Vier Aspekte, die Russland beachten muss, um Spanien zu schlagen

30. Juni 2018
  • Russland trifft im Achtelfinale auf Spanien

  • Die Spanier gelten zwar als Favorit, haben aber durchaus Schwächen gezeigt

  • Stanislav Cherchesov, Sergei Ignashevich und Artyom Dzyuba sprechen über die bevorstehende Partie

Von Igor Borunov, Teamreporter Russland


Die überwältigende Mehrheit der Fans wird am Samstag im Moskauer Luschniki-Stadion naturgemäß hinter Russland stehen. Dennoch geht Spanien als Favorit in die Partie. Doch Portugal und dann auch Iran und Marokko haben gezeigt, dass das Team von Fernando Hierro durchaus anfällig ist. Auf Seiten der "Sbornaja" weiß man, dass man die Fehler des Gegners ausnutzen muss, um das fast Unmögliche vielleicht doch möglich zu machen.

"Wir wissen genau, wie Spanien spielt", so der russische Trainer Stanislav Cherchesov gegenüber FIFA TV. "Es ist schwer, zu Kontern zu kommen, doch wir werden es versuchen. Wir haben gegen das Team unter Julen Lopetegui gespielt und erkennen nun unter Hierro bestimmte Veränderungen. Ich werde jetzt nicht ins Detail gehen, doch die Mannschaft spielt ein bisschen anders."

Defensivschwächen des Gegners nutzen

Russlands Abwehrchef Sergei Ignashevich sprach kürzlich die potenziellen Probleme in Spaniens Defensivabteilung an: "Spaniens Abwehrkette steht meist ziemlich hoch. Dadurch öffnen sich im Rücken der Verteidigung Räume, die ein Gegner für Konter nutzen kann. Marokko und Iran haben genau das ausgenutzt, und auch wir sollten das tun."

Tatsächlich haben sich die Spanier in ihren letzten Spielen als ungewöhnlich anfällig für Gegentore erwiesen. Dieses Problem trat bereits im vergangenen November in einem Freundschaftsspiel gegen Russland zutage, als die Iberer zum ersten Mal seit der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Brasilien 2014™ wieder drei Gegentore zuließen. Die einzigen Spiele ohne Gegentor in diesem Jahr gab es gegen Tunesien und Iran.

Die Verteidiger Jordi Alba und Dani Carvajal verstärken oftmals die Offensive und sind dann nicht immer schnell genug zurück. Von Sergio Busquets kann man indes kaum erwarten, alle Lücken zu schließen. Auch zu Torhüter David De Gea tun sich derzeit einige Fragen auf. Er gehört zwar zu den besten Torhütern der Welt, doch in Russland landeten fünf der sechs platzierten Schüsse auf sein Tor in den Maschen.

Intelligentes Pressing

Da Aleksandr Golovin in die Mannschaft zurückkehrt, dürfte Russland in Bestbesetzung antreten. Allerdings müssen die Russen ein intelligentes Pressing spielen und die richtigen Momente abwarten, denn Sergio Ramos und Gerard Piqué sind beide in der Lage, den Gegner mit einem perfekten Pass aus der Abwehr vor große Probleme zu stellen. Allerdings haben die Marokkaner gezeigt, dass auch die beiden Innenverteidiger kalt erwischt werden können.

In ihrer eigenen Spielfeldhälfte dürfen die Gastgeber auf keinen Fall Isco aus den Augen lassen oder Andres Iniesta zu viel Raum gewähren. Zudem müssen sie auch versuchen, Diego Costa an die kurze Leine zu legen. Im Gruppenspiel gegen Ägypten nahm die "Sbornaja" Mohamed Salah recht erfolgreich aus dem Spiel. Sein Tor erzielte der Stürmerstar vom Elfmeterpunkt. Gegenüber dem nicht weniger gefährlichen Costa müssen die Russen ebenso wachsam sein.

Standardsituationen nutzen

Standardsituationen waren in Russland bislang schon häufig entscheidend für den Erfolg. Das bekamen nicht zuletzt die Gastgeber selbst in der Partie gegen Uruguay zu spüren. Die Russen ihrerseits haben bislang keine besonders gute Bilanz bei Standardsituationen vorzuweisen. Ob sich dies gegen Spanien ändert, bleibt abzuwarten. Allerdings gibt es einen Spieler in Cherchesovs Kader, der besonders bei Standards gefährlich werden könnte.

Der Marokkaner Youssef En-Nesyri erzielte nach einem Eckball ein wunderschönes Kopfballtor gegen Spanien – und der massige russische Angreifer Artyom Dzyuba ist in der Luft ähnlich stark. Andererseits sind die Spanier bei Standardsituationen selbst enorm gefährlich. So nutzte Iago Aspas die Situation nach einem Freistoß für den Ausgleich gegen die Nordafrikaner, der der "Roja" zumindest noch einen Punkt rettete. Ignashevich und Co. dürfen sich also keine Sekunde der Unaufmerksamkeit leisten.

Eigene Chancen nutzen 

Der Ausgang der Partie hängt davon ab, die sich bietenden Chancen zu nutzen. Die Spanier werden sich Unkonzentriertheiten wie bei Marokkos Führungstor kaum noch allzu oft leisten. Daher müssen die Russen die sich ihnen bietenden Gelegenheiten unbedingt nutzen. Die Nordafrikaner waren im weiteren Verlauf der Partie noch zu einer sehr ähnlichen Chance gekommen, doch Khalid Boutaib schoss den Ball genau auf Torhüter De Gea.

Dzyuba fasste die Stimmung im russischen Lager im Vorfeld der Partie zusammen: "Wir wissen, was wir zu tun haben: Wir müssen Geduld zeigen und auf Chancen lauern. Wir müssen jede Gelegenheit nutzen. Keiner kann es sich leisten, hinter seinen Möglichkeiten zurück zu bleiben. Wir alle müssen mit vollem Einsatz dabei sein.

Wir haben einen Plan, aber den werde ich nicht verraten", schloss er. "Die Spanier können den Ball perfekt kontrollieren, Pässe spielen und ihre Positionen wechseln. Wir müssen einen Weg finden, das zu unterbinden. Dazu müssen wir taktisch sehr solide agieren."