Shoukri: Nur der Sieg zählt

5. Okt. 2009

Noch vor zwei Monaten wurde Ägyptens Trainer Miroslav Soukup von den heimischen Medien wegen der schwachen Leistung seiner Schützlinge in einem Freundschaftsturnier in der Republik Korea kritisiert. Viel dieser Kritik entzündete sich dabei an der Entscheidung, so kurz vor einem großen Turnier noch einer Reihe von Spielern aus dem weiteren Umfeld eine Chance zu geben.

Heute jedoch ist klar, dass der Nachwuchs aus dem Land der Pharaonen trotz der Niederlage gegen die koreanischen Gastgeber davon profitiert hat. Ein Wesenszug des erfolgreichen Marsches durch die Vorrunde der FIFA U-20-Weltmeiserschaft 2009 war die Fähigkeit jedes einzelnen Spielers, zu schwimmen, wenn er ins kalte Wasser geworfen wurde. Letztlich ist Soukups Vorbereitungstaktik damit also aufgegangen.

Erfahrung hat der Mann indes auch genug: Vor zwei Jahren führte er sein Heimatland, die Tschechische Republik, zur Endrunde in Kanada. Er weiß allein deshalb nur zu gut, dass ein Kader über Qualität in der Tiefe verfügen muss, um Titel holen zu können. Bester Beweis war das Alles-oder-nichts-Spiel in der Gruppe gegen Italien.

Mit Blei in den Beinen Einzig ein Sieg garantierte da das Weiterkommen und Ägypten ging ohne eine ganze Reihe Stammspieler in die Partie. Ahmed Hegazy, Salah Soliman und Mahmoud Toba fehlten verletzt, Hussam Arafat war gesperrt und Mittelfeldspieler Mostafa Galal von ENPPI nicht fit. Gemessen daran war der Erfolg der Gastgeber geradezu historisch. Hesham Mohamed wurde gleich bei seinem Debüt zum besten Spieler der Partie gewählt, und auch bei den Torschützen Ahmed Shoukri und Bogy war von mangelnder Erfahrung nichts zu sehen oder zu spüren.

Auf die Frage von FIFA.com, wie er mit den massiven Erwartungen und der Last der Verantwortung umgegangen sei, sagt Ahmed Shoukri: "Die Situation war natürlich ganz anders, als auf der Ersatzbank zu sitzen. Plötzlich begann ich ein Spiel unter dem Jubel von 60.000 Fans. Das ist unglaublich aufregend und gibt dir einen riesigen Schub."

Der Mittelfeldspieler von Al Ahly gibt allerdings auch zu, dass das Spiel gegen Italien so ganz ohne Probleme nicht gewesen ist. "In den ersten zehn Minuten hatte ich Blei in den Beinen, weil ich die Verantwortung gegenüber den Zuschauern spürte. Mit zunehmender Spieldauer wurde ich dann aber ruhiger und habe mich auf das konzentriert, was zählte: der Sieg."

Spannung und Tore Nach seinen zwei Toren im ersten Durchgang ließ Shoukri dann nach der Pause verständlicherweise nach. "Ich hatte mich in den ersten 45 Minuten sehr verausgabt und jeden einzelnen Grashalm auf dem Feld persönlich kennen gelernt. Das lag wohl am Enthusiasmus und an der mangelnden Erfahrung mit wichtigen Spielen. In der zweiten Hälfte war ich dann entsprechend platt und musste den Ball viel öfter halten. Hinzu kam, dass wir zu weit auseinander standen, um unser Kurzpassspiel durchzuziehen. Das darf uns gegen Costa Rica nicht passieren."

Das findet auch Ahmed Fathy, Spitzname Bogy, und mahnt besseres Defensivverhalten insbesondere bei hohen Bällen an. "Wir werden zwar von Spiel zu Spiel besser, aber das Turnier wird gleichzeitig ja auch schwieriger. Ab jetzt werden wir keine zweite Chance mehr bekommen, also dürfen wir auch nicht mehr dieselben Fehler machen."

Der Stürmer freut sich nach eigenem Bekunden auf die Partie gegen Costa Rica, hat aber auch größten Respekt vor den Mittelamerikanern. "Sie spielen einfachen, attraktiven Fussball und stellen sich nicht wie einige unserer bisherigen Gegner einfach nur hinten rein. Auch wenn ich vielleicht nicht von Anfang an spiele - ich rechne mit einem spannenden Spiel und vielen Toren."

Der Traum von Europa Beide Torschützen wollen mit Ägypten natürlich weiter im Turnier bleiben. Was danach kommt, darüber haben sie jedoch unterschiedliche Vorstellungen. Shoukri will sich einen Stammplatz bei Al Ahly erobern. Diese Chance sieht Bogy bei Zamalek nicht, weil er die beiden routinierten Nationalspieler Amr Zaky und Mido vor sich hat. Er hofft deshalb auf einen Wechsel nach Europa.

Für Ägypten war es schon jetzt ein denkwürdiges Turnier. Mit dieser Mannschaft und den vielen erfolgshungrigen Youngsters könnte es noch lange weitergehen.