Neuer: "Mut, Selbstverständnis und Vertrauen"

19. Juni 2018
  • Deutschlands Keeper Neuer übernimmt Verantwortung

  • ​"Mut, Selbstverständnis und Vertrauen"

  • Erstes "Endspiel" am Samstag gegen Schweden

Von Steffen Potter, Teamreporter Deutschland


Auf den ersten Blick ist alles wie immer. Es ist FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ und Manuel Neuer sitzt auf dem Podium bei der DFB-Pressekonferenz. Kameras filmen, Reporter hacken geschäftig in ihre Laptops oder schreiben – ganz Old School – auf ihren Notizblöcken mit.

Und doch ist alles anders als sonst. Dass Neuer dort oben als Kapitän des DFB-Teams sitzt und das erste WM-Spiel hinter sich hat, galt vor wenigen Wochen noch als zumindest unsicher. Nach zwei Mittelfußbrüchen wurde lange darüber diskutiert, ob der Gewinner des adidas Goldenen Handschuhs von 2014 die Reise nach Russland antreten solle.

Als der Schlussmann des FC Bayern München dann zwischen den Pfosten stand, strahlte er die gewohnte Ruhe aus. Einen Mangel an Spielpraxis merkte man ihm nicht an und an Neuer lag es sicher auch nicht, dass das Auftaktspiel schief ging.

Denn auch das war anders als sonst: Erstmals seit dem Halbfinale 2010 hat die Mannschaft wieder ein WM-Spiel verloren – damit war nicht unbedingt gerechnet worden. "Wir sind selber unsere schärfsten Kritiker, sind sauer auf uns selbst und enttäuscht von dem, was wir auf dem Platz gezeigt haben", sagte Neuer am Dienstag bei der Pressekonferenz in Vatutinki.

Viel ist danach darüber gesprochen worden, dass Mexiko die DFB-Elf mit einer defensiveren Ausrichtung als erwartet überrascht habe. Das räumt Neuer zwar ein ("meist haben wir Mexiko mit hohem Angriffspressing gesehen"), schränkt aber auch ein, dass im Kader genug Erfahrung vorhanden sei, um auf dem Platz auf solche Situationen zu reagieren. "Man kann nicht alles vorher auf eine Taktiktafel schreiben. Wir können so etwas selber mit guter Kommunikation und Organisation untereinander lösen."

Es wird kein Zufall sein, dass der DFB Neuer ausgewählt hatte, um zu den Medien zu sprechen. Der 32-Jährige hat so ziemlich alles erlebt, ist der Kapitän der Mannschaft und soll das Bild vermitteln: Wir haben alles unter Kontrolle. Von radikalen Änderungen, ob taktischer oder personeller Art, wie sie nun in der Heimat teilweise gefordert werden, hält er nichts.

"Wir hatten auf allen Positionen sehr gute Spieler auf dem Platz. Es geht darum, eine 100-prozentige Einstellung mitzubringen. Bin ich bereit, alles für die Mannschaft zu geben?", so Neuer.

Dass man bei Ballverlusten nicht gut steht, war sowohl in den letzten Vorbereitungsspielen als auch gegen Mexiko offensichtlich. "Viel über die defensive Absicherung" habe man gesprochen, und über "Mut, Selbstverständnis und Vertrauen, so zu verteidigen, wie wir das bei den letzten Turnieren getan haben".

Spekulationen, dass es eine Spaltung der Mannschaft gäbe – Weltmeister auf der einen Seite, den Kader des FIFA Konföderationen-Pokals 2017 auf der anderen – erteilte Deutschlands Nummer eins ebenfalls eine Absage: "Diese Zweiteilung gibt es nicht. Wir wissen, dass auch die jüngeren Spieler schon ein wichtiger Teil unsere Mannschaft sind, wir tauschen uns mit ihnen aus."

Der Tapetenwechsel – heute geht es von Vatutinki nach Sotschi – ist willkommen. "Am liebsten hätten wir direkt nach dem Mexiko-Spiel gegen Schweden gespielt".

Wiedergutmachung ist erwünscht. Gibt es Zweifel? "Man kann den Hebel nicht einfach so auf Ansage umlegen. Aber wir sind fest davon überzeugt, dass wir uns für die K.-o.-Runde qualifizieren, wenn wir die Sachen, die wir zuletzt haben vermissen lassen, nun auf den Platz bringen."​