Maradona im Trikot der "Seleção"

  • Heute vor 30 Jahren setzte sich Argentinien im Achtelfinale der WM 1990 gegen Brasilien durch

  • Diego Maradona traf dabei auf geschätzte Napoli-Teamkollegen

  • Maradona: Caniggias wunderbares Tor hat Brasiliens Geist zerstört

Dieses Gesicht kennt jeder. Und dieses Trikot ebenfalls. Beide zusammen sind allerdings ein mehr als ungewöhnlicher Anblick. Wie also kam es dazu, dass der Superstar der Albiceleste hier im legendären Canarinho-Trikot der Brasilianer zu sehen ist?

Die Lösung ist einfach. Brasiliens Torjäger Careca und Maradona waren zur Zeit der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Italien 1990™ Teamkameraden beim SSC Neapel. Der Argentinier bewunderte den Brasilianer sehr und beide verband eine enge Freundschaft. Maradona selbst hatte den Wechsel Carecas nach Neapel vehement gefordert und den Klubeignern schlicht und einfach gesagt: "Ihr müsst diesen Mann holen." Neapel bezahlte die damalige Rekordsumme von USD 3,5 Mio. für einen brasilianischen Spieler, um Careca von São Paulo loszueisen. In Neapel etablierte er sich dann als brandgefährliche Sturmspitze des unvergesslichen ‘Ma-Gi-Ca’-Sturmtrios.

Mit Neapel hatten Careca und Maradona gerade den Scudetto und den UEFA-Pokal gewonnen, als die WM in Italien begann. Für Maradona war der Brasilianer schlichtweg damals einer der besten Fussballer der Welt. "Je mehr sie nach ihm treten, desto besser spielt er und desto gefährlicher wird er ", sagte El Pibe de Oro voller Bewunderung.

Und eben weil er so von der Gefährlichkeit Carecas überzeugt war, äußerte er sich auch überaus pessimistisch, als Argentinien in der zweiten Runde des Turniers auf den Erzrivalen Brasilien traf. "Die Brasilianer sind sehr stark. Sie sind besser als wir", unkte Maradona vor der Partie.

Dass diese Einschätzung durchaus realistisch war, zeigte sich während des Spiels. Brasilien war in der Tat deutlich überlegen und hatte viel Pech, als Dunga, Alemao (ebenfalls von SSC Neapel) und auch Careca nur ans Gebälk trafen. Die Argentinier hielten verbissen dagegen. Neun Minuten vor Schluss kam dann der große Auftritt Maradonas. Der Argentinier nahm den Ball in der eigenen Hälfte auf und setzte dann zu einem seiner unvergleichlichen Slalomläufe in Richtung des gegnerischen Tores an. Er ließ drei Brasilianer aussteigen und spielte dann einen perfekten Pass auf Claudo Caniggia, der den einzigen Treffer der Partie erzielte. "Dieses fantastische Tor hat die Moral der Brasilianer zerstört", so Maradona später.

Den Vorwurf, mindestens einer der Gegenspieler hätte sich ihm bei dem Alleingang nicht konsequent genug in den Weg gestellt, ließ er nicht gelten. "Es hat mich geärgert, dass die brasilianische Presse Alemao vorwarf, er hätte mich nicht zu Fall gebracht, weil wir bei Neapel Teamkameraden waren", schreibt Maradona in seiner Autobiographie. "So ein Blödsinn! Ich habe ihn mit meinem kurzen Sprint überrascht und er kam nicht mehr an mich heran."

Nach dem Schlusspfiff tauschte Maradona sein Trikot indes nicht mit Alemao, sondern mit Careca, dem er dann auch etwas Trost spendete. "Ich habe ihn gestern angerufen", erzählte er später. "Ich habe ihm gesagt, dass eine Freundschaft nicht in 90 Minuten zerbricht."

Und tatsächlich hielt die Freundschaft der beiden lange über dieses Zusammentreffen in Turin hinaus. Die Herzen der brasilianischen Fussballfans hingegen waren bei dieser WM gebrochen.