Marokkos Trainer Hicham Dguig träumt vom Erfolg in Litauen

11. Sept. 2021
  • Marokko trifft zunächst auf Portugal, Thailand und die Salomon-Inseln

  • Der zweimalige Afrikameister hat bislang noch keinen Punkt bei einer Futsal-WM geholt

  • Hicham Dguig hofft auf ein besseres Abschneiden in Litauen 2021

In den letzten Jahren hat die marokkanische Auswahl große Erfolge feiern können. So gewannen die Nordafrikaner die letzten beiden Afrikameisterschaften 2016 und 2020 und qualifizierten sich zum dritten Mal in Folge für die FIFA Futsal-Weltmeisterschaft™.

FIFA.com sprach mit Marokkos Trainer Hicham Dguig, über diese bislang größten Erfolge.

"Die Erfolge auf unserem Kontinent sind auf harte Arbeit zurückzuführen. Ich habe zwischen 2015 und 2019 einen Plan entwickelt, der uns geholfen hat, den Titel bei der Futsal-Afrikameisterschaft 2016 zu holen. Danach habe ich mich um die Ausbildung der Trainer beim marokkanischen Fussballverband als FIFA-Experte und Verantwortlicher für die Weiterbildung in Afrika gekümmert. Diese Tätigkeit hat mich vieles viel klarer sehen lassen, sei es im Management oder in den Bereichen Technik und Training", erzählt er.

"Gegenwärtig verfolgt man die gleiche Spielweise im ganzen Land, dieselbe Philosophie in Angriff und Verteidigung. Die Arbeit, die wir investiert haben, hat es uns erlaubt, zwei Mal die Afrikameisterschaft und den Arabien-Cup zu gewinnen. Diesen letzten Titel haben wir im Mai in Ägypten geholt", merkt Hicham Dguig an.

Trotz dieser großen Erfolge auf dem eigenen Kontinent, ist die WM-Bilanz mehr als bescheiden. So schied Marokko bei den letzten beiden Auflagen der FIFA Futsal-WM in Thailand 2012 und Kolumbien 2016 bereits in der ersten Runde aus. Warum hat man auf der ganz großen Bühne bislang nicht glänzen können?

"Ein Grund waren die fehlenden Wettbewerbe. Es gibt beispielsweise keine afrikanische Champions League im Futsal. Es gibt nur alle vier Jahre einen Afrika-Cup, der manchmal aber auch abgesagt wird und nicht stattfindet. 2012, als wir uns vorbereiteten, um die Futsal-WM in Thailand zu spielen, fiel der Afrika-Cup aus und so bestritten wir direkt die Qualifikationsrunde und qualifizierten uns für die Endrunde in Thailand", erzählt Hicham Dguig.

Bittere Erinnerung

Die Auswahl Marokkos wurde 2012 in Thailand erstmals von Hicham Dguig betreut, schied jedoch noch in der ersten Runde aus. Der Trainer erinnert sich an jenes Turnier und spricht von den Gründen für das schlechte Abschneiden.

"Einen Monat vor dem Turnier in Thailand war unsere Auswahl in einen schweren Verkehrsunfall verwickelt, bei dem wir die beiden besten Spieler des Teams verloren. Ich verletzte mich dabei selbst auch an der Wirbelsäule. Und das alles einen Monat vor Beginn der WM. Ich wusste nicht, ob ich wieder gehen können würde, viele Spieler erlitten schwere Verletzungen und wir standen kurz davor, das Turnier abzusagen. Wir gingen praktisch ohne Vorbereitung in jene WM und deswegen haben wir 2012 keine guten Leistungen gezeigt", erinnert er sich.

Im Vergleich zu 2012 waren die Ergebnisse Marokkos in Kolumbien 2016 besser. Worauf war die Steigerung zurückzuführen?

"2014 wurde Fouzi Lekjaa zum Präsidenten des marokkanischen Fussballverbandes gewählt. Man könnte sagen, dass wir ihm alles zu verdanken haben, denn er misst dem Futsal, bis dahin nur eine Randsportart in Afrika, besondere Bedeutung bei", glaubt er.

"Wir haben angefangen, monatliche Trainingslager auszurichten. Wir holten den Afrika-Cup in Südafrika, konnten uns jedoch nicht gut auf die WM in Kolumbien vorbereiten. Leider haben wir kein einziges Vorbereitungsspiel bestreiten können. Beim Turnier konnte man dann sehen, wie hoch das Niveau vieler Auswahlmannschaften war, wie zum Beispiel der von Aserbaidschan. Dennoch haben wir uns im Verlauf des Turniers steigern können. Das zeigt auch, wie wichtig Freundschaftsspiele in der Vorbereitung sind", betont der Trainer der marokkanischen Auswahl.

