auch in der Qualifikation für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Russland 2018™ waren sie überzeugend und erreichten beim CAF Afrikanischen Nationen-Pokal 2019 in Ägypten das Halbfinale.

Nach dem Einzug in die Runde der letzten Vier beim Kontinentalturnier startete der tunesische Fussballverband (FTF) ein neues Projekt mit Blick auf den Nationen-Pokal 2021 und die Qualifikation für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2022™. Die Verantwortlichen des FTF ernannten einen technischen Stab unter der Leitung von Cheftrainer Mondher Kebaier, den sie für geeignet hielten, Tunesien zu neuen Höhenflügen zu verhelfen.

"Wir haben unsere Arbeit am 1. September 2019 nach unserer Teilnahme am Nationen-Pokal aufgenommen", erklärte er im Gespräch mit FIFA.com. "Das war eine schwierige Zeit, denn es galt, unsere Spieler an die Aufgabe heranzuführen und insbesondere ihre körperliche Fitness zu steigern."

Als wir ihn baten, näher auf diesen Prozess einzugehen, erklärte der Trainer: "Wir haben mit hochklassigen Freundschaftsspielen gegen Länder wie Mauretanien, Côte d'Ivoire und Kamerun begonnen. Damit waren wir gut vorbereitet für die Afrikameisterschaft der Nationen und die Qualifikation für den Afrikanischen Nationen-Pokal. Bislang haben wir sieben Spiele bestritten, und ich kann bei unseren Auftritten viel positive Energie erkennen. Unser erstes Pflichtspiel war eine Partie gegen unseren Nachbarn Libyen. Partien zwischen Nachbarländern sind normalerweise schwierig, aber wir haben mit einem großartigen Ergebnis die Oberhand behalten und vier Tore erzielt. Anschließend haben wir ein weiteres schweres Auswärtsspiel gegen Äquatorial-Guinea gewonnen."

Tunesiens Bilanz unter Kebaier

  • 6. September 2019: Tunesien – Mauretanien 1:0

  • 10. September 2019: Côte d'Ivoire – Tunesien 1:0

  • 21. September 2019: Tunesien – Libyen 1:0

  • 12. Oktober 2019: Tunesien – Kamerun 0:0

  • 20. Oktober 2019: Libyen – Tunesien 0-1

  • 15. November 2019: Tunesien – Libyen 4:1

  • 19. November 2019: Äquatorial-Guinea – Tunesien 0:1

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Gelungener Mix aus Nachwuchsspielern und Routiniers

Tunesien verfügt über hervorragende Spieler, die in der heimischen Liga oder in Europa aktiv sind, darunter Mohamed Drager, Marc Lamti, Firas Chaouat, Bassem Srarfi, Hamza Rafia, Wajdi Kechrida, Montassar Talbi, Mohamed Ali Ben Romdhane, Mortadha Ben Ouanes und Saad Bguir. Damit kann das Land auf eine Mischung aus ehrgeizigen Nachwuchsspielern und erfahrenen Profis zählen.

"Wir müssen auf dem aufbauen, was wir bereits erreicht haben, und nicht wieder bei Null anfangen", so der Coach. "Wir müssen uns die gute Arbeit der vorherigen Trainer zunutze machen, von denen jeder seinen eigenen Ansatz hatte. Einige Spieler sind kürzlich ins Nationalteam zurückgekehrt, beispielsweise Aymen Abdennour, der lange Zeit nicht dabei war. Ali Maaloul und Saif-Eddine Khaoui, die bei den letzten Spielen des Nationen-Pokals nicht dabei waren, sind ebenfalls wieder zum Kader gestoßen. Sie haben beide hervorragende Qualitäten, das haben sie im letzten Spiel gegen Libyen und sogar gegen Äquatorial-Guinea bewiesen."

"Einige der Youngsters konnten sich Klubs aus der tunesischen Liga und aus dem Ausland empfehlen, zum Beispiel Rafia von Juventus und Saad Bguir. Sie haben für das Nationalteam gespielt und die Leistung gebracht, die von ihnen erwartet wurde", fügt er hinzu.

Doch für Kebaier sind einzelne Namen nicht das Wichtigste. "Unsere Stärke ist unser Teamgeist. Das ist in unserem letzten Qualifikationsspiel für den Nationen-Pokal deutlich geworden. Wahbi Khazri hat trotz einer Verletzung an der Hand weitergespielt, und am Ende war er derjenige, der das Tor geschossen hat. Das Gleiche gilt für Youssef Msakni, der gespielt hat, obwohl er krank und in medizinischer Behandlung war. Dieser Kampfgeist wird in den bevorstehenden Spielen entscheidend sein."

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Traum von der zweiten WM-Runde

In der Qualifikation für Katar 2022 wurde Tunesien in Gruppe B gelost und tritt dort gegen Mauretanien, Äquatorial-Guinea und Sambia an. Mit Bezug auf die Gruppengegner meint Kebaier: "Die Teams sind in den einzelnen Gruppen mehr oder weniger auf demselben Niveau. Es gibt keine großen Unterschiede. Die Qualifikation für den Nationen-Pokal ist etwas anderes als die WM-Qualifikation, bei der viel Aufregung und Begeisterung im Spiel ist. Das macht die Aufgabe schwieriger. Wir müssen für jedes Spiel gut vorbereitet sein."

Laut Kebaier weiß sein Team viel über die einzelnen Gegner. "Wir kennen die Mauretanier sehr gut, denn wir haben schon mehrmals gegen sie gespielt. Auch mit Äquatorial-Guinea sind wir vertraut, da wir in der Qualifikation für den Nationen-Pokal gegen das Team antreten. Und wir kennen uns bestens mit den Fähigkeiten von Sambia aus. Daher müssen wir im Geiste der Solidarität und mit dem starken Willen spielen, uns zu qualifizieren spielen.

Tunesien hat an den WM-Auflagen von 1998, 2002 und 2006 teilgenommen, das Weltereignis in den Jahren 2010 und 2014 jedoch verpasst. Anlässlich der Auflage von 2018 in Russland kehrte das Team auf die Weltbühne zurück und freut sich jetzt auf Katar 2022.

"Natürlich wollen wir uns für Katar 2022 qualifizieren", bestätigt der Trainer. "Tunesien war regelmäßig bei großen Turnieren vertreten, und zwar sowohl auf kontinentaler als auch auf globaler Ebene. Daher müssen wir bei der nächsten WM dabei sein."

Zum Abschluss berichtet der tunesische Trainer noch von seinem Traum, zum ersten Mal in der Geschichte des Landes auf der Weltbühne in die zweite Runde einzuziehen. Vorherige Generationen haben dieses Ziel nicht erreicht.

"Früher oder später wird Tunesien bei der WM-Endrunde die zweite Runde erreichen. Wir hoffen, dass diese Generation es schaffen wird. Wir gehen mit Optimismus in jedes Turnier, wollen die Spiele gewinnen und so weit wie möglich kommen. Wenn wir uns qualifizieren, müssen wir auf dem Platz kämpfen und mit viel Leidenschaft spielen, um dieses Ziel zu erreichen."

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