Serbien: Im zweiten Anlauf erfolgreich

17. Juni 2015

Serbien hatte losgelegt wie ein Wirbelwind und Mali auf jedem Zentimeter des Platzes unter Druck gesetzt. Jedes Mal, wenn ein Spieler im gelben Trikot am Ball war, wirbelten gleich zwei in roten Trikots um ihn herum. Und sobald sie dem Gegner den Ball abgeknöpft hatten, machten sie sich damit auf den Weg in Richtung Tor.

Gleich in der vierten Spielminute landete die Kugel nach einem eleganten Linksschuss von Andrija Zivković in den Maschen. Aber die Zeit forderte ihren Tribut. Mali erholte sich von dem Schlag und Youssouf Kone erzielte noch vor der Pause den Ausgleichstreffer. Nun gaben die Afrikaner in der Halbfinalpartie der FIFA U-20-Weltmeisterschaft Neuseeland 2015 den Rhythmus vor. Die Beine der Europäer wurden schwer, denn schließlich hatten sie in den letzten sieben Tagen bereits zwei Verlängerungen hinter sich gebracht.

Da wanderten die Gedanken bei dem einen oder anderen serbischen Spieler bereits zurück in die Vergangenheit, zum 28. Juli 2014. "Eine Zeit lang habe ich befürchtet, dass uns dasselbe passieren könnte wie bei der letzten EURO, wo wie im Halbfinale gegen Portugal verloren haben. Aber ich habe nie die Hoffnung aufgegeben. Schließlich haben wir heute besser gespielt als noch vor einem Jahr und daher ist uns der Sieg gelungen und wir sind in diesem Turnier noch immer im Rennen", so Predrag Rajković im Exklusiv-Interview mit FIFA.com.

Die Vergangenheit schien das Team einzuholen, und das wollte der serbische Kapitän unbedingt verhindern. Denn die Serben wollten keinesfalls wieder in dieselbe Situation geraten wie bei der UEFA U-19-Europameisterschaft 2014, bei der das Team einen Schritt vor dem Finale die Segel streichen musste.

Trainer Veljko Paunović erklärt das mentale Tief folgendermaßen: "Nach dem Gegentor hatte mein Team einen Durchhänger und musste kämpfen, um sich von dem Tiefschlag zu erholen. Mali war energiegeladen und hat sehr guten Fussball gespielt. Wir hatten angesichts von zwei Verlängerungen in Folge konditionell zu kämpfen. Dennoch glaube ich, dass wir für das Finale gut aufgestellt sind, denn für ein solches Spiel braucht man keine besondere Motivation. Wir schreiben hier Geschichte, und die Aussicht auf die Trophäe wird den Spielern genügend Energie verleihen, um sich von diesem Spiel zu erholen", meint er abschließend.

EdeljokerZum Glück für die Orlići kam Iván Šaponjić ins Spiel, der in der ersten Halbzeit der Verlängerung nach einem Eckball den Führungstreffer erzielte – just zu einem Zeitpunkt, in dem sein Team ihn brauchte, um ein Elfmeterschießen zu vermeiden. "Wir sind sehr schnell in Führung gegangen, der Treffer fiel schon in den ersten Minuten. Dann waren wir einen Moment unkonzentriert und haben den Gegentreffer kassiert. Uns blieb nichts anderes übrig, als wieder ins Spiel zurückzufinden. Jetzt oder nie, war die Devise. Schließlich haben wir es in der Verlängerung geschafft, wo wir wie immer alles geben mussten, um dieses Ergebnis zu erreichen", so die Analyse des 1,92 m großen Schlussmanns Rajković.

Und dann flogen die jungen Adler ins Finale. "Ich habe seit Turnierbeginn immer an sie geglaubt. Und während dieser Partie habe ich auch immer an sie geglaubt. Ich musste ihnen nichts Besonderes sagen, es war schließlich ein Halbfinale! Zur Motivation reichte es vollkommen aus zu wissen, dass wir nur einen Schritt vom Finale entfernt waren. Jetzt konzentrieren wir uns auf die Partie gegen Brasilien, die bisher wichtigste unserer gesamten Karriere", so der stolze Mannschaftskapitän über seine Teamkameraden.

Am 20. Juni wird er in Auckland auf eine Mannschaft treffen, die bisher sage und schreibe fünf Weltmeistertitel in dieser Altersklasse einfahren konnte. "Brasilien ist eine hervorragende Mannschaft, zweifellos eine der besten der Welt. Aber dies ist nur eine Partie und kleine Details, die sich auf dem Platz abspielen, können entscheidend sein", meint er.

Die Vorfreude ist groß. Die Serben haben große Mannschaften und alte Schreckgespenster hinter sich gelassen. Nun steht nach jahrelanger harter Arbeit im North Harbour Stadium der absolute Höhepunkt bevor. Rajković: "Als wir nach Neuseeland gekommen sind, waren wir überzeugt davon, dass wir Weltmeister werden würden; mit dieser Einstellung sind wir hergekommen. Jetzt sind viele Spiele gespielt und wir sind nur noch einen Schritt von unserem Ziel entfernt. Wir glauben immer noch daran."