Córdova: "Immer auf Tore aus"

2. Aug. 2021
  • Córdova wusste gegen die Republik Korea rundherum zu überzeugen

  • Vielseitiger Mittelfeld-Allrounder

  • "Hoch motiviert für das Brasilien-Spiel"

Alles begann mit einem Rat seines Vaters in der Kindheit. Er sagte ihm nämlich sinngemäß, er müsse lernen, mit beiden Füßen zu schießen. Diesen Rat befolgte Sebastián Córdova. Der 24-Jährige war schon immer ein begnadeter Linksfuß, doch im Laufe seiner noch jungen Karriere hat er mit viel Einsatz daran gearbeitet, seine Schussstärke mit rechts zu perfektionieren. Das Ergebnis ist ein offensiver Mittelfeld-Allrounder, der für seine Gegenspieler beim Olympischen Fussballturnier der Männer Tokio 2020 schwer auszurechnen ist. "Weil ich beidfüßig bin, kann ich einen ziemlich großen Beitrag leisten. Manchmal bekomme ich den Ball auf den rechten Fuß und muss ihn mir nicht mehr zurechtlegen. Ich schieße oder passe einfach mit dem Fuß, mit dem ich den Ball gerade annehmen kann. So kann ich schneller denken und handeln", erklärt Córdova in einem Exklusiv-Interview mit FIFA.com. Er untermauert seine Aussage mit einem einfachen Beispiel. Gegen die Republik Korea bekam Mexiko gegen Ende der ersten Halbzeit einen Elfmeter zugesprochen, den Córdova ausführte und sicher zum 3:1 verwandelte – und zwar mit rechts.

YOKOHAMA, JAPAN - JULY 31: Sebastian Cordova #17 of Team Mexico scores their side's third goal from the penalty spot past Bumkeun Song #1 of Team South Korea during the Men's Quarter Final match between Republic Of Korea and Mexico on Day 8 of the Tokyo 2020 Olympic Games at International Stadium Yokohama on July 31, 2021 in Yokohama, Tokyo, Japan. (Photo by Alex Grimm - FIFA/FIFA via Getty Images)

"Ich hatte schon seit einiger Zeit Rechtsschüsse geübt und fühlte mich sicher. So kann ich meine Statistik verbessern und schieße nicht immer auf die gleiche Weise, falls man mich analysiert hat", meint er rückblickend auf den Treffer, den er im Stil von Cuauhtémoc Blanco bejubelte. Damit erregte er Aufsehen in den sozialen Medien, weil er zuvor bereits einen Torjubel nach dem Vorbild des Argentiniers Lionel Messi hingelegt hatte.

Im zweiten Durchgang lieferte Córdova die Vorlage für den vierten Treffer der Mexikaner und erzielte den fünften mit einem spektakulären Linksschuss aus der Distanz. Den sechsten Treffer von El Tri sah er dann von der Bank aus.

YOKOHAMA, JAPAN - JULY 31: Bumkeun Song #1 of Team South Korea fails to save the Team Mexico fifth goal scored by Sebastian Cordova #17 during the Men's Quarter Final match between Republic Of Korea and Mexico on Day 8 of the Tokyo 2020 Olympic Games at International Stadium Yokohama on July 31, 2021 in Yokohama, Tokyo, Japan. (Photo by Alex Grimm - FIFA/FIFA via Getty Images)

Die Anzahl der Tore ist zweifellos überraschend, insbesondere wenn man bedenkt, dass die Republik Korea zuvor nur einen einzigen Gegentreffer im ersten Spiel kassiert und den Kasten in den restlichen Spielen sauber gehalten hatte. "Das ist unsere Spielidee. Wir wissen genau, worum es geht, und sind immer auf Tore aus. Wenn wir uns dem gegnerischen Strafraum nähern, sind wir sicher und abschlussstark."

Gegner mit großer Tradition

Im Halbfinale hält das Schicksal für die Mexikaner einen starken Gegner bereit, nämlich den amtierenden Olympiasieger Brasilien, einen "alten Bekannten", gegen den die Nordamerikaner 2012 in London die Goldmedaille gewonnen haben. "Wir gehen hoch motiviert in das Spiel gegen Brasilien. Auf solche Spiele freut sich ganz Mexiko, die Fans ebenso wie die Spieler. Wir wollen auf dem Platz Spaß haben und alles geben." Die Situation ist jetzt allerdings aufgrund der COVID-19-Pandemie eine ganz andere als noch vor neun Jahren. "Das fühlt sich alles sehr abgeschottet an, irgendwie gedämpft. Aber es ist auf jeden Fall sehr schön, hier zu sein. Schließlich sind das immer noch die Olympischen Spiele mit allen sportlichen Disziplinen – nur eben ohne Zuschauer. Vor Kurzem habe ich mir die Dokumentation über Mexiko bei den Spielen 2012 in London angeschaut, und die Fans waren einfach unglaublich. Man spürt den Vibe. Trotzdem gefällt mir das alles hier in Tokio sehr gut."

Keine Änderung der Spielweise

Trotz der Größenordnung des Gegners will El Tri nicht von seiner Linie abweichen und bei einer Spielweise bleiben, die dem Team 14 Tore in vier Spielen eingebracht hat. Diese Anzahl soll nun gegen die Verdeamarela noch erhöht werden. "Wir werden genauso weitermachen wie bisher. Wir werden mit einer guten Einstellung an die Sache herangehen, mit der Überzeugung, dass wir gewinnen können, und alles für die Mannschaft geben."

YOKOHAMA, JAPAN - JULY 31: Luis Romo #7 of Team Mexico celebrates with teammates Joaquin Esquivel #16, Uriel Antuna #15, Vladimir Lorona #6, Henry Martin #9 and Sebastian Cordova #17 after scoring their side's second goal during the Men's Quarter Final match between Republic Of Korea and Mexico on Day 8 of the Tokyo 2020 Olympic Games at International Stadium Yokohama on July 31, 2021 in Yokohama, Tokyo, Japan. (Photo by Alex Grimm - FIFA/FIFA via Getty Images)

Bald wird der Ball wieder rollen. Und in dieser entscheidenden Phase des Turniers könnte sich durchaus Nervosität breitmachen. Doch die Mexikaner scheinen davor gefeit zu sein und bereiten sich auch mental optimal vor, um jede Unkonzentriertheit zu vermeiden. "Wir haben auch eine Psychologin vom Nationalteam, aber jeder Spieler kann selbst entscheiden, ob er sie konsultiert. Für mich ist das Team in einer sehr guten Verfassung. Wir sind hoch konzentriert und von Nervosität keine Spur. Allerdings sind wir sehr motiviert und haben Lust, über uns hinauszuwachsen." Diese Generation mexikanischer Fussballer ist erfolgshungrig und möchte weiter Geschichte schreiben. "Wir möchten, dass die Welt sieht, dass wir in Mexiko alles haben, was man zum Siegen braucht. Wir wollen den Schwung mitnehmen, die Olympiade gewinnen und nächstes Jahr in Katar gut abschneiden. Die Leute sollen sehen, dass Mexiko eine Weltmacht ist." Sebastián Córdoba ist bereit, sein ganzes Talent in den Dienst der Mannschaft zu stellen – mit Vorlagen, Toren mit rechts, Toren mit links, aus der Distanz und vom Elfmeterpunkt. Bei einer Sache ist er sich allerdings noch nicht sicher, nämlich beim nächsten Torjubel. "Ich muss mal sehen, welcher gut geeignet ist", meint er lachend.