Sanfrecces Routiniers bauen auf Erfahrung

9. Dez. 2015

Der torgefährliche Stürmer Hisato Sato und der Mittelfeldkünstler Kazuyuki Morisaki mögen sich dem Ende ihrer glanzvollen Karrieren nähern, doch kurz vor Beginn der FIFA Klub-Weltmeisterschaft Japan 2015 sind die Routiniers von Sanfrecce Hiroshima fest entschlossen zu beweisen, dass Erfahrung durch nichts zu ersetzen ist.

Im Exklusiv-Interview mit FIFA.com sprachen Sato und Morisaki über die Aussichten des japanischen Meisters bei seiner zweiten Teilnahme am interkontinentalen Kräftemessen der besten Vereinsmannschaften.

In einer Neuauflage des Duells bei der FIFA Klub-Weltmeisterschaft Japan 2012 trifft Sanfrecce zu Beginn des diesjährigen Turniers in der Playoff-Partie für das Viertelfinale erneut auf Auckland City FC. Vor drei Jahren, als sein Team Fünfter wurde, erzielte Sato drei Tore. Doch bis heute schmerzt den japanischen Nationalspieler die 1:2-Niederlage gegen den ägyptischen Vertreter Al Ahly, durch die Sanfrecce damals ausschied.

"Ich bin immer noch enttäuscht, dass ich die Chance zu einem zweiten Tor vergab", sagt Sato. "Unsere Gegner nutzten ihre Chancen, doch wir verpassten es, aus unseren Gelegenheiten Kapital zu schlagen. Es wäre spannend gewesen, den Afrikameister zu schlagen, dann gegen den Südamerikameister zu bestehen und erstmals gegen das stärkste Team Europas anzutreten. Aber das haben wir verpasst. Al Ahly war natürlich ein exzellentes Team, und Mohamed Aboutrika zeigte in jenem Spiel eine großartige Leistung. Auch der diesjährige afrikanische Vertreter TP Mazembe verfügt über mehrere versierte Spieler. Aber um unsere Niederlage von 2012 zu rächen, müssen wir zunächst Auckland City schlagen und in die nächste Runde gegen den Afrikameister einziehen."

Die Mannschaft von Sanfrecce, die in Japan 2012 dabei war, hatte damals zum ersten Mal die Meisterschaft in der J.League erobert. Sato war 30 Jahre alt und in absoluter Topform, er genoss die sich bietende Gelegenheit, an diesem Weltturnier teilzunehmen, anstatt es vor dem Fernsehgerät zu verfolgen. 2007 noch war Sato ins International Stadium Yokohama gereist, um sich das Finale zwischen Boca Juniors und AC Mailand anzusehen und live sein großes Vorbild zu bewundern, den italienischen Stürmer Filippo Inzaghi. Acht Jahre später spürt Sato die zunehmende Last der Verantwortung, die seine Rolle als erfahrener Leistungsträger mit sich bringt.

"Ich habe mit meinem heutigen Coach Hajime Moriyasu eine Saison lang bei Vegalta Sendai zusammengespielt. Es war seine letzte Saison als Aktiver", erinnert sich Sato. "Das war 2003, und ich hatte mir endlich einen Stammplatz erobert. Ich hätte mir nie träumen lassen, dass wir eines Tages als Trainer und Spieler zusammen die J.League gewinnen und an einem Turnier wie der Klub-Weltmeisterschaft teilnehmen würden."

Zwischen Vorfreude und Verantwortung Sato ist heute 33 und damit nur ein Jahr jünger als Inzaghi beim Turnier von 2007. Der 2012 zum wertvollsten Spieler der J.League gewählte Akteur freut sich auf die Chance, ein zweites Mal auf der weltweiten Bühne zu brillieren.

