Benatia: "Wollen in Gabun brillieren und wieder zur WM"

Am vergangenen 29. März fühlte sich das Publikum im Stadion von Marrakesch wie im siebten Himmel. Dank eines Doppelpacks von Youssef El-Arabi in der zweiten Halbzeit hatte Marokko den entscheidenden Sieg gegen Kap Verde davongetragen. Durch diesen Erfolg sicherte sich das marokkanische Team zwei Spieltage vor dem Ende der Gruppenphase das Ticket für den CAF Afrikanischen-Nationen-Pokal Gabun 2017. Die Atlaslöwen qualifizierten sich gar als erstes Team für die kontinentale Endrunde: Eine gelungene Wiedergutmachung für das verpasste Turnier in Äquatorial-Guinea 2015.

Mehdi Benatia leistete einen wesentlichen Beitrag zu diesem Erfolg. Im Interview mit FIFA.com sprach der Innenverteidiger über seine Hoffnung, unter dem Afrika-erfahrenen Trainer Hervé Renard, der 2012 und 2015 mit Sambia beziehungsweise Elfenbeinküste jeweils Afrikameister wurde, ein starkes Endrundenturnier zu bestreiten. "Renard hat bereits zwei Afrikameisterschaften gewonnen, aber das heißt noch nicht, dass wir in Gabun den Pokal holen werden. Wir müssen einen Schritt nach dem anderen machen. Derzeit sind wir mitten im Neuaufbau und integrieren neue Spieler. Die Mannschaft besteht aus einer Mischung aus erfahrenen und jungen Spielern, die ein beeindruckendes Potenzial haben. Wir reisen nach Gabun, um Marokko würdig zu vertreten und so weit wie möglich zu kommen. Alle Mannschaften wollen den Titel. Es würde uns sehr stolz machen, ihn zu erobern. Ohne eine solche Einstellung kann man gleich zu Hause bleiben."

Anders als die Auflage von 2015 dient die kommende Afrikameisterschaft als Qualifikation für den FIFA Konföderationen-Pokal 2017. Dies wird den Konkurrenzdruck zwischen den Mannschaften verschärfen, die ein Jahr vor Beginn des weltweiten Gipfeltreffens einige WM-Stadien kennenlernen möchten. "Wir wollen beim Konföderationen-Pokal 2017 dabei sein, ein sehr begehrtes Turnier. Doch wie schon gesagt: Wir müssen realistisch bleiben und Schritt für Schritt vorgehen. Wir werden versuchen, bei der Afrikameisterschaft so weit wie möglich zu kommen, und dann sehen wir weiter."

20 Jahre Abwesenheit Die marokkanische Auswahl konnte sich seit Frankreich 1998 nicht mehr für eine WM-Endrunde qualifizieren. Mehdi Benatia war damals gerade einmal elf Jahre alt. Heute ist er der größte Star der Mannschaft und der Hoffnungsträger all seiner Landsleute, die eine erneute WM-Teilnahme ersehnen. "Es ist normal, von einer WM-Qualifikation zu träumen. Es würde uns sehr stolz machen, unser Land in Russland zu vertreten, denn wir würden unseren Fans eine riesige Freude bereiten. Aber der Weg ist lang und schwer."

Wie in jedem Nationalteam ist die Weltmeisterschaft auch bei den Marokkanern das Gesprächsthema Nummer eins. "Wir sprechen schon lange von der WM. Momentan müssen wir uns aber auf die kommenden Partien konzentrieren. Wir haben also die Gespräche rund um Russland 2018 nach hinten verschoben und können zu Beginn der Qualifikation Ende des Jahres wieder darüber reden."

Benatia hat bei Spitzenklubs in den besten europäischen Ligen gespielt, aber eine WM-Teilnahme bleibt sein großer Traum. "Als Profi hoffe ich, eine WM bestreiten zu können. Ich spiele in einem prestigereichen Klub und will die marokkanische Auswahl zu diesem Großereignis führen. Unsere Fans erwarten das von uns. Wenn es uns gelingt, wird ganz Marokko glücklich sein"

Zunächst aber fiebern alle Afrikaner dem kommenden 24. Juni entgegen, wenn in Kairo die Gruppenauslosung der Afrika-Qualifikation für Russland 2018 stattfindet. Jeder Spieler hat im Grunde einige Lieblingsgegner und möchte anderen lieber aus dem Weg gehen. Der als Sohn eines marokkanischen Vaters und einer algerischen Mutter in Frankreich geborene Benatia verrät gegenüber FIFA.com seine Vorlieben: "Die Mannschaften unserer Nachbarländer haben ein hohes Niveau. Algerien und Tunesien sind sehr stark, ganz zu schweigen von Ägypten. Wir respektieren alle Gegner, fürchten uns aber vor niemandem. Ich möchte keinem bestimmten Team aus dem Weg gehen, aber als Spieler wünsche ich mir natürlich, dass es das Los gut mit uns meint. Es wäre gut, wenn wir nicht gegen die Spitzenteams des Kontinents antreten müssen, aber ich wiederhole, dass wir uns vor niemandem fürchten."

Seit Benatia bei den Spitzenklubs AS Rom und später Bayern München unter Vertrag steht, ist er auch bei den Atlaslöwen ein Führungsspieler, der auf und neben dem Platz als Vorbild vorangeht. "Seit dem Abschied von Houssine Kharja gehöre ich zu den Routiniers und habe das Gefühl, dass ich Verantwortung tragen muss", sagt der Verteidiger am Ende des Gesprächs. "Ich stelle meine Erfahrung in den Dienst der Mannschaft und führe meine Teamkameraden auf dem Platz an.  Auch wenn ich nicht die Kapitänsbinde trage, gebe ich Ratschläge, damit sich die Mannschaft verbessert und wir in den Turnieren, die uns bevorstehen, so weit wie möglich kommen."