Reus - Hoffnungsträger mit Verspätung

25. Juni 2018
  • ​Reus sollte schon 2014 bei der WM Leistungsträger der DFB-Elf sein

  • In Russland zählt er zu den Lichtblicken des Titelverteidigers

  • "Maximaler Erfolg, koste es was es wolle"

Von Steffen Potter, Teamreporter Deutschland

Die Situation der deutschen Nationalmannschaft bei der FIFA Fussball-WM Russland 2018™ ist nach wie vor schwierig, das frühe Ausscheiden droht noch immer. Mittendrin sitzt mit Marco Reus aber einer, der sich hier pudelwohl fühlt und dem man das auch ansieht – ob auf dem Feld, oder bei Interviews.

29 Jahre alt musste der Dortmunder werden, bis er seine erste WM spielen durfte. Was viele eventuell vergessen haben: Vor Brasilien 2014 galt er als vielleicht bester deutscher Spieler, verpasste das Turnier und den WM-Titel dann aber ebenso aufgrund einer kurzfristig vor WM-Start erlittenen Verletzung wie auch die EM 2016.

"Es ist toll zu sehen, wie viele Fans auf den Fanmeilen mitfiebern"

"Es ist für mich das erste Mal bei so einem großen Turnier und es ist toll zu sehen, wie viele Fans auf den Fanmeilen mitfiebern und uns unterstützen", sagte Reus erst auf dem Podium bei der Pressekonferenz, bevor er sich die Zeit für ein Gespräch nahm. Der schnelle, dribbelstarke Spieler, der auf der Außenbahn genauso glänzen kann wie zentral im offensiven Mittelfeld, genießt seine Zeit hier.

"Ich habe mich riesig gefreut, dabei zu sein. Natürlich hat man es sich anders vorgestellt, als gegen Mexiko bei so einem Spielstand reinzukommen. Aber so ist das manchmal", sagte er im FIFA-Interview. Mit seiner persönlichen Bilanz kann er zufrieden sein: Schon gegen Mexiko hatten ihn viele in der Startelf erwartet, als er dann reinkam sorgte er für frischen Wind.

Nun gegen Schweden begann er, markierte das so wichtige 1:1 kurz nach der Pause und legte Toni Kroos den traumhaften Siegtreffer auf. "Ich versuche einfach der Mannschaft, wenn ich auf dem Platz bin, so zu helfen, dass wir den maximalen Erfolg haben. Ich hoffe, dass ich das im dritten Spiel gegen Südkorea fortsetzen kann."

"Das Spiel gegen Schweden hat gezeigt, dass wir da sind, mental und charakterlich, wenn es darauf ankommt"

Reus ist ein fantastischer Fussballer, der Spiele mit brillanten Aktionen entscheiden kann. Seine Läufe in die Tiefe haben dem Titelverteidiger zuvor gefehlt. Geglänzt aber hat die Mannschaft bisher in Russland noch nicht und es ist bezeichnend, dass er seinen Treffer gegen Schweden irgendwie seitlich mit dem Knie ins Tor bugsierte. "Uns ist schon klar, dass wir besser Fussball spielen müssen, aber in der Situation finde ich, dass es nicht das oberste Ziel ist, schön zu spielen und zu verlieren, sondern den maximalen Erfolg zu haben und das Spiel zu gewinnen, koste es was es wolle."

"Trotzdem hat das Spiel gegen Schweden gezeigt, dass wir da sind, mental und charakterlich, wenn es darauf ankommt", findet Reus und das kann man wohl mit Fug und Recht behaupten. Der Siegtreffer von Kroos war der späteste überhaupt jemals bei einer WM und unterstrich, dass auch diese DFB-Mannschaft die Tugenden haben könnte, die man deutschen Teams bei diesem Turnier so oft zuschreibt.

"Das Spiel gegen Südkorea wird keinen Deut leichter, sie haben vorne noch einmal schnellere Spieler als Schweden und spielen auch auf Konter", warnt Deutschlands Hoffnungsträger vor der Partie am Mittwoch in Kasan. "Für uns ist jedes Spiel jetzt ein Endspiel." Das erste dieser Endspiele war erfolgreich – auch dank Reus.

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