"Im zweiten Spiel gegen die IR Iran verloren wir mit 3:5, zeigten aber eine gute Leistung und standen kurz davor, ein Remis oder sogar einen Sieg zu holen. Dann verloren wir einen Spieler durch Platzverweis und das gab unserem Gegner den entscheidenden Vorteil. Gegen Spanien boten wir eine starke Partie und Adil Habil erzielte dabei eines der drei schönsten Tore des Turniers", erinnert er sich.

Head Coach Hicham Dguig of Morocco shouts instructions to his players

Wie kommt es dennoch, dass man auf dem eigenen Kontinent so stark aufspielt, aber die erste Runde bei einer WM bisher nicht überstand?

"Meiner Ansicht nach gibt es keinen Widerspruch zwischen den Ergebnissen beim Afrika-Cup und bei einer WM. Das sind einfach unterschiedliche Dimensionen. Wir sind nun einmal die beste Auswahl auf dem Kontinent, verfolgen eine klare Strategie und werden auch vom Verband unterstützt. Aber die Gegner in Afrika sind nicht so stark, sieht man einmal von Ägypten, Angola, Mosambik und Libyen ab. Was die Vorbereitungen angeht, sind wir unseren Gegnern dort überlegen", glaubt er.

Eine schwere Gruppe

In Litauen trifft Marokko in der Gruppenphase auf Portugal, Thailand, Gastgeber der WM 2012, und auf die Salomon-Inseln.

"Portugal ist Europameister und erreichte bislang immer das Halbfinale bei WM-Turnieren. Darüber hinaus hat Sporting Lissabon den Titel der besten Vereinsmannschaft in Europa geholt. Aus diesem Grund ist die portugiesische Auswahl einer der großen Favoriten auf den Turniersieg", analysiert Hicham Dguig.

"Thailand hat eine solide Mannschaft. Dort ist der Futsal sehr beliebt und es werden auch auf Vereins- und Auswahlebene viele Wettbewerbe organisiert. Es gibt eine Profiliga. Der Futsal ist in diesem Land sehr weit entwickelt und die Nationalmannschaft zählt zu den stärksten der Welt. Sie sind unser größter Rivale, was die Qualifikation für die zweite Runde angeht", fügt er hinzu.

"Die Salomon-Inseln haben auch eine bemerkenswerte Mannschaft. Ihre Bilanz im Turnier ist besser als die Marokkos. Sie sind bei derartigen Turnieren häufig dabei und haben immer wieder auch Punkte bei früheren Auflagen geholt. Wir werden ihnen mit Respekt begegnen", erklärt der Nationalcoach.

"Unsere Chancen sind die gleichen wie die der anderen Teams auch. Marokko ist ein neues Land in dieser Sportart, deswegen waren wir auch im vierten Lostopf. Unser erstes Ziel ist es, gute Spiele in diesem Turnier abzuliefern, uns gegenüber dem Abschneiden 2012 und 2016 zu steigern und konkurrenzfähig zu sein. Und wir wollen unseren ersten WM-Punkt holen. Bislang haben wir sechs Partien bestritten und alle verloren. Das dritte Ziel ist die Qualifikation für die zweite Runde. Das sind unsere Ziele, in dieser Reihenfolge", erklärt Hicham Dguig.

Hicham Dguig sprach auch darüber, dass er stolz darauf ist, Marokko zum dritten Mal in Folge zu einer Futsal-WM zu führen.

"Ich glaube, dass ich der einzige Trainer bei der Futsal-WM bin, der zum dritten Mal in Folge mit dem gleichen Team teilnimmt. Für mich als Person ist das eine Ehre und als Trainer ein besonderer Erfolg. Wir haben uns mit der marokkanischen Auswahl für die Endrunde 2012 qualifiziert. 2016 haben wir den Afrika-Cup gewonnen und anschließend das Ticket für die zweite WM geholt. Dann holten wir erneut den Afrika-Cup und schafften die dritte WM-Qualifikation. Ich bin stolz auf das Vertrauen, das unser Verband und auch die marokkanischen Fans, in mich setzen", so Hicham Dguig zum Abschluss.