Ohandza: Ein Thai unter den Löwen

Wenn es einen Spieler gibt, der bei Kamerun aus der Masse hervorsticht, dann ist es zweifelsohne schon aufgrund seines Namens Franck Ohandza Zoa.

Nach der Punkteteilung gegen die Neuseeländer und einer späten Niederlage gegen Portugal sind die Unzähmbaren Löwen auf den letzten Platz der Gruppe B bei der FIFA U-20-WM 2011 in Kolumbien abgerutscht. Doch das junge Nachwuchstalent hat den Traum vom Einzug in die K.o.-Runde noch nicht aufgegeben. "Das wird schwer gegen die Uruguayer, zumal auch die unbedingt einen Sieg brauchen. Wir werden aber alles geben, da wir wissen, dass das unsere letzte Chance ist", so Ohandza Zoa exklusiv gegenüber FIFA.com.

Wenn es darum geht, sich reinzuknien, kann dem 19-Jährigen kaum einer etwas vormachen. Erst ein Jahr ist es her, dass Ohandza Zoa das elterliche Haus in der kleinen zentralkamerunischen Ortschaft Ngong verlassen hat. Seine Karriere wäre beinahe relativ unaufgeregt verlaufen: "Ich stand bei Daga Sport Douala unter Vertrag und habe auf einmal den Eindruck gehabt, eine neue Erfahrung machen zu müssen. Ich habe in Europa hier und dort vorgespielt und wurde schließlich vom FC Brügge verpflichtet", erzählt er.

Neun Tore in der thailändischen LigaDer belgische Klub sollte seine Neuverpflichtung allerdings gleich wieder ausleihen. Das Ziel der Reise war indes alles andere als alltäglich: Ohandza Zoa wechselte zu Beriram PEA nach Thailand. Eine Entscheidung, auf die wohl jedes junge Talent, das nach Europa kommt, um einmal in der UEFA Champions League zu spielen, sicherlich mit Kopfschütteln reagiert hätte. Nicht so Franck. "Das ist eine gute Erfahrung, da die Liga dort viel lebhafter ist als in Kamerun. Für den Anfang ist das gut", urteilt er. Bislang kann sich seine Bilanz in der thailändischen Liga auch durchaus sehen lassen: Mit neun Treffern an 17 Spieltagen gehört er zu den fünf besten Torjägern der Thaï League. Zudem thront sein Klub derzeit souverän an der Tabellenspitze.

Obwohl er alleine in das ihm fremde Land aufgebrochen ist, fühlt er sich in Südostasien pudelwohl. Dies liegt auch daran, dass in Thailand zahlreiche Auslandslegionäre aus Brasilien, Ghana und der Elfenbeinküste spielen, was die Eingewöhnung deutlich erleichtert hat. Ziel bleibt aber die Rückkehr auf den Alten Kontinent, wofür sich Ohandza mächtig ins Zeug legt. "Ich schiebe zusätzliche Einheiten und zwinge mich dazu, mehr als die anderen zu trainieren - mindestens zwei Mal am Tag, denn das ist ein Muss, wenn ich in Europa groß rauskommen will."

"Uns fehlt der Kampfgeist"Für den Moment will er aber vor allem diese WM nicht verlassen - zumindest nicht auf diese Art und Weise. Hierfür müssen aber die bisherigen Probleme allmählich angegangen werden. "Wir müssen bescheidender und geschlossener auftreten. Außerdem reden wir zu wenig auf dem Platz. Es ist nicht das fehlende Talent. Ich glaube sogar, dass wir im Grunde stärker sind als beim CAF Afrikanischen Nationen-Pokal. Allerdings fehlt uns der Kampfgeist", gesteht der Angreifer offen ein.

Man kann auf ihn zählen, wenn es darum geht, einen Teil seiner ungeheuren Energie auf die Mannschaftskameraden zu übertragen. Der Spieler, der von sich selbst behauptet, dass er es "liebt, den Ball zu führen" und betont, dass "die Spritzigkeit seine große Waffe ist", weiß aber auch, dass er seinen Abschluss noch verbessern muss. Er sagt, dass er daran arbeite - und man glaubt es ihm sofort. Bleibt die Frage, ob sich die Mühe bereits gegen Uruguay auszahlt.