Fünf Gegentore: "La Roja" in Alarmbereitschaft 

29. Juni 2018
  • Spaniens "Roja" kassierte in drei Spielen fünf Gegentore

  • Russland hingegen zählt zu den drei Teams mit der höchsten Trefferquote

  • Hierro, Carvajal und Isco sehen Schwächen im eigenen Defensivbereich

Von Antia Andre Hernandez, Teamreporterin Spanien


Obwohl Spanien als Gruppensieger das Achtelfinale erreichte, herrscht in der Mannschaft derzeit nicht die gleiche positive Stimmung wie bei den Testspielen im Vorfeld des Turniers. Es sind vor allem die vergleichsweise vielen Gegentore, die der Mannschaft Sorgen bereiten. Daher muss dieser Schwachpunkt in der K.o.-Runde, in der jeder noch so kleine Fehler zum Ausscheiden führen kann, unbedingt beseitigt werden.

Während einer Pressekonferenz sprach Dani Carvajal offen über die aktuell größten Probleme in der spanischen Defensive, die von ihm selbst mit verantwortet wird. "Offenbar handelt es sich dabei um Konzentrationsmängel. Portugal hat gegen uns zwei Tore aus Standardsituationen erzielt. Wir müssen unsere individuellen Fehler abstellen und das Verständnis untereinander verbessern. Wenn uns das gelingt, werden wir auch insgesamt stärker auftreten", ist sich der Abwehrspieler sicher.

Obwohl der Außenverteidiger im ersten Gruppenspiel wegen einer gerade erst überstandenen Verletzung noch geschont worden war, bezieht er sich selbst ausdrücklich in die Kritik ein. "Wir müssen aus unseren Abwehrfehlern lernen. Wir haben unsere Gegentore sehr leichtfertig kassiert. Sie waren eher unseren eigenen Fehlern geschuldet als vom Gegner herausgespielt", so Carvajal weiter.

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Selbstkritik und Vorsatz zur Besserung 

Einerseits zählt Spaniens Defensive aufgrund ihrer individuellen Qualität zweifellos zu den besten der Welt. Doch fest steht auch, dass sie die in sie gesetzten Erwartungen bislang nicht erfüllen konnte. "Wir dürfen nicht länger so zögerlich in ein Spiel gehen. Und wir dürfen dem Gegner keine Tore mehr schenken. Vielleicht fehlt uns im Moment gerade das, was wir eigentlich am besten können, nämlich das Spiel zu kontrollieren. Wir müssen die Ärmel hochkrempeln und besser werden", so der kritische Kommentar von Isco nach dem Spiel gegen Marokko.

Dass dies auch Auswahltrainer Fernando Hierro so sieht, belegt seine Einschätzung nach dem Remis im abschließenden Gruppenspiel, wonach sein Team sich noch steigern kann und muss. Nach den erneut zwei Gegentoren fand der Nationaltrainer deutliche Worte und warnte: "Wir haben in drei Spielen fünf Treffer kassiert. So darf es nicht weitergehen. Genau das habe ich auch meinen Spielern gesagt."

Wenn man bedenkt, dass Spanien in der Summe bei der UEFA EURO 2008 und 2012 und der FIFA WM 2010 nur ein Gegentor mehr hinnehmen musste, erscheint diese Negativquote umso schockierender.

Warnung vor Russlands Offensivstärke 

Spanien muss seine Defensivprobleme also unbedingt in den Griff bekommen, zumal man es im Achtelfinale mit dem Team des Gastgebers zu tun bekommt. Russland gehört überraschenderweise mit acht Toren in drei Spielen zu den bislang torgefährlichsten Mannschaften des Turniers.

Dennoch ist man in der"Sbornaja" nicht der Meinung, dass die Spanier ein Abwehrproblem haben, sondern hält das eher für einen vorübergehenden Zustand. So auch der russische Abwehrspieler Ilya Kutepov. "Spaniens Defensivabteilung besteht aus Spielern des FC Barcelona und von Real Madrid. Das sagt doch alles. Mit Akteuren wie Ramos, Piqué, Carvajal und Jordi Alba ist sie hochklassig besetzt. Ich glaube nicht, dass die Spanier irgendwelche Probleme mit ihrer Abwehrreihe haben. Ich denke, dass das alles nur vorübergehend ist", so der russische Innenverteidiger.

Doch wie dem auch sei, bei ihrem Vorhaben, es im Achtelfinale besser zu machen, orientieren sich die Spanier vor allem am eigenen WM-Titel von 2010. Denn damals war eine solide Abwehrleistung eine der wichtigsten Grundlagen für ihren Triumph.

Schon gewusst?

  • Bei den letzten FIFA WM-Turnieren kassierte der jeweilige Titelträger nicht mehr als vier Gegentore.

  • Spanien hat in der Gruppenphase ebenso viele Gegentore kassiert wie Argentinien, Costa Rica, Island, Australien und Polen. Dahinter rangieren nur noch Ägypten (6 Gegentreffer), Saudiarabien (7), Tunesien (8) und Panama (11).

  • Bis zum Gruppenspiel gegen Portugal hatte Spanien in den letzten zwei Jahren nur ein Mal drei Gegentore in einer Partie hinnehmen müssen. Das war bei einem 3:3 in einem Freundschaftsspiel im November 2017 – ausgerechnet gegen Russland!