Grausame Tore und goldene Hände

10. Juni 2015

TAGESRÜCKBLICK – Mali, die USA, Serbien sowie Senegal haben sich nach einem Spieltag, der fantastische Tore, spannende Schlussphasen voller Emotionen und heldenhafte Torhüter bot, für das Viertelfinale der FIFA U-20-Weltmeisterschaft qualifiziert.

Am Nachmittag hatten vor allem die Malier Grund zum Feiern. Ihnen gelangen nicht nur drei sehenswerte Treffer gelangen, sie zeigten gegen Ghana auch eine hervorragende spielerische Leistung und strotzten vor Selbstbewusstsein beim Passen, Dribbeln und im Abschluss. Nicht zuletzt nahmen sie Revanche für die Niederlage im Spiel um Platz drei bei der letzten U-20-Afrikameisterschaft, das sie mit dem gleichen Ergebnis verloren hatten (0:3).

Serbien wurde am Ende für seine Hartnäckigkeit belohnt, als sich im Stadion bereits alle auf ein Elfmeterschießen eingestellt hatten. Der Siegtreffer gegen Ungarn gelang zwar erst im allerletzten Moment und durch ein Eigentor, aber die Serben mussten andererseits die gesamte Verlängerung mit einem Mann weniger auskommen.

Das Torschuss-Verhältnis zwischen Kolumbien und den USA betrug 22:6, doch im Viertelfinale gegen Serbien werden die Nordamerikaner stehen. Dies verdanken sie einerseits ihrer Fähigkeit, selbst die kleinste Chance zu nutzen - Rubio Rubin war im richtigen Moment zu Stelle. Andererseits boten sie eine aufopferungsvolle kämpferische Leistung.

Senegal gelang nach anfänglichem Rückstand nur neun Minuten vor Schluss der 1:1-Ausgleich. Damit beendeten die Afrikaner die Serie von 353 Minuten der Ukrainer ohne Gegentreffer. Am Ende wurden sie für ihren mutigen und offensiven Fussball belohnt, als sie sich vor allem dank eines herausragenden Ibou Sy im Elfmeterschießen durchsetzten.

Die Ergebnisse* *Ghana- Mali 0:3 Serbien - Ungarn 2:1 n.V. USA - Kolumbien 1:0 Ukraine - Senegal 1:1 (1:3 i.E.)

Das Tor des Tages*Ghana - Mali, 0:1, Samassekou (20.) Die beiden Teams suchten im windigen Wellington noch nach ihrem Rhythmus, als Adama Traoré und Diadie Samassekou einen tollen Spielzug aus dem Ärmel zauberten, der zum ersten Tor der Malier führte. Samassekou zog in Richtung Zentrum, sah Traoré, und dann begann die Show: doppelter Doppelpass in vollem Tempo unter Ausnutzung des zur Verfügung stehenden Raums, und der Spieler mit der Nummer acht vollstreckte im Strafraum mit einem satten Flachschuss in die Ecke. Ein Tor, das den jungen Adlern* zum ersten Mal seit 1999 den Weg ins Viertelfinale der U-20-WM ebnete.

Besondere Momente*Irren ist menschlich - und grausam *Wie der ohne Unterlass weinende Attila Talabér im Forsyth Barr Stadium von Dunedin auf dem Rasen sitzt und den Kopf zwischen den Beinen vergraben hat, ist schon jetzt eines der bewegendsten Bilder der WM. Kann es etwas Grausameres geben, als eine Achtelfinalpartie, in der man bis zur 90. Minute geführt hatte, in der Verlängerung zu verlieren? Ja: sie in der 118. Minute durch ein Eigentor zu verlieren. Der ungarische Verteidiger war zu Tode betrübt, nachdem er den 1:2-Siegtreffer für die Serben verschuldet hatte. Er wollte eine Hereingabe abwehren und traf den Ball so unglücklich, dass er sich über seinen Torhüter Gyorgy Szekely hinweg ins lange Eck senkte. Der Innenverteidiger war so untröstlich, dass sogar der spanische Schiedsrichter Mateu Lahoz zu ihm ging, um ihn aufzumuntern.

Hände und Herz eines Champions Der senegalesische Torhüter Ibou Sy gehört zu den auffälligsten Persönlichkeiten der WM. Der extrovertierte Schlussmann mit den orange gefärbten Haarspitzen pflegt einen exzentrischen Stil. Am heutigen Tag wehrte er drei Elfmeter ab, und damit wäre eigentlich schon fast alles gesagt. Doch eine andere Aktion rundet das Bild von ihm besonders schön ab. In der zweiten Hälfte der Verlängerung des WM-Achtelfinales zögerte er nicht, mehrere Meter weit zu laufen, um dem ukrainischen Torjäger Viktor Kovalenko, der mit Beinkrämpfen zu Boden gesunken war, beim Dehnen zu helfen. Dafür erhielt er einen verdienten Applaus.

Schieß in die rechte Ecke Nicht nur Senegal verfügt über einen Torhüter, der immer dann zur Stelle ist, wenn es brennt. Auch die U.S.-Amerikaner wissen, was sie an Zackary Steffen haben. Der Keeper verhalf seiner Mannschaft schon in der Qualifikation durch einen gehaltenen Elfmeter gegen El Salvador beim Stand von 1:0 zum WM-Ticket. In Wellington waren nur noch neun Minuten zu spielen, als sein Team einen Spieler durch Platzverweis verlor und der Kolumbianer Jarlan Barrera zum Punkt schritt - Steffen warf sich erneut nach rechts und parierte!

Die Zahl des Tages 18- So viele Spiele hat Sellas Tetteh bei der FIFA U-20-Weltmeisterschaft gecoacht. Der ghanaische Nationaltrainer hat somit die viertmeisten Spiele bei diesem Wettbewerb absolviert und überholte damit den Spanier Iñaki Sáez (17). Die Niederlage gegen Mali verdammte ihn indes dazu, mindestens zwei weitere Jahre darauf zu warten, um auch den Spanier Jesús María Pereda (19) einzuholen.

Das Zitat des Tages"Dieses Team hat schon viele Treffer in den letzten Minuten erzielt, weil es immer bis zum Schluss kämpft. Wir haben 21 Löwen im Team, die mit Leib und Seele dabei sind und auf dem Platz alles geben. Wir haben immer darauf vertraut, dass es klappt, und immer an uns geglaubt. Als wir den Ausgleichstreffer erzielt haben, sagte ich: 'Das Ding haben wir gewonnen.' Die Jungs habe ich aufgefordert, auf ihre Chance zu warten, die sich sicher ergeben würde. Schließlich hatten wir die Chance, und wir haben sie genutzt. Wir sind weiterhin dabei." Veljko Paunovic (Trainer, Serbien)

So geht es weiter Donnerstag, 11. Juni 2015 (alle Angaben in Ortszeit)

Achtelfinale Österreich - Usbekistan (16:00 Uhr, Whangarei) Deutschland - Nigeria (16:00 Uhr, Christchurch) Portugal - Neuseeland (19:30 Uhr, Hamilton) Brasilien - Uruguay (19:30 Uhr, New Plymouth)