Lalpekhlua: "Die U-17-WM ist eine große Chance"

Indien ist in den Niederungen der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste angesiedelt und hat selbst auf kontinentaler Ebene zu kämpfen. Tatsächlich wusste das zweitbevölkerungsreichste Land der Erde in den letzten vier Jahrzehnten auf der internationalen Bühne kaum zu überzeugen. Indien hat Asien noch nie bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ repräsentiert und ist bei den letzten beiden Auflagen des AFC Asien-Pokals nicht über die Gruppenphase hinausgekommen.

Diese Bilanz gibt keinerlei Aufschluss über das enorme Potenzial und die große Fussball-Leidenschaft des Landes. Nun darf Indien 2017 die nächste FIFA U-17-Weltmeisterschaft ausrichten, und der Traum von der ersten Teilnahme an einem FIFA-Turnier wird endlich wahr.

Für den Gastgeber bietet sich damit laut Indiens Stürmerstar Jeje Lalpekhlua eine hervorragende Gelegenheit, sich mit der Weltelite zu messen und die Entwicklung des Landes voranzutreiben. "Ich bin sehr glücklich darüber, dass wir die Chance bekommen, die FIFA U-17-Weltmeisterschaft auszurichten", so der 25-jährige indische Nationalstürmer, der auf Vereinsebene für Mohun Bagan aktiv ist, im Gespräch mit FIFA.com. "Für unser Land ist es der erste FIFA-Wettbewerb, da wir als Gastgeber automatisch qualifiziert sind. Ich hoffe, wir können mit den Auftritten unserer Jugendmannschaft und der Gastfreundschaft, mit der die Menschen hier die teilnehmenden Teams und Gäste aus aller Welt willkommen heißen werden, einen guten Eindruck hinterlassen."

"Wir waren einmal die Fussballmacht in Asien", fügt er hinzu und bezieht sich dabei auf Indiens Glanztage in den 1950ern und 1960ern, als das Land bei den Asien-Spielen zwei Mal die Goldmedaille errang und beim AFC Asien-Pokal den zweiten Platz belegte. "Seitdem hat sich sehr viel verändert. Teams wie Japan und die Republik Korea haben sich dank großer Investitionen in den Fussball unter der Elite des Kontinents etabliert."

"Wir haben im Hinblick auf die Bevölkerung großes Potenzial, und wenn wir ausreichende Investitionen in unsere Infrastruktur und Einrichtungen tätigen, können wir große Fortschritte erzielen. Es gibt für uns noch viel zu tun, und die U-17-Weltmeisterschaft bietet die Chance, den Neuaufbau mit Schwung anzugehen."

Chance auf der großen Bühne Laut Lalpekhlua bietet die nächste FIFA U-17-Weltmeisterschaft den jungen Talenten in Indien die einmalige Gelegenheit, aus dem Schatten zu treten und sich zu entwickeln. Seine Erwartungen an den ersten Auftritt Indiens auf der Weltbühne sind nachvollziehbar. Schließlich konnte er selbst seinerzeit im regionalen Wettbewerb auf sich aufmerksam machen, nämlich bei den Südostasien-Spielen 2010.

Vor sechs Jahren hatte Lalpekhlua, ein Teenager in Diensten von Puna, das Glück, an dem regionalen Wettbewerb teilnehmen zu können, weil der indische Fussballverband AIFF beschlossen hatte, die U-19-Auswahl anstelle des U-23-Teams zu entsenden. Da die Inder drei bis vier Jahre jünger waren als ihre Gegner, hatten sie keine hohen Erwartungen an das Turnier und wollten lediglich international im Rampenlicht stehen. Doch dann überraschten Lalpekhlua und seine Teamkameraden selbst die eigenen Fans, als sie ins Halbfinale einzogen. Der klein gewachsene Stürmer erzielte beim 5:1-Sieg gegen Pakistan einen Hattrick und schoss sein Team damit unter die letzten Vier.

Dieser Auftritt erwies sich als Sprungbrett für Lalpekhlua, der mit Zwischenstation in der U-23-Auswahl 2012 den Sprung in die A-Nationalmannschaft seines Landes schaffte. Bislang hat er bei 34 Länderspielauftritten zwölf Treffer erzielt, eine Bilanz, mit der er zu den Besten Indiens gehört. Für seinen Klub hat er in dieser Saison ähnlich beeindruckende Leistungen gebracht. Der formstarke Stürmer traf sechs Mal für Mohun Bagan, das die zweite Runde des laufenden AFC-Pokals erreichte.

Rückblickend schreibt Lalpekhlua seine reibungslose Entwicklung in der Jugend dem ehemaligen indischen Nationaltrainer Bob Houghton zu. "Er ist ein hervorragender Trainer", erklärt er mit Blick auf den Engländer, der das indische Nationalteam von 2006 bis 2011 betreute. "Er und sein Assistent Colin Toal haben die U-19-Auswahl trainiert, und ich habe unter ihnen gute Fortschritte gemacht. Coach Houghton hat mich bald in die A-Nationalmannschaft berufen, und dann bin ich in der Qualifikation für die SAFF-Meisterschaft (2011) und in anderen internationalen Wettbewerben zum Einsatz gekommen. Ich war damals sehr jung und habe mich während seiner Amtszeit sehr verbessert."

Väterliche Führung** **Großen Einfluss auf Lalpekhluas Entwicklung hatte auch sein Vater, ein ehemaliger Star des Klubs seiner Heimatstadt Mizoram. Tatsächlich ist es in Indien recht bekannt, dass Lalpekhlua sein Debüt für den Klub gab, nachdem sein Vater die Fussballschuhe wenige Monate zuvor an den Nagel gehängt hatte.

"Alles, was ich erreicht habe, habe ich meiner Familie zu verdanken. Sie haben mich ermutigt, als ich beschlossen habe, eine Fussballkarriere einzuschlagen. Außerdem haben sie mich immer unterstützt, obwohl es in meiner Karriere Höhen und Tiefen gab. Es gibt andere Nachwuchsspieler, die nicht das Glück haben, von ihrer Familie unterstützt zu werden, aber bei mir steht die gesamte Familie hinter mir."

In 15 Monaten startet das erste FIFA-Turnier in Indien, und Lalpekhlua setzt große Hoffnungen in die Jugendauswahl des Landes. "Ich würde den Rat geben, weiterhin hart zu arbeiten und ihre Träume nicht aufzugeben. Ein junger Spieler mag über Talent und Potenzial verfügen, doch man muss trotzdem hart arbeiten. Der Weg zum Erfolg ist steinig, und man sollte sich auf Rückschläge einstellen."