Schweden lassen Haare fürs Finale

9. Sept. 2013
  • Schweden schockte Deutschland, als es heute 1958 das WM-Finale erreichte

  • Das Ergebnis veranlasste Nils Liedholm und Kalle Svensson, eine Wette vor dem Turnier zu bereuen

  • Die WM 1958 bleibt ein Höhepunkt in der schwedischen Fußballgeschichte

Nils Liedholm liebte sein schwarz glänzendes, geschmeidiges Haar. Doch für eine besonders wichtige Wette war er bereit, es aufs Spiel zu setzen.

Als ein Reporter den Mittelfeldspieler vom AC Mailand fragte, ob Schweden bei der FIFA Fussball- WM 1958 im eigenen Land wohl das Finale erreichen könne, gluckste er zunächst herum und meinte dann: "Wenn wir es schaffen, dann rasiere ich mir den Kopf!" Torhüter Kalle Svensson, der daneben stand, lachte kurz und meinte dann: "Und ich auch!"

Liedholm war damals 35, Svensson 32 Jahre alt. Ein dritter Schlüsselspieler der Schweden, Gunnar Gren, der zusammen mit Liedholm und Gunnar Nordahl in den 1940er-Jahren das legendäre Gre-No-Li-Trio gebildet hatte, war sogar schon 37. Allgemein herrschte die Ansicht, dass die Schweden ihre beste Zeit hinter sich hatten. Als Turnierfavoriten galten im Vorfeld Westdeutschland, Argentinien und Brasilien, zum erweiterten Favoritenkreis zählten noch Teams wie England, Frankreich und die Sowjetunion.

Mit der fantastischen Unterstützung der Fans im Rücken räumten die Schweden im Rasunda-Stadion zunächst Mexiko mit 3:0 und dann Ungarn mit 2:1 aus dem Weg und sicherten sich dann mit einem torlosen Unentschieden gegen Wales als Sieger der Gruppe 3 den Einzug in die K.o.-Runde. Im Viertelfinale holten die Schweden, die weiterhin in Solna spielten, durch Tore von Kurt Hamrin und Agne Simonsson einen 2:0-Sieg gegen die Sowjetunion.

Nun war es für das Team von Trainer George Raynor nur noch ein Schritt bis ins Finale. Für Liedholm und Svensson allerdings war es nur noch ein Schritt bis zum Verlust ihrer Haarpracht – und ironischerweise trugen sie selbst erheblich dazu bei, dass es tatsächlich so weit kam. Denn Torhüter Svensson zeigte im Halbfinale gegen die BR Deutschland in Göteborg reihenweise Glanzparaden gegen Helmut Rahn, Hans Schäfer, Uwe Seeler und Fritz Walter, während Liedholm mit seiner Kreativität im Spielaufbau zum 3:1-Sieg der Schweden beitrug.

Natürlich war der Jubel auch bei Liedholm und Svensson riesig – bis man sie an ihre Wette erinnerte! Doch sie nahmen es wie echte Kerle, wie das obige Bild zeigt.

Nachdem sie ihre Haarpracht verloren hatten, verloren sie auch das Finale gegen die begeisternde brasilianische Elf mit 2:5, obwohl Liedholm die Gastgeber im Finale vor den Augen des schwedischen Königs Gustaf VI. Adolf im Rasunda-Stadion sogar mit 1:0 in Führung gebracht hatte. Doch Raynor und seine Schützlinge waren auch als Vizeweltmeister für die ganze Nation echte Gewinner.