Argentinien – Lektionen für den Härtetest gegen Frankreich

29. Juni 2018
  • Triumph gegen Nigeria bietet viel Gesprächsstoff

  • "Albiceleste" hat neues Selbstvertrauen gewonnen

  • Live-Blog: Frankreich – Argentinien

Von Diego Zandrino, Teamreporter Argentinien


Mit dem Sieg Argentiniens gegen Nigeria war der Einzug ins Achtelfinale der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Russland 2018™ perfekt. Gleichzeitig lassen sich aus dem Auftritt der Argentinier wertvolle Rückschlüsse für das Duell gegen Frankreich ziehen, das am Samstag, 30. Juni ansteht.

Qualität der Einzelspieler kam zum Tragen

Ein Traumtor, ein Pfostenschuss bei einem Freistoß und eine Rettungstat gegen Spielende, als es galt, das Ergebnis über die Zeit zu bringen – all das ist Lionel Messi gegen die Nigerianer gelungen.

"Er ist der Kapitän, der Führungsspieler, das Vorbild", sagt Federico Fazio im Exklusiv-Interview mit der FIFA. "Es ist wichtig, ihn in Bestform zu sehen. Das gibt uns Selbstvertrauen und verpflichtet jeden Einzelnen, ebenfalls den bestmöglichen Beitrag zu leisten."

In diesem Zusammenhang sind weitere gute Einzelleistungen auf Schlüsselpositionen zu erwähnen. In der Abwehr wussten Marcos Rojo und Nicolás Otamendi zu überzeugen, im Mittelfeld sorgte Javier Mascherano für das nötige Gleichgewicht und Éver Banega gab den Takt vor. Darüber hinaus strahlte er mit seinen langen Zuspielen viel Gefahr aus. Im Angriff gelang Gonzalo Higuaín zwar kein Tor, doch er konnte Räume für seine Teamkameraden aufreißen.

Gegen einen Gegner wie Frankreich muss die gesamte Achse, zu der auch Franco Armani zählt, auf höchstem Niveau agieren. Schließlich konnten sich die Franzosen den Gruppensieg eher dank der individuellen Klasse ihrer Akteure als mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung sichern.

Viel Einsatz und solide Abwehrleistung

Sogar die Protagonisten selbst räumten Zweifel an der Defensivleistung der Argentinier in den ersten beiden Partien ein – und das, obwohl das Team über weite Strecken in Ballbesitz war.

Gegen Nigeria zeigte die Viererkette jedoch keine Schwächen, und Armani erwies sich bei seinem Debüt zwischen den Pfosten als zusätzliche Stütze. Kritische Momente gab es nur, als die Argentinier auf den dringend benötigten Siegtreffer drängten und sich daher Lücken für die schnellen nigerianischen Stürmer auftaten.

"Das ist nicht nur das Verdienst der Verteidiger. Die gesamte Mannschaft hat ihren Beitrag dazu geleistet", betont Fazio. "Selbst Leo [Messi] ist mit zurückgelaufen, um beim letzten Ball zu verteidigen. Das lässt das Team zusammenwachsen und stärker werden."

Dieser Aspekt dürfte auch in der Partie gegen die Franzosen, die über reichlich Talent im Mittelfeld und Angriff verfügen, entscheidend sein. Argentinien wird über den gesamten Spielverlauf hinweg mit maximalem Einsatz und maximaler Konzentration agieren müssen. Das ist vielleicht die größte Herausforderung, mit er die "Albiceleste" in Kasan konfrontiert sein wird.

Reaktion auf Rückschläge

Im Gegensatz zu den vorherigen Partien hat Argentinien es gegen Nigeria verstanden, sich von einem Rückschlag nicht aus dem Konzept bringen zu lassen. Nachdem den Nigerianern zu Beginn des zweiten Durchgangs per Elfmeter der Ausgleich gelungen war, ließ die "Albiceleste" nicht locker und konnte am Ende das benötigte Ergebnis einfahren.

"Der Elfmeter änderte alles, denn nun waren die Enttäuschung und die Probleme wieder da in einer Partie, die wir eigentlich unter Kontrolle gehabt hatten. Wir haben die Nerven verloren, aber wir haben nie aufgehört zu kämpfen. Das sollte sich am Ende auszahlen", so Javier Mascherano nach der Partie im Gespräch mit der FIFA.

Der Kampfgeist, von dem Mascherano spricht, sorgte dafür, dass die Mannschaft wieder zu ihrer Ordnung fand. Man schlug die Bälle nicht einfach kopflos nach vorn, sondern blieb gelassen und stellte am Ende den Spielzug auf die Beine, der zu Rojos spätem Siegtreffer führte.

Laut Giovani Lo Celso, der in Frankreich aktiv ist und den Achtelfinalgegner gut kennt, ist diese Reaktion auf viel Erfahrung zurückzuführen und könnte auch in Kasan ein wichtige Rolle spielen.

"Die Franzosen haben sehr hochklassige junge Spieler in ihren Reihen, aber sie haben noch keine Routine mit solchen Situationen", so der Mittelfeldspieler. "Viele meiner Teamkameraden haben hingegen schon mehrere Weltmeisterschaften auf dem Buckel. Wir werden versuchen, von diesem Umstand zu profitieren."

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