Tele und seine "Götter von 1982"

21. Apr. 2021
  • Die Seleção von 1982 ist für viele das beste brasilianische Team aller Zeiten

  • Kein WM-Sieg, aber weltweite Bewunderung

  • Trainer Tele Santana verstarb heute vor 15 Jahren

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Brasilien war beim Start der WM 1982 in Spanien seit 19 Spielen ungeschlagen und hatte 46 Tore und nur zehn Gegentore auf dem Konto. Die Serie umfasste zehn Siege in Folge, und innerhalb von sieben Tagen schlugen die Brasilianer England in London, Frankreich in Paris und die BR Deutschland in Stuttgart.

Hätten Sie's gewusst?

  • Der linke Verteidiger Junior brachte kurz vor der WM-Endrunde einen Samba-Titel heraus, nämlich Povo Feliz (Glückliches Volk), besser bekannt als Voa, Canarinho (Flieg, kanariengelbes Team). Die Komponisten waren Memeco und Nono do Jacarezinho. Der Song war in Brasilien ein großer Hit.

  • Zum ersten Mal gehörten Spieler, die in Europa aktiv waren, zum brasilianischen WM-Kader, nämlich Falcao von AS Rom und Dirceu von Atlético Madrid. Spieler wie Julinho Botelho (AC Florenz), Evaristo de Macedo (FC Barcelona), Dino Sani, Mazzola (beide AC Mailand) und Canario (Real Madrid) waren zuvor ausgeschlossen worden.

Carecas K. o.

Careca hatte Anfang 1982 noch kein Spiel für Brasilien bestritten, doch dann kam der kometenhafte Aufstieg des 21-jährigen Supertalents. Als Tele Santana seinen Kader für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 1982™ in Spanien nominierte, war er bereits zum Stammstürmer avanciert und hatte bei drei der letzten vier Freundschaftsspiele in der Startelf gestanden, darunter die letzten beiden. Doch dann kam drei Tage vor Turnierbeginn das bittere Aus, als der Spieler sich im Training am Oberschenkel verletzte.

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Zwischen Brasiliens letztem Spiel der Gruppenphase gegen Neuseeland und dem ersten Spiel der zweiten Gruppenphase gegen Argentinien lagen neun Tage Pause.

Ergebnisse

  • Brasilien – Sowjetunion 2:1

  • Brasilien – Schottland 4:1

  • Brasilien – Neuseeland 4:0

  • Argentinien – Brasilien 1:3

  • Italien – Brasilien 3:2

Der Trainer

"Mit seinem Amtsantritt änderten sich die Dinge radikal", erklärte Falcao mit Blick auf die Ernennung von Tele Santana zum Nationaltrainer. "Es machte plötzlich viel mehr Spaß, für die Seleção zu spielen. Er wollte, dass wir intuitiv spielen, nicht systematisch. Er drängte die Verteidiger, sich in den Angriff einzuschalten. Er wollte keine zentralen Mittelfeldspieler sehen, die nur wussten, wie man den Gegner aufhält – er wollte, dass sie auch mit dem Ball umgehen konnten. Er gab uns die Freiheit, auszuprobieren, was wir wollten. Er wollte immer spektakuläre Auftritte von uns sehen."

Tele Santana sagte einmal: "Ich möchte lieber schönen Fussball spielen und verlieren, als schlecht spielen und gewinnen." Brasilien ist zwar 1982 in Spanien nicht Weltmeister geworden, aber das Team ist als eines der beliebtesten überhaupt in die Geschichte eingegangen.

Nationaltrainer Tele Santana (Brasilien)....National coach Tele Santana Brazil

Die Stars

Éder

  • Er war bereits im Vorfeld der WM als Bombe aus Vespasiano oder O Canhão(die Kanone) bekannt und galt weltweit als der Spieler mit dem härtesten Schuss. Éder wurde seinem Ruf mit einem gewaltigen Volleyschuss gegen die Sowjetunion und einem furiosen Lattenknaller gegen Argentinien gerecht, der ihm einen neuen Spitznamen einbrachte, nämlich Exocet nach der französischen Rakete. Der quirlige linke Flügelstürmer erzielte aber darüber hinaus einen Treffer, der so gar nicht zu seinen Spitznamen passte, nämlich einen herrlichen Lupfer gegen Schottland.

Falcao

  • Falcao war ein Mozart auf dem Rasen, ein Meister der Komposition, der "achte König von Rom", ein Vorbote von Andrea Pirlo und Xavi und gilt noch immer als einer der intelligentesten Mittelfeldspieler und besten Passgeber der Geschichte In Spanien erzielte er außerdem drei Tore in fünf Spielen, einschließlich des wunderschönen Ausgleichstreffers bei der 2:3-Niederlage gegen Italien.

