Gabi: Ein Anführer von Simeone zu Xavi

  • Al Sadd spielt gegen Monterrey um einen Platz im Halbfinale

  • Kapitän Gabi kommt voraussichtlich eine Schlüsselrolle zu

  • Der Sieger trifft auf den FC Liverpool

Zwei Mal verpasste er die Teilnahme an der FIFA Klub-Weltmeisterschaft mit Atlético Madrid nur knapp. Doch nun hat Gabi Fernandez im Alter von 36 Jahren endlich sein Debüt bei dem Turnier gefeiert. Der Spanier in den Reihen von Al Sadd grinst und zuckt mit den Schultern, als er über diese Leistung spricht: "Das ist das einzige Turnier, an dem ich noch nicht teilgenommen hatte. Eigentlich sollte ich in meinem Alter nicht mehr so aufgeregt sein, doch ich bin es trotzdem."

Der in Madrid geborene Mittelfeldspieler ist der Spielführer des Meisterteams aus Katar und setzt damit eine persönliche Tradition fort, denn er hat bei nahezu jedem seiner Teams die Kapitänsbinde getragen. Die einzige Ausnahme war Getafe, wo er in der Frühphase seiner Karriere ein Jahr spielte. Bei Zaragoza füllte er erstmals die Rolle des Kapitäns aus, und dann auch als verlängerter Arm von Trainer Diego Simeone im wohl besten Atleti-Team aller Zeiten. Nun trägt er die Kapitänsbinde auch in dem von seinem Landsmann Xavi trainierten Team von Al Sadd.

"Meine Aufgabe als Kapitän besteht darin, vorbildlich zu zeigen, wie wir hier den Fussball leben und atmen. Und natürlich zeige ich stets vollen Einsatz", so die Beschreibung seiner Rolle. "Ich versuche, meine Erfahrung als Spielführer verschiedener Teams einfließen zu lassen. Das mag leicht aussehen, aber das ist es nicht. Man spürt förmlich, dass die Spieler so viel wie möglich lernen wollen und genau beobachten, was du tust. Ich versuche jedenfalls, ein gutes Vorbild zu sein."

Der Druck der Erwartung

Im Auftaktspiel hatte Al Sadd zunächst Mühe, mit dem Druck in der Rolle des Gastgeberteams zurecht zu kommen. Hienghène Sport aus Neukaledonien hielt gut dagegen, so dass es am Ende der 90 Minuten 1:1 unentschieden stand. Gabi motivierte in den Minuten vor Beginn der Verlängerung seine Teamkameraden, applaudierte ihnen und forderte sie auf, alle Reserven abzurufen. Mit Erfolg: Al Sadd setzte sich mit 3:1 durch. "Die Jungs sind sehr aufgeregt, bei diesem Turnier dabei zu sein", sagt er über seine Mitspieler. "Wir haben gut gespielt, aber unsere Chancen nicht genutzt. Ich weiß, dass wir morgen in absoluter Bestform sein müssen, um mit Monterrey mithalten zu können."

Die Mexikaner gehen als Favorit in die Partie, worin Gabi einen Vorteil für Al Sadd sieht: "Ich bin sicher, dass uns die Rolle des Außenseiters gegen Monterrey zugute kommen wird. Je weniger Druck auf uns lastet, desto besser für alle."

Der Mittelfeldspieler lässt seine Karriere in Doha ausklingen. Er vermisst seine Familie, die weiterhin in Madrid wohnt – und natürlich seinen Ex-Klub Atleti: "Es war nicht leicht, alles hinter mir zu lassen, nach all dem, was ich dort erlebt habe. Außerdem habe ich mich in Madrid immer sehr wohl gefühlt." Wettbewerbe wie die FIFA Klub-Weltmeisterschaft stellen für Gabi eine enorme Motivation dar. Außerdem findet er es spannend, sich an eine Spielweise anzupassen, die derjenigen aus Madrid diametral gegenüber steht.

Eine ganz neue Spielweise

"Wie schafft man es, vom cholismo [der von Atleti- Trainer Simeone (Spitzname El Cholo]) propagierten Spielweise zu der von Xavi und Barça zu wechseln?", fragt er mit einem Lächeln. "Das ist eine gute Frage. Sicher ist, dass ich einige Angewohnheiten habe, beispielsweise längere Bälle zu spielen und versuchen, den zweiten Ball zfifu gewinnen. Das gibt es hier kaum. Also versuche ich, mich so schnell wie möglich anzupassen. Das Ganze ist wirklich eine fantastische Erfahrung. Diese Spielweise kennen zu lernen und dann die beiden verschiedenen Spielweisen umzusetzen, ist eine perfekte Kombination. Das gilt nicht nur für die Gegenwart, die mir großen Spaß macht, sondern auch für die Zukunft."

Die Chancen stehen gut, dass Gabi eines Tages nach dem Ende seiner aktiven Karriere in die Fußstapfen von Xavi tritt und ebenfalls Trainer wird. Doch derzeit konzentriert er sich einzig auf Monterrey. "Ich denke, wir sind in der Lage, in solchen Partien zu bestehen", sagt er über sein Team. "Und ich bin hier, um dem Team dabei zu helfen." Falls der Kapitän weiterhin mit derart gutem Beispiel voran geht, so viel Einsatz wie immer zeigt und seine Mitspieler motiviert, stehen die Chancen für Al Sadd gut, es ins Halbfinale gegen Liverpool zu schaffen.