"Vor drei Jahren war ich der Kapitän, und es war meine Aufgabe, 90 Minuten auf dem Platz zu stehen und jede Chance zu verwerten, die sich mir bot. Tore zu schießen gehört immer noch zu meinen Aufgaben, doch inzwischen bin ich auch mehr am Aufbau der Angriffe beteiligt. Sanfrecce hat in den letzten drei Jahren einige neue Spieler integriert, und die jüngeren haben sich enorm entwickelt. Unabhängig davon, welche Spieler auf dem Platz stehen, sind wir in der Lage, einen hervorragenden Fussball zu spielen. Ich bin zuversichtlich, dass wir besser abschneiden werden als 2012."

Auch der in Hiroshima geborene und aufgewachsene Morisaki sieht freudig der Gelegenheit entgegen, sich mit einigen der besten Klubs der Welt zu messen. Der 34-jährige Mittelfeldspieler, der sich durch seine feine Ballbehandlung und gute Spielübersicht auszeichnet, hält am Motto seines Trainers Moriyasu fest: "Ein starkes Team gewinnt nicht. Ein Gewinner-Team ist stark." Die Strategie des schnellen Kurzpassspiels mit ständiger Bewegung ohne Ball, die Sanfrecce 2012 und 2013 zwei Mal in Folge den Titel in der J.League bescherte, blieb unverändert. Aber Morisaki glaubt, dass die aktuelle Mannschaft über eine noch größere Siegermentalität und über die Entschlossenheit verfügt, wenn nötig bis zum Schlusspfiff für einen Erfolg zu kämpfen.

"Wir bleiben unserem eigenen Fussballstil treu", sagt Morisaki. "Aber um sicherzustellen, dass wir trotz schönen Spiels nicht verlieren, können wir uns im Verlauf der Partie anpassen, wenn sich die Situation ändert. Das ist letztlich der Grund dafür, dass wir in dieser Saison den Titel gewonnen haben."

In dem aus Hin- und Rückspiel bestehenden Finale der J.League behielt Sanfrecce gegen Gamba Osaka dank der Mischung aus Erfahrung und taktischem Einfallsreichtum, um die der Rest der Liga das Team beneidet, die Oberhand. Morisaki, der seine gesamte Karriere in Hiroshima verbracht hat, kann es kaum erwarten zu sehen, wie sich Sanfrecces Fussball gegen Mannschaften aus anderen Ländern behauptet, insbesondere gegen die Spitzenteams aus Afrika, Südamerika und Europa.

"Ich bewundere den FC Barcelona und würde es lieben, gegen sie zu spielen", sagt Morisaki. "Aber es wird schwer, so weit zu kommen. Auckland City ist ein starkes Team, deshalb werden wir von Spiel zu Spiel denken müssen. Bei diesem Turnier gibt es keine leichten Begegnungen."

Auf die Frage, wie er selbst sich im Verlauf der letzten drei Jahre weiterentwickelt habe, antwortet Morisaki mit einem Lächeln: "Nun, ich bin heute älter." Und nach einer kleinen Pause ergänzt er: "Ich glaube nicht, dass ich mich stark verändert habe, doch ich konnte bei der vorherigen Klub-WM viele Dinge lernen, und mein Team hat viele Hindernisse überwinden müssen, um diesen Punkt zu erreichen. Wir repräsentieren Japan, deshalb will ich verantwortungsvoll und mit Stolz spielen."

Das Team aus Hiroshima hat sich seit der Teilnahme an der Klub-Weltmeisterschaft 2012 kontinuierlich verbessert. Drei Meistertitel in den letzten vier Jahren geben ein beredtes Zeugnis ab vom ständig wachsenden Können und der Fähigkeit des Teams, in den entscheidenden Momenten auf der Höhe zu sein. Morisaki, der neben seinem Zwillingsbruder wesentlichen Anteil daran hatte, dass Sanfrecce heute eine so dominierende Rolle spielt, hofft darauf, sein Talent gegen Barcelonas Mittelfeldstar Sergio Busquets unter Beweis stellen zu können. "Ich will mich darauf konzentrieren, meinem Team zum Sieg zu verhelfen", sagt er zum Abschluss.