Nigeria und Saudiarabien auf Erfolgskurs

ZUSAMMENFASSUNG DES TAGES – Während die Tore an den beiden ersten Spieltagen noch Mangelware waren, sorgten die beiden Nachmittagsspiele des dritten Tages in Kolumbien 2011 dafür, dass die Torquote spürbar nach oben schnellte. Die Nigerianer brannten gegen Guatemala ebenso ein Offensiv-Feuerwerk ab wie die Spanier, die Costa Rica mit 4:1 abfertigten.

Mit drei Niederlagen, einem Remis und zehn Gegentoren bei keinem einzigen eigenen Treffer bleiben die Vertreter der CONCACAF-Zone seit Beginn dieser FIFA U-20-WM weiter ohne Sieg – eine bislang enttäuschende Bilanz. Die Guatemalteken werden ihr allererstes WM-Spiel in dieser Alterskategorie, in dem sie von den Flying Eagles aus Nigeria mit 5:0 förmlich vom Platz gefegt wurden, sicher noch lange in Erinnerung behalten. Kleiner Trost für die CONCACAF: Der exakt 17 Jahre und 193 Tage alte John Ruiz erzielte den Ehrentreffer für Costa Rica und avancierte damit zum bislang jüngsten Torschützen in der Turniergeschichte.

Die Nigerianer konnten ihrerseits die bisher nicht gerade berauschende afrikanische Bilanz – Mali verlor gegen Korea Republik, Kamerun kam gegen Neuseeland ebenso wie Ägypten gegen Brasilien nicht über ein Remis hinaus – deutlich verbessern. Im Übrigen steuerte Angreifer Edafe Egbedi gleich zwei Tore zum nigerianischen Sieg bei und zog damit in der Torschützenliste mit Rodrigo und Luis Muriel gleich. Sicherlich eine willkommene Empfehlung für ihn, zumal er im Moment ohne Verein dasteht. Den wohl größten Coup dieses Spieltages landete indes Saudiarabien, das gegen Kroatien gewann und so endlich eine 22 Jahre andauernde Durststrecke bei diesem Turnier beenden konnte.

Ergebnisse Gruppe D Nigeria - Guatemala 5:0 Kroatien - Saudiaabien 0:2

Gruppe C Costa Rica – Spanien 1:4 Australien – Ecuador 1:1

Tor des Tages Costa Rica - Spanien, Koke (81.) Auch wenn es das Ergebnis nicht widerspiegelt, Spanien hatte gegen Costa Rica zunächst einige Mühe, zum eigenen Spiel zu finden. Umso größer war die Erleichterung, als die Iberer einen von seiner Entstehung her wunderbaren Treffer erzielten. Nachdem Isco von der linken Seite einen langen Ball in die Mitte geflankt hatte, leitete Alvaro Vázquez das Leder per Kopf perfekt auf Koke weiter, der den Ball schließlich unhaltbar im Netz versenkte.

Momente des Tages Mamie do Brasil: Aus spanischer Sicht hatte der verletzungsbedingte Ausfall von Topspieler Sergio Canales kurz vor dem Turnier für große Unruhe gesorgt. Außer bei Rodrigo, dem die schwierige Mission übertragen wurde, diesen Ausfall zu kompensieren. In der Partie gegen Costa Rica stellte der gebürtige Brasilianer mit spanischem Pass unter Beweis, dass er mehr als nur ein bloßer Ersatz ist und steuerte auf Anhieb zwei Tore zum Sieg seiner Mannschaft bei. Darüber freute sich auch seine brasilianische Großmutter, die – eingehüllt in eine selbst gefertigte spanische Flagge – das Geschehen auf dem Rasen live im Stadion verfolgte. "Ich bin sehr bewegt, ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie sehr ich mich gefreut habe, als ich sah, dass mein Enkel traf", so die Großmutter im kolumbianischen Fernsehen.

Ohne Hände: Nigerias Torhüter Dami Paul wollte sich offenbar am Offensiv-Festival der Flying Eagles beteiligen, als er in der 66. Minute seinen Kasten verließ, um zwei Gegenspielern den Ball abzuluchsen. Dass es ihm auch gelang, spricht für das Selbstvertrauen des Afrikameisters, der außer dem Ergebnis auch etwas für die Show tun möchte. Eine Aktion, die zwar die Zuschauer in Armenia begeisterte, bei seinem Trainer John Obuh aber sicher auf weniger Zustimmung stieß…

AUSSIE, AUSSIE, AUSSIE: Als Ecuador in der 24. Minute mit 1:0 in Führung ging, wurde es auf den Rängen des Stadions von Manizales plötzlich still. Ein echter australischer Fan lässt sich davon allerdings kaum beeindrucken. Mitten in die Stille rief einer von ihnen: "Aussie, Aussie, Aussie!", worauf die restlichen Fans im Chor erwiderten: "Oi, Oi, Oi!". Das kolumbianische Publikum fand es lustig und quittierte den Gesang der Fans vom anderen Ende der Welt* *mit lebhaftem Beifall. Mit dem Ergebnis, dass die Australier zwei Minuten vor Schluss durch ein herrliches Freistoßtor von Thomas Oar noch ausgleichen konnten.

Ende der Durststrecke: Saudiarabien hatte seit 1989 bei FIFA U-20-Weltmeisterschaften von neun Spielen kein einziges mehr gewinnen können. Diese Negativserie ist jetzt endlich beendet. Mehr noch: Dank eines überzeugenden 2:0-Sieges über Kroatien gelang es den Arabern als erstes asiatisches Team überhaupt, den Kroaten eine Niederlage im Rahmen eines WM-Turniers – unabhängig welcher Art – beizubringen. Kroatien kann sich seinerseits mit einem Schicksalswink aus der Turniergeschichte trösten: zuletzt hatte Saudiarabien gegen Portugal, den späteren Sieger der Turnierauflage von 1989, gewonnen.

Statistik 1.900 – So viele Tore sind seit der ersten Auflage der FIFA U-20-Weltmeisterschaft 1977 insgesamt gefallen. Der bislang jüngste Torschütze ist Spaniens Rodrigo.

So geht es weiter Am 1. August beginnt die zweite Spielrunde der Gruppenphase. In Barranquilla stehen die Begegnungen zwischen Ägypten und Panama sowie zwischen Brasilien und Österreich auf dem Programm. In Medellín kommt es zum Duell zwischen Mexiko und der DVR Korea sowie zum Klassiker Argentinien-England.