Júnior

  • Mit ihm hatten die Brasilianer in Spanien einen Spieler im Team, der sicherlich einer der besten Spielmacher der Welt gewesen wäre, aber das Trikot mit der Nummer sechs trug. Júnior – Kämpfer, Führungsspieler und Ballkünstler – spielte in Spanien einfach herausragend, erzielte gegen Argentinien nach einem Doppelpass mit Zico ein herrliches Tor und war Dreh- und Angelpunkt zahlreicher sehenswerter Angriffe der Seleção.

Leandro

  • Ein weiterer Spieler, dessen herausragende Fähigkeiten man auf seiner Position nicht erwarten konnte. Leandro und Júnior bildeten das wohl feinste Abwehrduo der Fussballgeschichte, und zwar bei Flamengo Rio de Janeiro und im kanariengelben Trikot des brasilianischen Nationalteams.

Sócrates

  • Der unglaublich elegante Spielmacher mit dem Spitznamen Dr. Sócrates war in jeder Hinsicht einzigartig, von seiner Erscheinung, seiner Persönlichkeit und seiner Spielweise her. Der etwa 1,90 m große Spieler, dessen Markenzeichen ein Stirnband war, durchschnitt mit seinen Steilpässen die gegnerische Abwehr mit chirurgischer Präzision, hypnotisierte seine Gegner mit seinen Tricks und ist vermutlich der beste Hackentrickkünstler aller Zeiten. Außerdem landete er mit seinem rechten Fuß aus jeder Position mühelos einen Volltreffer. Der sowjetische Schlussmann Rinat Dassajew kann ein Lied davon singen.

Zico

  • Der Gott der Götter und der Dreh- und Angelpunkt des wohl besten – auf jeden Fall faszinierendsten – Mittelfelds der Fussballgeschichte. Zico präsentierte sich auf der Iberischen Halbinsel in Topform. Seine Auftritte waren, genau wie die von Johan Cruyff bei der Auflage von 1974 in Deutschland, Gold wert.

Hätten Sie's gewusst?

  • Gleich bei seinem WM-Debüt, beim Auftaktspiel zur WM 1982 gegen die Sowjetunion, erzielte Sócrates als Mannschaftskapitän einen Treffer. Die Partie endete mit einem 2:1-Sieg. Sein Bruder Rai war bei seinem WM-Debüt ebenfalls Mannschaftskapitän und erzielte einen Treffer, und zwar bei einem 2:0-Sieg gegen Russland im Auftaktspiel Brasiliens zur WM 1994 in den USA.

  • Brasilien, das einzige Land, das an allen 21 Weltmeisterschaften teilgenommen hat, hat nur bei einer Auflage in allen Spielen mindestens zwei Treffer erzielt, und zwar 1982 in Spanien.

  • Tele Santana gewann nach der WM mit dem FC São Paulo zweimal in Folge den Interkontinental-Pokal, und zwar gegen den FC Barcelona und AC Mailand. Toninho Cerezo, Cafu, Rai und Müller sorgten 1992 mit ihrem Team gegen Ronald Koeman, Pep Guardiola, Michael Laudrup, Hristo Stoichkov und Co. vom FC Barcelona für eine Überraschung. Im Jahr darauf setzten sie sich gegen den AC Mailand mit Franco Baresi, Paolo Maldini, Marcel Desailly und Jean-Pierre Papin durch.

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Zico hatte am Ende des Turniers insgesamt acht Tore und Vorlagen auf dem Konto (vier Tore und vier Vorlagen) – mehr als jeder andere Spieler. Danach folgten Pierre Littbarski und Paolo Rossi mit je sieben.

Zitate

"Brasilien hatte bei der WM 1982 das wundervollste Nationalteam aller Zeiten. Júnior, Falcao, Sócrates, Éder, Zico … so viele phänomenale Talente auf einem Haufen. Das war ein wirklich herausragendes Team.* Pep Guardiola

"Maradona war ein ganz Großer, aber Zico war einfach sensationell. Man konnte noch nicht mal nah genug an ihn herankommen, um ihn zu foulen." Graeme Souness über den besten Spieler, gegen den er je angetreten ist

"Brasilien hatte ein unglaubliches Team. Sie hatten fantastische Spieler, die sich blind zu verstehen schienen, sie hatten ungeheuer kreative Ideen und konnten improvisieren. Außerdem hatten sie mit Tele einen hervorragenden Trainer." César Luis Menotti

"Das Spiel am Ball, die Doppelpässe, die Dribblings ... sie hatten einfach eine unglaubliche Klasse. Sie schienen gar keine normalen Tore mehr zu schießen. Ich weiß nicht, ob sie das beste Team aller Zeiten waren, aber niemand hat je so Fussball gespielt wie diese Mannschaft." Alan Rough

"In all der Zeit, in der ich als Spieler, Trainer und Journalist im Fussball tätig war, habe ich nie wieder ein Team erlebt, dass überhaupt nicht kritisiert wurde. Egal, wie gut es war. Irgend etwas gibt es immer zu kritisieren. Aber gegen uns hat wirklich niemand auch nur ein Wort gesagt. Das liegt daran, dass wir wirklich extrem schön Fussball gespielt haben." Falcao